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Viel Ökostrom muss nicht viel kosten

Mehr Ökostromanlagen bedeuten nicht automatisch große Mehrkosten. (Foto: <a href="https://pixabay.com/" target="_blank">pixabay</a>, <a href="https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de" target="_blank">CC0 1.0</a>)
Mehr Ökostromanlagen bedeuten nicht automatisch große Mehrkosten. (Foto: pixabay, CC0 1.0)

Würden hierzulande mehr Windkraft- und Solaranlagen gebaut, würde dies kaum Mehrkosten bedeuten. Der Grund: Neue Ökostromanlagen sind heute sehr viel günstiger als noch vor Jahren, zudem fallen ab 2021 die alten und teuren Anlagen aus der Förderung.

24.10.2017 – Die EEG-Umlage zur Förderung Erneuerbarer Energien wird im kommenden Jahr leicht sinken, um 0,09 Cent je Kilowattstunde (kWh) auf dann 6,79 Cent. Und das obwohl der Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter voranschreitet – wie ist das möglich? Die EEG-Umlage bildet schon lange nicht mehr die reinen die Kosten des Baus neuer Windkraft-, Solar- und Biomasseanlagen ab – zum Beispiel zahlen die privaten Stromkunden und der Mittelstand seit Jahren für die großzügigen Befreiungen der Industrie. Auch der Strompreis an der Börse beeinflusst die Höhe der Umlage: Ist der Preis niedrig, steigt die Umlage, weil sie die Vergütung ausgleichen muss.

Es ist ein ziemlich kompliziertes Konstrukt, für das das Öko-Institut und die Denkfabrik Agora Energiewende einen EEG-Rechner erstellt haben. Dieser soll die Höhe der Umlage für die Zukunft abbilden. Und das Tool zeigt: Würde der Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen bis 2020 bzw. 2035 deutlich beschleunigt, würden nur geringe Mehrkosten entstehen. Mehr Ökostrom muss also nicht automatisch viel kosten.

Kosten sind seit 2009 um drei Viertel gesunken

Das liegt vor allem daran, dass die Preise für Windkraftanlagen und Photovoltaikmodule um ein Vielfaches niedriger liegen als noch vor wenigen Jahren und diese auch sehr viel effizienter sind – und sie werden immer günstiger, ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. So hat das Analyseunternehmen Bloomberg New Energy Finance in einem im Juni veröffentlichten Bericht errechnet, dass die Stromgestehungskosten bei Photovoltaik nur ein Viertel der Kosten von 2009 betragen. Bis 2040 rechnen die Experten mit einem weiteren Rückgang von 66 Prozent. Bei Windkraft an Land sollen es im selben Zeitraum 47 Prozent sein, die Kosten der Offshore-Windkraft sollen sogar um 71 Prozent sinken. Die Analyse kommt auch zu dem Schluss: In Deutschland ist die Solarenergie bereits heute so günstig wie Kohle.

Die EEG-Umlage schleppt aber weiterhin immer die teuren Anfangsinvestitionen mit, die dafür gesorgt haben, dass Wind-, Solar- und Biomasseanlagen konkurrenzfähig zu Kohle- und Atommeilern wurden. Denn jede neue Ökostromanlage erhält eine garantierte Vergütung für 20 Jahre, ab 2021 werden dann nach und nach die ersten Anlagen aus der Förderung fallen und mit ihnen die teure Vergütung, die die Stromkunden noch immer zahlen.

Doppelter Ausbau für 0,1 Cent höhere Umlage

Das Rechenbeispiel mit dem EEG-Rechner zeigt: Bleibt der Zubau von neuen Ökostromanlagen wie von der Regierung vorgesehen, beträgt die EEG-Umlage im Jahr 2020 voraussichtlich rund 8 Cent pro kWh. Würden ab 2018 dagegen doppelt so viele Solar- und Windkraftanlagen an Land wie geplant ans Netz gehen, würde die Umlage 2020 nur um 0,1 Cent höher liegen. Gleichzeitig würde aber der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch von 41 auf 43 Prozent klettern. Nimmt man an, dass ab 2021 zusätzlich dazu doppelt so viele Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee gebaut werden, erhöht sich die Umlage im Jahr 2035 um 1,1 Cent. Dann würde sie dank der wegfallenden teuren Alt-Anlagen ohnehin nur bei 3,2 Cent liegen, also der Hälfte des aktuellen Werts. Gleichzeitig könnte der Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch auf 83 Prozent steigen, statt 53 ohne den zusätzlichen Ausbau.

Die Berechnungen zeigen deutlich, dass der heutige Ausbau von Windkraft- und Solaranlagen kaum Mehrkosten verursacht, aber für die Energiewende und die Erreichung der Klimaziele enorm wichtig ist. Die neue Bundesregierung sollte jetzt den Wechsel von klimaschädlichen Technologien zu Erneuerbaren Energien zügig angehen. cw


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