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South Carolina streitet über sein Atomkraft-Desaster

Reaktor 1 des Kernkraftwerks Virgil C. Summer ist seit 1984 in Betrieb, nur wenige Meter entfernt stehen die unfertigen Ruinen der Reaktoren 2 und 3. (Foto: © <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:V._C._Summer_Nuclear_Generating_Station.jpg"> SCE&G / DJSlawSlaw / Wikimedia.Commons</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en" target="_blank">CC BY-SA 3.0</a>)
Reaktor 1 des Kernkraftwerks Virgil C. Summer ist seit 1984 in Betrieb, nur wenige Meter entfernt stehen die unfertigen Ruinen der Reaktoren 2 und 3. (Foto: © SCE&G / DJSlawSlaw / Wikimedia.Commons, CC BY-SA 3.0)

Nächste Runde in South Carolinas Milliarden-Desaster: Nachdem der Neubau von zwei Atomreaktoren aufgrund explodierender Kosten und Pleiten gestoppt wurde, bricht neuer Streit aus. Sollen die Stromkunden noch 60 Jahre für die Atomruine zahlen?

30.01.2018 – Im Jahr 2006 fiel der Startschuss für das hoffnungsvolle Projekt, das sich nach 12 Jahren mit den Begriffen Ruin und Bankrott passend beschreiben lässt. Damals beschlossenen Regierung und Kongress des Bundesstaats an der US-Ostküste, Energieversorgern beim Bau neuer Atomreaktoren großzügigen Spielraum zu gewähren. Sie durften einen Teil der laufenden Baukosten den Stromkunden in Rechnung stellen. Das war zwar unüblich, schien damals aber unproblematisch. Die Stromkosten waren hoch und der Bau der zwei neuen Reaktoren am Kernkraftstandort Virgil C. Summer, gut 30 Kilometer nördlich der Hauptstadt Columbia, war unstrittig. 11,5 Milliarden US-Dollar sollten sie kosten und ab 2018 Strom liefern.

Desaster statt Renaissance

Die US-Atomindustrie versprach eine Nuklear-Renaissance, denn seit den 1970er Jahren wurden keine neuen Atomreaktoren mehr gebaut. Dass daraus nichts wird, hätte man schon bald wissen können. Kontinuierlich stiegen die Kosten, zudem verlangten die beiden Auftraggeber, die Energieversorger South Carolina Electric & Gas und Santee Cooper, zahlreiche Änderungen. Sicherheitssysteme mussten zwischendurch angepasst und Komponenten überarbeitet werden.

2015 übernahm der Reaktorhersteller Westinghouse die alleinige Bauausführung, im März 2017 kam dann die Pleite: Überfordert und mit gewaltigen, weiter steigenden Verlusten belastet, musste Westinghouse Insolvenz anmelden. Der Mutterkonzern Toshiba geriet ebenfalls ins Schlingern und kaufte sich mit 2,2 Milliarden US-Dollar aus der Verantwortung.

9 Milliarden und eine Ruine

Im Sommer verkündeten dann South Carolina Electric & Gas und Santee Cooper: Das Projekt wird gestoppt. Nach gründlichen Untersuchungen kamen sie zu dem Ergebnis, dass es günstiger sei, das gesamte Vorhaben nicht weiter zu verfolgen. Eine Fertigstellung hätte mindestens 21 Milliarden US-Dollar gekostet, Inbetriebnahme ungewiss. Das Ergebnis dieses gigantischen Missverständnisses: Eine 9 Milliarden teure Atomruine, die zu 40 Prozent fertiggestellt ist. Und die Frage, wer dafür zahlt.

Denn noch immer werden Kosten des Projekts auf die Verbraucher abgewälzt. Für Privatkunden von South Carolina Electric & Gas bedeutet das: 18 Prozent ihrer Stromrechnung fließt in die Atomruine. Der staatliche Versorger Santee Cooper musste seine Tarife in den letzten Jahren fünfmal erhöhen, um für das gescheiterte Atomprojekt zu zahlen.

Zahlen die Stromkunden noch 60 Jahre?

Zwei Milliarden Dollar haben die Stromkunden auf diesem Weg bisher gezahlt, jeden Monat kommen weitere 37 Millionen hinzu. Nach Lage des Gesetzes könnte dies noch 60 Jahre weiterlaufen. Deshalb suchen Volksvertreter nach alternativen Lösungen, doch so einfach scheint es nicht zu sein. Offenbar ist es rein rechtlich kaum möglich, sich das Geld von den Energieversorgern wiederzuholen, berichtet das Magazin Governing.

Seit Monaten beschäftigen sich der Gouverneur und zahlreiche Untersuchungsausschüsse mit der Frage wie es so weit kommen konnte. Eines scheint ziemlich sicher: Das Geld ist weg. Deshalb wird sich der Kongress in den kommenden Monaten mit der Frage beschäftigen, wie zusätzliche Zahlungen eingeschränkt werden können. Denn die Atomruinen verschlingen noch immer größere Summen, auch wenn so gut wie sicher ist, dass dort nie Strom produziert werden wird. Doch so einfach ist das nicht. Die Energieversorger argumentieren, dass ihnen die Zahlungsunfähigkeit drohe, falls der Geldhahn zugedreht würde.

Für den Staat könnte dieses Szenario noch teurer kommen. Den staatlichen Versorger Santee Cooper könnte die Politik vermutlich gar nicht Pleite gehen lassen, trotz der angehäuften Schulden von 8 Milliarden US-Dollar, davon mehr als die Hälfte durch das Atomkraft-Desaster. cw


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