Bilder: naturstrom AG, Collage

Nachgefragt 09.07.2026

Was Stromkund:innen schon immer wissen wollten (und sollten)

Was ist die MaLo und warum ist diese so wichtig? Warum erhalten Neukund:innen oftmals günstigere Preise? Und wie lade ich mein E-Auto am günstigsten? Fragen, die sich viele Stromkund:innen stellen. Der Kundenservice bei naturstrom hat Antworten.

Birgit Vielhauer (links) und Marieke Busch (rechts), Teamleiterinnen beim Kundenservice der naturstrom AG


Nachgefragt 09.07.2026

Was Stromkund:innen schon immer wissen wollten (und sollten)

Was ist die MaLo und warum ist diese so wichtig? Warum erhalten Neukund:innen oftmals günstigere Preise? Und wie lade ich mein E-Auto am günstigsten? Fragen, die sich viele Stromkund:innen stellen. Der Kundenservice bei naturstrom hat Antworten.

Bilder: naturstrom AG, Collage

Birgit Vielhauer (links) und Marieke Busch (rechts), Teamleiterinnen beim Kundenservice der naturstrom AG



Liebe Marieke, liebe Birgit, euch erreichen Fragen von Stromkund:innen, die sich so viele, auch anderer Anbieter, stellen. Das beginnt bei Umzug oder Anbieter-Wechsel oftmals schon mit der fehlenden Marktlokationsnummer. Was ist die MaLo und wie geht ihr das Problem an?

Marieke: Seit Juni 2025 gibt es nun schon die Regelung, dass ein Anbieterwechsel in der Sparte Strom in Deutschland innerhalb von 24 Stunden technisch vollzogen werden kann. Den sogenannten 24h-Lieferantenwechsel. Seitdem neu hinzugekommen ist, dass ein Anbieterwechsel nur mit der Marktlokations-ID möglich ist. Die Marktlokations-ID (kurz auch „MaLo-ID“ oder nur „MaLo“ genannt) ist eine elfstellige Nummer, die den Stromanschluss eindeutig identifiziert. Diese Nummer kann auf der Stromrechnung gefunden werden. Sollte die Kund:in neu eingezogen sein und noch keine Rechnung oder einen Versorger zum neuen Zähler haben, erfahren sie diese von der Vormieter:in/-besitzer:in. Bei einem ganz neuen Zähler kann auch der örtliche Netzbetreiber, der Eigentümer des Zählers ist, helfen.

Birgit: Wir raten Neukund:innen also, im besten Fall und soweit möglich, ihre MaLo schon vor dem Wechselauftrag in Erfahrung zu bringen, dann klappt der Wechsel ganz schnell und unkompliziert. Sollte das nicht der Fall sein, helfen wir natürlich. Dafür müssen wir die Nummer beim Netzbetreiber anfragen, ein sogenanntes MaLo-ID-Verfahren durchführen.

Langjährige Kund:innen hingegen wundern sich oftmals über Preisunterschiede. Während Neukund:innen günstigere Preise erhalten, zahlen Bestandskund:innen häufig mehr. Wie begegnet ihr diesen Einwänden?

Birgit: Wir können verstehen, dass dies auf den ersten Blick wirken kann, als würden wir unsere Neukund:innen unseren Bestandskund:innen vorziehen. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. Unsere Kund:innen liegen uns sehr am Herzen, ohne sie würden wir die Energiewende nicht voranbringen können. Als seriös wirtschaftender Versorger für Ökoenergie kauft naturstrom die Energiemengen, die wir für die Belieferung unserer Kund:innen benötigen, langfristig im außerbörslichen Großhandel ein. In der Regel wird die notwendige Energie gestaffelt beschafft – mehrere Monate bis maximal drei Jahre vor Lieferbeginn. So entsteht eine Mischkalkulation, die der Absicherung gegen unerwartet stark steigende Preise im Großhandel dient. Gerade in Zeiten mit tendenziell fallenden Preisen, wie in den letzten zwei bis drei Jahren, ist das kurzfristig betrachtet in der Regel etwas teurer als eine Beschaffungsstrategie, die alles auf eine Karte setzt, nämlich auf die komplette Beschaffung aller nötigen Energiemengen zum mutmaßlich günstigsten Zeitpunkt. Dafür profitieren unsere Kund: innen eben auch von einer höheren Preis- und Versorgungssicherheit.

Und bei Neukund:innen orientiert ihr euch an kurzfristigen Beschaffungskosten?

Marieke: Einerseits wollen wir keine großen Differenzen zwischen Neu- und Bestandskund:innen-Angeboten aufkommen lassen, andererseits müssen wir attraktiv für neue Kund: innen sein – und im Markt finden diese viele Discount-Angebote, die auf einer sehr kurzfristigen Kalkulation basieren und keine längerfristige Absicherung von Strommengen beinhalten. Um hier wettbewerbsfähig zu bleiben, haben wir uns dafür entscheiden, ein aktuell leicht vergünstigtes Angebot für Neuverträge zu machen, das die momentanen Beschaffungskosten widerspiegelt und nicht die teureren Einkäufe der vergangenen Monate, in denen der oder die potenzielle Neukund:in noch nicht bei uns war. Allerdings halten wir diese Differenz mit Blick auf unsere treuen Bestandskund:innen bewusst klein – bei anderen Akteuren beträgt diese Differenz 10 Cent pro Kilowattstunde und mehr. Wenn eine Weitergabe von Kostensenkungen möglich ist, haben wir dabei natürlich auch unsere Bestandskund:innen im Blick, weswegen wir die Tarife zum Jahreswechsel 2025/26 in der Breite deutlich gesenkt haben. Dass Neuverträge stärker die aktuellen Marktentwicklungen abbilden, gilt übrigens auch im Fall steigender Preise: So mussten wir etwa in der Energiepreiskrise die Preise für Neuverträge sehr schnell und deutlich anheben, während unsere Bestandskund:innen lange durch unsere vorausschauende Beschaffungsstrategie von Verteuerungen verschont blieben.

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Häufig erreichen euch auch Anfragen wegen vermeintlich fehlender oder falsch gestellter Abrechnungen. Haben die Kund:innen in den meisten Fällen recht, oder wo liegen die Fehler?

Birgit: Energieabrechnungen sind sehr komplex. Sie bestehen aus vielen Komponenten und bei der Erstellung können Widersprüchlichkeiten in diesen und/oder das Fehlen dieser dazu führen, dass es hakt. Hier wird eine Rechnung dann zunächst nicht erstellt, um zu verhindern, dass diese fehlerhaft zur Kund:in gelangt und muss zum Teil manuell geprüft werden. Beispiele, die die Erstellung einer Abrechnung verhindern, sind folgende:

  • Es fehlen Zählerstände zum Abrechnungsturnus (hier kann uns unsere Kund:in sehr gut helfen, in dem sie uns diese jährlich zum Turnus im Kundenportal mitteilt)
  • Zählerstände sind fehlerhaft (z.B. durch einen Zahlendreher oder weil ein falscher Zähler abgelesen wurde z.B. in Mehrfamilienhäusern und der Zählerstand nicht in die Reihe passt. Hier müssen wir dann erneut mit unseren Kund:innen in Kontakt treten.)
  • Messwerte des Messstellenbetreibers stehen noch aus
  • Daten von Netzbetreibern oder Vorlieferanten fehlen oder vorliegende Angaben werden zunächst auf Plausibilität geprüft und müssen geklärt werden
  • Die Zählerstände wurden vom Netzbetreiber nicht oder noch nicht bestätigt (Da dieser die Hoheit über die Zählerstände besitzt, müssen wir hier zunächst in Klärung gehen)

Dies sind nur einige wenige Gründe, warum sich die Erstellung einer Rechnung verzögern kann. Es gibt noch viele mehr.  Eines unserer größten Anliegen ist es, unsere Kund:innen immer pünktlich und korrekt abzurechnen. Wenn die pünktliche Erstellung einer Rechnung einmal nicht erfolgt, so bleibt das von uns nicht unerkannt und wir gehen umgehend in Klärung. Für die Zeit der Klärung braucht es dann manchmal ein wenig Geduld, auch weil wir oftmals auf externe Stellen angewiesen sind.

Immer mehr Menschen rüsten mit einer Wärmepumpe und einem E-Auto weitere Bereiche auf Strombetrieb um. Dazu kommt oft noch eine eigene Solaranlage. Worauf müssen Stromkund:innen in diesen Fällen besonders achten und wie könnt ihr weiterhelfen?

Marieke: Diese Entwicklungen begrüßen wir sehr, so kommen wir immer weiter von der Nutzung fossiler Energiequellen weg, hin zu Haushalten, die – im besten Fall – umweltfreundlichen Strom nutzen und ihren Eigenverbrauch z. B. durch eine PV-Anlage auch noch optimieren. Auch hier gibt es je nach Wohngegebenheit (Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus) sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Sinnvoll kann es sein, sich vor einer Umstellung von einem/r Energieberater:in individuell informieren zu lassen. Sobald man sich bewusst ist, wie man die Energiewende mitgestalten kann und will, stehen wir gerne beratend zur Seite und finden das richtige Tarifmodell. Hier sind vor allem dynamische Tarife interessant, bei denen sich der Strompreis im Laufe des Tages ändert. In Verbindung mit einem Smart Meter können die Kund:innen dann energieintensive Geräte wie Ihre Wärmepumpe nutzen oder Ihr E-Fahrzeug laden, wenn beispielsweise besonders viel Sonnen- und Windenergie ins Netz eingespeist wird und dadurch die Strompreise fallen.

Das Interview führte Manuel Grisard.

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