Nützliche EnergieWarum wir Energie vom Verbraucher her denken müssen (und es bereits tun)

Luftaufnahme einer Landschaft bei tief stehender Sonne: Im Vordergrund erstreckt sich ein großes Solarfeld mit langen, parallel angeordneten Reihen von Photovoltaikmodulen, deren Oberflächen im Sonnenlicht spiegeln. Dahinter liegen grüne und braune Ackerflächen, durchzogen von Wegen. Mehrere Windkraftanlagen stehen in einer Reihe bis zum Horizont. Rechts ist in der Ferne eine Küstenlinie mit Meer erkennbar. Die Szene zeigt die kombinierte Nutzung von Solar- und Windenergie in einer offenen Agrarlandschaft.
Solar und Windkraft: Wirkungsgrad von über 90 Prozent (Bild: Benoît Deschasaux, unsplash+)

Die Energie aus Kohle oder Benzin ist in Sachen Effizienz nicht mit der aus Solarkraft und dem Elektroauto vergleichbar. Energieexperten plädieren für einen stärken Fokus auf nützliche Energie für den Verbraucher, statt vorhandener Primärenergie.

19.02.2026 – laut vorläufigen Berechnungen der AG Energiebilanzen hatten die Erneuerbaren Energien 2025 einen Anteil am Primärenergieverbrauch in Deutschland von 20,6 Prozent. Öl mit 35,7 (vor allem für den Verkehr) und Erdgas mit 26,9 Prozent (vor allem fürs Heizen und für industrielle Prozesse) geben dagegen den Ton an. Noch – denn das Energiesystem wandelt sich. Und das hat vor allem für die Verbraucher:innen und den energieeffizienten Einsatz der Energie Vorteile.

Wie stark die Vorteile sind, das haben Experten des internationalen Energie-Think-Tanks Ember einmal detailliert aufgelistet. In ihrer Analyse „Reframing Energy for the Age of Electricity“ kritisieren die Autoren, dass gängige Energiestatistiken, die bei Primärenergie starten, daraus oftmals die final nutzbare Energie ableiten. Das führe zu Fehlschlüssen.

Anhand ihrer Berechnungen auf vier verschiedenen Feldern – dort wo Energie benötigt wird – machen die Ember-Experten deutlich, wie ineffizient die Verbrennung fossiler Brennstoffe für Strom sowie fürs Heizen oder Fahren im Vergleich zu Erneuerbaren Strom sowie elektrischen Wärmebereitstellung und elektrischen Antrieben ist.

1. Die Bereitstellung von Strom

Liegt die Nutzbarkeit des generierten Stroms aus Wind-, Wasser- und Sonnenkraft bei 92 Prozent, sinkt diese bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas auf 29 Prozent – denn hier muss Hitze bekanntlich erst in Elektrizität umgewandelt werden.

2. Bewegung erzeugen

Geht es darum etwas in Bewegung zu setzen, wie den Verkehrssektor, Maschinen und industrielle Prozesse, stellt sich grundsätzlich die Frage, ob dies mit elektrischer Energie oder Brennstoffen geschieht. Hier ist die elektrische Energie heute bereits klar im Vorteil. Laut Ember-Berechnungen setzen elektrische Antriebe im Schnitt 68 Prozent ihrer Energie in nutzbare Leistung um, Brennstoffe dagegen nur 29 Prozent.

Betrachtet man allein Pkws und mehrere seriöse Studien, ist der Unterschied zum Teil noch höher. Bei der bereitgestellten Energie im Auto selbst liegt ein E-Auto bei einem Wirkungsgrad zwischen 60 und 94 Prozent, je nachdem wo das Auto fährt, in der Stadt oder Außerorts und ob im Auto eine Rekuperation eingebaut ist (bei viel zurückgeleiteter Bremsenergie in der Stadt erreicht das E-Auto bis zu 94 Prozent).

Ein Benziner dagegen kommt nur auf eine nutzbare Energie von 12 bis 30 Prozent, je nach Fahrprofil. Diesel sind effizienter und haben einen Wirkungsgrad von 35 bis knapp über 40 Prozent. Sogenannte E-Fuels haben übrigens nur einen Wirkungsgrad von 13 Prozent. Der Rest der Energie beim Verbrenner geht vor allem für Motorwärme, Abgas-/Kühlverluste, Leerlauf und Antriebsstrangverluste drauf.

3. Wärme bereitstellen

Brennstoffe haben bei der Bereitstellung von Wärme immerhin einen Wirkungsgrad von Durchschnittlich 64 Prozent. Doch auch hier sind elektrische Lösungen klar im Vorteil. Sie kommen im Schnitt auf eine nutzbare Energie von 91 Prozent. Besonders heraus stechen hier Wärmepumpen. Für Niedertemperaturwärme liegt der Effizienzgrad bei enormen 300 bis 400 Prozent. Denn sie erzeugen die Wärme nicht, sondern transportieren sie aus der Umwelt rein. So kann mit einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunde Wärmeenergie aus der Umgebung in das Gebäude transportiert werden.

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4. Wo elektrische Energie zu Brennstoff werden soll

Für den Klimaschutz sollen industrielle Prozesse vermehrt mit grünem Wasserstoff betrieben werden. Es sind Prozesse, für die es eine hohe Energiedichte braucht und wo elektrische Energie an ihre Grenzen stößt. Immerhin geht die Entwicklung in die Richtung, dass Wasserstoff bis zu 70 Prozent seiner ursprünglich benötigten Energie auch vor Ort umsetzen kann. Jedoch sind hier fossile Brennstoffe und deren direkte Verbrennung für industrielle Prozesse offensichtlich im Vorteil, mit einem Effizienzgrad von 85 Prozent.

Auf diesem vierten Feld und Betrachtung der Weltlage sehen die Analysten von Ember weiter eine unangefochtene Markführerschaft fossiler Brennstoffe. Zugleich sehen sie viele weitere Möglichkeiten der Elektrifizierung von Prozessen, sodass etwa Wasserstoff nur dort eingesetzt wird, wo unbedingt nötig – und eben nicht für den Antrieb von Autos oder das Heizen von Häusern.

Während jedoch Wind und Solar inzwischen die stärksten Säulen im deutschen Strommix sind und Erneuerbare Energien rund 60 Prozent des tatsächlich verbrauchten Stroms ausmachen, sind wir im Wärmebereich von solchen Zahlen noch weit entfernt.

2024 betrug der Anteil von Strom an der Wärmeerzeugung, laut AG Energiebilanzen, 9,5 Prozent. Wobei eben Wärmepumpen ein Vielfaches des Stromeinsatzes in Wärmeenergie umwandeln können. Weltweit erwartet Ember einen stark steigenden Anteil der besonders effizienten Technik, sollten Wärmepumpen endlich im großen Maßstab skaliert werden. In Deutschland wartet die Branche sehnsüchtig auf die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, das dann Gebäudemodernisierungsgesetz heißen soll. Insgesamt beträgt der Anteil Erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung rund 18 Prozent.

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Auch wird in Deutschland und Europa weiter über ein Aus des Verbrenner-Aus diskutiert, obwohl nicht erst Ember zeigt, wie ineffizient Verbrenner-Motoren – auch E-Fuels – im Vergleich zu E-Autos sind. Dennoch beträgt in Deutschland der Anteil des Stroms am Endenergieverbrauch im Verkehr gerade einmal zwei Prozent – über 90 Prozent leisten weiterhin Kraftstoffe aus Mineralöl.

Immerhin wurde kürzlich eine sozial gestaffelte E-Autoprämie beschlossen. Andere Länder und deren Automobilindustrie sind allerdings schon deutlich weiter. In Norwegen wird inzwischen fast kein Verbrenner mehr neu zugelassen und chinesische E-Autos überrollen – staatlich subventioniert – den heimischen und weltweiten Markt.

Wie Prognosen der Internationalen Energieagentur zeigen, könnte die Nachfrage nach Öl im Verkehr dieses Jahr erstmals fallen, dann würde Strom den gesamten Zuwachs an nützlicher Energie in diesem Bereich liefern. Bei der Stromerzeugung stellen die Erneuerbaren Energien Wind und Sonne ohnehin bereits über 90 Prozent des weltweiten Zuwachses.

Dass fossile Brennstoffe weltweit noch immer über 80 Prozent der Primärenergie stellen, dürfe laut Ember nicht über die rasante Entwicklung hinwegtäuschen, die die effiziente Stromerzeugung und Nutzung Erneuerbarer Energien aktuell vollzieht. mg

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