USA: Wegen Trumps Kohlekurs drohen Verbrauchern Kosten in Milliardenhöhe

Mit Notstandsverfügungen sorgt US-Präsident Trump dafür, dass Kohlekraftwerke trotz Stilllegungsplänen und fehlender Rentabilität weiterlaufen. Das sorgt für immense Kosten, die am Ende die Stromkunden tragen.
20.01.2026 – Während US-Präsident Donald Trump weltweit mit seiner Zollpolitik erneut die wirtschaftliche Stabilität bedroht, sind es in der Heimat – neben vielen anderen politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen – auch die Energiepreise. Unter dem Motto „Reinvigorating America’s Beautiful Clean Coal Industry“ – zu Deutsch: „Amerikas schöne saubere Kohleindustrie wiederbeleben“ – forciert die Trump Administration den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken, die eigentlich stillgelegt werden sollen.
Laut Analyse des US-Amerikanischen Branchen- und Fachmagazins Power hatte das Energieministerium 2025 insgesamt 16 Notstandsverordnungen erlassen, die die Stilllegung von neun Kohlekraftwerken und 4,5 Gigawatt Kohlekapazität verhinderte. Begründet wurde dies zumeist mit vermeintlichen drohenden Versorgungsengpässen, mit Hinweis auf einen steigenden Strombedarf, vor allem durch E-Mobilität und Rechenzentren für KI-Prozesse.
Exemplarisch für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität steht das Kohlekraftwerk J.H. Campbell in Michigan. Ein Kraftwerk aus den 1960er Jahren, mit einer Leistung von 1,45 GW, dass eigentlich Ende Mai 2025 stillgelegt werden sollte. Für den Betreiber Consumers Energy war die Schließung Teil des Klimaplans des Unternehmens, um den Fokus verstärkt auf das Erneuerbare Geschäft zu legen.
Am 23. Mai 2025 erließ das Energieministerium, unter Führung des früheren Öl- und Gasunternehmers Chris Wright, jedoch eine Notstands-Order, die die Schließung untersagte. Grund sei eine Versorgungsnotlage in dem Staat. Im August und November 2025 wurde die Anordnung jeweils verlängert. Die jüngste Verlängerung hält den Betrieb bis mindestens 17. Februar 2026 offen, insgesamt rund 270 Tage über den ursprünglichen Stilllegungstermin hinaus.
Zuletzt erklärte der US-Innenminister Doug Burgum, der zugleich Vorsitzender des in Energiefragen mächtigen „National Energy Dominance Council“ ist, man plane 100 Prozent der Kohlekraftwerke im Land offen zu halten. Neben den Notstandsverordnungen wurden auch Umweltauflagen durch die Umweltbehörde EPA gelockert. Knapp 70 Kohlekraftwerken wurden im Frühjahr 2025 zweijährige Ausnahmen von strengeren Luftschadstoff-Regeln eingeräumt – unter anderem für Quecksilber, Arsen, Benzol. Auch hier die Begründung, dass die Kohlekraftwerke angesichts wachsender Rechenzentren für KI-Prozesse der Versorgungssicherheit dienen würden.
Allein im letzten Jahr machte die US-Administration den Weg frei für rund 725 Millionen US-Dollar an Förderungen für die Kohleindustrie. Geld das unter anderem in die Modernisierung alter Anlagen und neue Kohleabbaufelder fließen soll. Laut Analyse des investigativen Mediums DeSmog wurden durch die Maßnahmen und insbesondere dem darin erhaltenen politischen Druck bei mindestens 15 Kohlekraftwerken geplante Stilllegungsdaten nach hinten verschoben oder ganz ausgesetzt. Kraftwerke die zusammengenommen 2024 über 68 Millionen Tonnen CO2 emittierten – rund 1,5 Prozent der energiebedingten Emissionen der USA.
Emissionen, die im Sinne der Versorgungssicherheit zu einem Gutteil nicht nötig gewesen wären. Darauf deuten Verlautbarungen, etwa von Netzbetreibern, hin. So erklärten die überregional zuständige Netzbetreiberorganisation Midcontinent Independent System Operator (MISO) und lokale Verteilnetzbetreiber unisono, dass in Michigan keine Versorgungsnotlage bestanden habe – somit die Notstandsorder für das Kraftwerk J.H. Campbell nicht nötig gewesen wäre. Von „Fake Emergency“ und politischem Missbrauch der Notstandsbefugnisse, spricht die NGO Public Citizen.
Laut dem Betreiber von J.H. Campbell habe der Weiterbetrieb des Kraftwerks allein bis Herbst 2025 rund 80 Millionen US-Dollar an Mehrkosten verursacht. Kosten die Consumers Energy zufolge über die Netzgebühren an die Stromkund:innen weitergegeben werden. Das gilt wohl auch für die anderen Kohlekraftwerke deren Stilllegung verzögert wurde. Das US-Medium Barron zitierte vor einigen Tagen Peter Lake, ebenfalls Teil des National Energy Dominance Council, dass im Weißen Haus für und mit dem Präsidenten die Energieagenda der USA koordiniert. Lake erklärte, dass die Kosten vollständig von den Stromkund:innen getragen werden müssten.
Einer Studie des auf Stromnetze spezialisierten Beratungsinstituts Grid Strategies LLC und im Auftrag mehrerer Umweltverbände, kommt zu dem Ergebnis, dass die Notstandsverfügungen des US-Energieministeriums und die daraus entstehenden Mehrkosten, die auf die Stromkund:innen umgelegt werden, ab 2028 mindestens 3,1 Milliarden US-Dollar an Mehrkosten jährlich verursachen würden – im Extremfall sogar knapp 6 Milliarden US-Dollar. mg





















































