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Weniger CO2Stahlindustrie experimentiert mit Wasserstoff statt Kohle

Duisburg ist noch immer Europas größter Stahl-Standort. Wenn die Tests mit Wasserstoff gut verlaufen, könnten dort bald weniger Emissionen entstehen.
Duisburg ist noch immer Europas größter Stahl-Standort. Wenn die Tests mit Wasserstoff gut verlaufen, könnten dort bald weniger Emissionen entstehen. (Foto: © thyssenkrupp Steel Europe)

In Duisburg startet der erste Versuch, die extrem klimaschädliche Stahlerzeugung mit Wasserstoff statt Kohlenstaub anzutreiben und so CO2 einzusparen. Thyssen-Krupp träumt bereits vom grünen Stahl, doch die Deutschen sind nicht die einzigen Pioniere.

14.11.2019 – Sieht so die Zukunft der Industrie auf dem Weg in eine klimaneutrale Gesellschaft aus? Spricht man mit Politikern der Bundesregierung und der Industrie dieser Tage, dann führt am Thema Wasserstoff kaum ein Weg vorbei. Industrieprozesse, die bislang noch auf Kohle oder anderen fossilen Energien basieren, könnten mit Wasserstoff weniger CO2-Emissionen verursachen oder ganz auf Ökostrom umgestellt werden.

Das sind derzeit die wahrscheinlichsten Szenarien, um die Wirtschaft klimaneutral umzubauen. Gerade Wasserstoff gerät in den Fokus, weil das chemische Element mit dem Symbol H fossile Energien wie Erdgas oder Kohle fast eins zu eins ersetzen könnte. Damit Wasserstoff aber klimafreundlich ist, muss er mit Erneuerbaren Energien herstellt werden, sonst ist in Sachen Klimaschutz nichts gewonnen.

Thyssen-Krupp versucht sich in Duisburg am „grünen Stahl“

In der Industrie angekommen ist Wasserstoff aber noch nicht, weshalb die Meldung von Thyssen-Krupp ein Einstieg in die Wasserstoff-Revolution der Industrie markieren könnte. Erstmals wurde am Montag in einem Hochofen Kohlenstaub teilweise durch Wasserstoff ersetzt.

Schritt für Schritt plant Deutschlands größter Stahlproduzent, den Anteil zu erhöhen. Am Montag wurde zunächst an einer von 28 sogenannten Blasformen statt Kohlenstaub Wasserstoff in den Hochofen Nummer 9 eingeblasen. Die Pläne sehen vor, auch in den anderen zwei Hochöfen ab 2022 mit Wasserstoff als Reduktionsmittel zu arbeiten.

Noch lange nicht CO2-frei

CO2-frei ist der Stahl damit noch lange nicht, nur Kohlenstaub als sogenanntes Reduktionsmittel fällt im ersten Schritt weg. 200 Kilogramm sind das laut Thyssen-Krupp pro Tonne Roheisen. Die ebenfalls notwendigen 300 Kilogramm Koks sollen derzeit nicht ersetzt werden. Auch die Weiterverarbeitung benötigt große Mengen Energie und verursacht weiterhin enorme Emissionen.

Mehr als ein kleiner Anfang ist der Versuch, Wasserstoff statt Kohlenstaub zu verwenden, also nicht. Bis zu 20 Prozent CO2 hofft der Stahlkonzern bei der Produktion einzusparen, wenn der Hochofen allein mit Wasserstoff als Reduktionsmittel arbeitet. Bitter nötig, könnte man meinen. Immerhin ist das Duisburger Werk die Industrieanlage mit dem höchsten CO2-Ausstoß in Deutschland.

Teures Experiment in Duisburg

Auch wenn die Konkurrenz auf dem Stahlmarkt hart ist und die europäischen Hersteller dringend neue Geschäftsfelder auftun müssen, hätte Thyssen-Krupp die Umrüstung womöglich nicht ohne Hilfsgelder in Angriff genommen. Mit 1,6 Millionen Euro fördert das Land Nordrhein-Westfalen das Experiment.

Für „grünen Stahl“ benötigt man allerdings ganz neue Hochöfen, die mit Wasserstoff, Eisenschwamm und Ökostrom arbeiten, eine Umrüstung der bestehenden Anlagen würde kaum funktionieren. Die Umstellung koste bis 2050 etwa zehn Milliarden Euro, schätzt der Konzern. Dann will Thyssen-Krupp klimaneutral sein.

Grüner Wasserstoff aus Österreich

Das nächste Problem ist der Wasserstoff selbst, denn große Anlagen zur Herstellung fehlen bislang. Zum Pionier will der österreichische Technologie- und Stahlkonzern Voestalpine aufsteigen, der am Montag die weltweit größte Wasserstoff-Elektrolyse-Anlage in Betrieb nahm. Die 18 Millionen teure Pilotanlage am Unternehmenssitz in Linz soll ein erster Baustein zur langfristigen Strategie sein, die Stahlproduktion zu dekarbonisieren.

Die Anlage soll Wasserstoff CO2-frei herstellen, indem mit Hilfe von Ökostrom Wasser in seine Grundkomponenten Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird. Die Anlage von Voestalpine, einem wichtigen Zulieferer der Bahn- und Flugzeugindustrie, ist Teil des EU-geförderten Projekts „H2FUTURE“ mit weiteren Partnern wie Siemens und Verbund. cw


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Kommentare

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Denkender Bürger 14.11.2019, 16:45:17

Da kann man mal sehen, was mit besonnenen und durchdachten technischen Konzepten alles möglich ist!

Die Leute, die sowas entwickeln sind die wahren Helden der Energiewende und des Umweltschutzes - und nicht irgendwelche schulschwänzenden Kinder oder sog. Umwelt-Aktivisten, die in selbstgerechter Empörung irgendwelche Parolen skandieren oder zweifelhafte Aktionen lostreten!

Deshalb sollten solche Menschen wie die Entwickler solcher Systeme bei den Betrachtungen zu Umweltschutz, Energiewende im Mittelpunkt stehen - denn die machen und gestalten aktiv den Umweltschutz und die Energie-Wende. Oder anders gesagt:

Diese Leute erfüllen genau das, was andere nur lauthals fordern.

Erinnert mich sehr an einen Satz aus einem alten Buch:

"Wahre Helden und die wirklich guten Menschen sind nicht diejenigen, die laut schreiend im Mittelpunkt stehen wollen - wahre Helden und wirklich gute Menschen sind leise und bescheiden, weil sie wissen, daß es immer eine Menge Dinge geben wird, wie sie nicht wissen und können."

Quayle 14.11.2019, 18:28:35

Die technischen Konzepte (nicht nur hier) sind faszinierend und treiben die Energiewende.

 

Aber ohne die "schulschwänzenden Kinder" (und andere die immer wieder fordern) würde fehlt der dringend notwendige Druck.

Denkender Bürger 17.11.2019, 16:40:13

+12 Gut

Der Ausstieg aus der Verstromung fossiler Rohstoffe ist schon lange beschlossene Sache.

Schon aus wirtschaftlichen Gründen:

Fossile Rohstoffe sind endlich - und man kann mit Kohle, Öl und Gas sinnvollere Dinge anstellen als sie im Kraftwerk zu verfeuern. Politik und Wirtschaft haben das längst erkannt und arbeiten schon lange daran.

Oder glauben Sie ernsthaft, komplexe Technologien wie die im Artikel beschriebene sind über Nacht entwickelt worden?

Man nimmt den Druck der Straße jetzt nur als hervorragendes Alibi, um damit teure Schritte und Dinge zu rechtfertigen, die so oder so gekommen wären und so oder so teuer geworden wären.

Etwas Besseres als die Leute, die jetzt in der naiven Annahme, sie würden damit die Welt verändern auf die Straße gehen, konnte Politik und Wirtschaft doch nicht passieren. Deswegen wird das auch überall hoch gelobt und deshalb unternimmt auch keiner der Verantwortlichen wirklich etwas dagegen.

Und wer das nicht sieht, der ist entweder blind oder so naiv, daß er auch noch an den Osterhasen und den Weihnachtsmann glaubt.


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