Szenario 2030Steigende LNG-Importe schaffen neue Unfreiheit

Flüssiggastanker auf See
Flüssigerdgas aus den USA ist die teuerste Variante von Erdgasimporten, aber die EU will genau diese Importe ausbauen. (Bild: Fawaz.tairou / CC BY-SA 4.0 / via Wikimedia Commons)

Mit langfristigen Lieferverträgen für Flüssigerdgas aus den USA untergräbt die EU ihre Energieautonomie und den Green Deal. 2030 könnten bis zu 80 Prozent des LNG und damit rund 40 Prozent der gesamten Gasimporte aus den USA stammen.

20.01.2026 – Die EU setzt zunehmend auf Importe von Flüssigerdgas (LNG), vor allem aus den USA. Das birgt risikoreiche geopolitische Abhängigkeiten. Aber auch die Pläne zur Minderung des Gasverbrauch in der EU werden dadurch sabotiert.

Das internationale Institut für Energiewirtschaft und Finanzanalyse (IEEFA) hat ausgerechnet, dass im Jahr 2030 die EU 75 bis 80 Prozent ihrer LNG-Importe aus den USA beziehen wird, wenn die geschlossenen Lieferabkommen erfüllt werden und Nachfrage von Gas als Brennstoff nicht verringert wird. Im vergangenen Jahr stammten bereit 57 Prozent der LNG-Importe aus den USA.

Zwar hat die EU ihre Energiesicherheit gestärkt, indem sie die Gasnachfrage zwischen 2021 und 2024 um über 20 Prozent gesenkt und die Gasimporte aus Russland um 75 Prozent gesenkt hat. Dieser Fortschritt birgt jedoch eine neue Verwundbarkeit: Die zunehmenden Importe von US-Flüssiggas (LNG) schaffen eine neue risikoreiche neue geopolitische Abhängigkeit.

Die gesunkenen Importe aus Russland und das schrittweise in Kraft tretende Import-Verbot wurden und werden zu einem Großteil mit US-amerikanischem LNG kompensiert, dem teuersten LNG für EU-Käufer. Im Vergleich zu 2021 kam 2025 fast viermal so viel LNG aus den USA, geschätzte 81 Milliarden Kubikmeter. Hingegen blieben die Gasimporte aus Norwegen in den letzten vier Jahren konstant bei etwa 90 Milliarden Kubikmeter jährlich.

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Im Jahr 2025 importierten dreizehn EU-Länder US-LNG. Rund 75 Prozent der Importe gingen in die Niederlande, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland. Und das im Juli 2025 geschlossene Handelsabkommen wird weitere LNG-Tankschiffe gen Europa fahren lassen. Bis 2028 verpflichtete sich die EU zu Energieimporten im Wert von 750 Milliarden US-Dollar aus den USA. Das Abkommen bindet die Energieversorgung der EU faktisch an einen Verkäufer, gefährdet die Energiesicherheit und gefährdet die Pläne zur Reduzierung des Gasverbrauchs.

Die IEEFA hat berechnet, dass die EU, wenn sie stattdessen 750 Milliarden US-Dollar für erneuerbare Energien ausgeben würden, etwa 546 Gigawatt kombinierte Solar- und Windkraft installieren könnte. Dies würde die Energiesicherheit stärken und die Strompreise senken.

Die Abhängigkeit der EU-Länder von US-LNG wird durch die Lieferabkommen vertieft, die auf der Gastech-Konferenz in Mailand im September 2025 und dem Treffen für transatlantische Energiezusammenarbeit (P-TEC) im November in Athen angekündigt wurden. Mit diesen langfristigen Gasverträgen läuft die EU Gefahr, ihren Green Deal und ihre Energieautonomie zu untergraben.

Die Abkommen könnten die EU-Importe von US-LNG bis 2030 auf etwa 115 Kubikmeter pro Jahr erhöhen, was bedeutet, dass 75 bis 80 Prozent der LNG-Importe und damit 40 Prozent der gesamten Gasimporte aus den USA stammen würden.

Europäische Gasnetzbetreiber nutzen Schlupfloch bei Erfassung von Emissionen

Im Dezember 2025 hatte die IEEFA über eine andere schmutzige Wahrheit der Gaswirtschaft berichtet. Europäische Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) nutzen ein Schlupfloch in den Berichterstattungspflichten und erfassen nur sage und schreibe ein Prozent ihrer Emissionen. Das Schlupfloch besteht in den transportierten Emissionen, die in den Emissionsberichten nicht auftauchen (müssen).

Das führt dazu, dass Investoren den falschen Eindruck gewinnen, dass Gasnetzbetreiber kohlenstoffarme Einheiten sind, die irgendwie von der fossilen Wertschöpfungskette und deren Risiken getrennt sind – obwohl sie in Wirklichkeit ihr entscheidendes Bindeglied sind. Daraus resultiert Greenwashing und unbepreiste Risiken bei den Finanzinstituten, die diese Gaspipeline-Unternehmen betreuen, da diese indirekten Emissionen faktisch in den Büchern nicht auftauchen.

„Dieser grundlegende Fehler in der Klimabilanzierung verzerrt den Markt, indem er Gaspipeline-Unternehmen ermöglicht, Kapital anzuziehen, das sonst in grünere Investitionen fließen könnte“, sagte Arjun Flora, Energiefinanzierungsanalyst bei IEEFA und Autor des Berichts. Das noch größere Risiko besteht darin, dass dieses Schlupfloch letztlich die Elektrifizierung der gasverbrauchenden Sektoren und den Übergang weg von fossilen Brennstoffen verzögert.

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Grundsatzeinigung mit EU zur Gaskraftwerksstrategie

Die EU und Deutschland haben sich auf die Grundlagen der deutschen Kraftwerksstrategie geeinigt. Umweltorganisationen sowie die Erneuerbare Energiewirtschaft fordern einen technologieoffenen Ansatz statt Ausschreibungen für Gaskraftwerke.

Der Bericht umfasst sechs europäische Fernleitungsnetzbetreiber, von denen keines transportierte Emissionen meldet: Enagás, Fluxys, Gasunie, NaTran, Open Grid Europe und Snam. Gemeinsam besitzen und betreiben sie über 100.000 Kilometer Gaspipelines und mehr als die Hälfte der EU-Terminals für verflüssigtes Erdgas.

IEEFA schätzt die insgesamt transportierten Emissionen dieser sechs Unternehmen auf 700 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich – in etwa so hoch wie die Treibhausgasemissionen Deutschlands. Die transportierten Emissionen dieser Unternehmen sind im Durchschnitt etwa 150-mal höher als ihre insgesamt gemeldeten Emissionen. pf

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