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Neue Prognose

Was sinkender Energieverbrauch und CO2-Emissionen bedeuten

Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland, 1.-3. Quartal 2018
Struktur des Primärenergieverbrauchs in Deutschland, 1.-3. Quartal 2018: Zwar haben sich die Anteile der verschiedenen Energieträger im nationalen Energiemix leicht zugunsten der Erneuerbaren Energien verschoben. Dennoch dominieren die fossilen Energien. (Grafik: AG Energiebilanzen)

Der Energieverbrauch sinkt um fünf Prozent, der CO2-Ausstoß sogar um sieben. Warmes Wetter und weniger Wirtschaftswachstum spielen eine Rolle, aber es gibt auch strukturelle Gründe. Erfüllt die Energiewende endlich ihre Klimaschutzaufgabe?

05.11.2018 – Es sind erfreuliche Zahlen aus Berlin und Bergheim: Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hat auf Grundlage der ersten drei Quartale 2018 eine Prognose für das gesamte Jahr aufgestellt. Ihr Fazit: Der Energieverbrauch fällt deutlich niedriger aus als im Vorjahr und sinkt um fünf Prozent. Weniger verbraucht wurden insbesondere fossile Energieträger, also Braun- und Steinkohle, Erdgas und Mineralöl. Dagegen legte die CO2-freie Energieerzeugung zu, also Erneuerbare Energien und Atomenergie.

„Für den sinkenden Verbrauch verantwortlich waren vor allem steigende Preise, die milde Witterung sowie Verbesserungen bei der Energieeffizienz. Die verbrauchssteigernden Faktoren Konjunktur und Bevölkerungswachstum traten dagegen zurück.“ AG Energiebilanzen

Der Verbrauch von Steinkohle nahm um 13 Prozent und Braunkohle um zwei Prozent ab. Der Verbrauch von Erdgas und Mineralöl verminderte sich um jeweils sieben Prozent. Die Atomenergie verzeichnete nach einem starken Rückgang im vergangenen Jahr aufgrund vieler Revisionen wieder einen Anstieg um fünf Prozent, die Erneuerbaren stiegen um drei Prozent.

Die Folge: Für die ersten drei Quartale errechneten die Experten einen Rückgang der CO2-Emissionen um rund sieben Prozent. Das könnte sich für das gesamte Jahr fortsetzen.

Wirkt der Emissionshandel?

Der Grund für die sinkenden Emissionen ist eindeutig: Ein geringerer Einsatz fossiler Energien. Die Frage warum weniger fossile Energien eingesetzt wurden scheint komplexer. Wirkt etwa die Reform des europäischen Emissionshandelssystems ETS? Während die Preise für den Ausstoß einer Tonne CO2 jahrelang an der Fünf-Euro-Grenze kratzten, ziehen sie seit Jahresbeginn spürbar an. Zwischenzeitlich kostete eine Tonne CO2 über 20 Euro, mittlerweile sind es 16 Euro. Die Reformmaßnahmen der EU-Kommission scheinen langsam zu wirken, Beobachter feierten bereits eine Wiedergeburt des wichtigsten Klimaschutzinstruments Europas.

Klimaökonomen wie Ottmar Edenhofer, designierter Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), sehen in der Entwicklung ein ermutigendes Signal, aber keine stabile Entwicklung. Sie fordern einen CO2-Mindestpreis und der müsste deutlich über 20 Euro liegen.

Erneuerbare Stromerzeugung auf Rekordhoch

Dennoch könnte der Preisaufschlag für fossile Energie seit Anfang des Jahres stärkere Veränderungen auf dem deutschen Energiemarkt auslösen. Denn zeitgleich werden Wind- und Solarenergie deutlich wettbewerbsfähiger. Strom aus neuen Solarkraftwerken und Windparks schlägt bereits neue fossile Kraftwerke, stellten Forscher des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE im März fest. In wenigen Jahren geht es den alten, bereits abgeschriebenen konventionellen Kraftwerken an den Kragen.

Das zeigt sich längst bei der Stromerzeugung: In den ersten zehn Monaten produzierten die Erneuerbaren Energien in Deutschland gut 40 Prozent des deutschen Stroms. Ein neuer Rekord und Beweis dafür, welchen Stellenwert insbesondere Wind- und Solarstrom, aber auch Biomasse und Wasserkraft inzwischen für die deutsche Stromerzeugung einnehmen.

Endlich Klimaschutzaufgabe erfüllen

Ihren Anteil an der Stromerzeugung haben die Erneuerbaren Energien in nur acht Jahren verdoppelt, von 20 auf 40 Prozent. In jenen acht Jahren stagnierten die deutschen CO2-Emissionen auf konstant hohem Niveau, die alten fossilen Kraftwerke liefen einfach für den Stromexport in unsere Nachbarländer weiter. Höchste Zeit also, dass Bewegung in das System kommt. Genug Spielraum für kräftige Emissionsminderungen durch die Abschaltung alter Kohlekraftwerke ist im deutschen Stromsystem vorhanden, dank der Erneuerbaren.

Greifen 2021 dann die neuen EU-weiten Stickoxid-Grenzwerte, könnten weitere, in die Jahre gekommenen Kohlekraftwerke unrentabel werden. Die aktuelle Dynamik im Markt erledigt, was die Politik acht Jahre verschlafen hat: Klimaschutz durch Erneuerbare Energien. cw


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