Australiens Energiewende Teil2Weniger Ambitionen beim Wasserstoff

Luftaufnahme Kohlekraftwerk, drei Schornsteine, aus denen kein Rauch quillt, im Hintergrund Fluss und stromleitungen
Kohlekraftwerk im ostaustralischen Gladstone/Queensland. In der Region gibt es mehrere energieintensive Industrieanlagen. (Foto: LBM1948 auf Wikimedia / CC BY-SA 4.0, Ausschnitt)

Die australische Regierung hat ihre kühnen Wasserstoffpläne deutlich nach unten korrigiert. Aufgrund der hohen Transportkosten empfehlen Fachleute, den erzeugten grünen Wasserstoff für die heimische Industrie zu nutzen.

24.06.2026 – Neben dem Umbau seines Stromsystems setzt Australien große Hoffnungen auf grünen Wasserstoff als zweite Säule der Energiewende. Die Vision ist bestechend: Der fünfte Kontinent könnte seine Rolle als Energieexporteur auch im Zeitalter der Dekarbonisierung behaupten – wobei sauberer Wasserstoff die bislang ausgeführten fossilen Energieträger wie Kohle und Gas perspektivisch komplett ersetzen könnte. 

Doch die Realität hat die kühnsten Pläne der vergangenen Jahre eingeholt. Lange galt Fortescue Future Industries (FFI), das Unternehmen des Bergbaumilliardärs Andrew Forrest, als Symbol für den australischen Wasserstoff-Traum. Mit Eisenerz sprichwörtlich steinreich geworden, kündigte Forrest an, bis 2030 jährlich 15 Millionen Tonnen grünen Wasserstoff für den heimischen Markt und den Export produzieren zu wollen. Produktionsstätten sollten bewusst an jenen Standorten entstehen, die bislang von fossilen Energieträgern lebten.

Ernüchterung ist eingekehrt

Aus unterschiedlichen Gründen zog man allerdings 2025 die Reißleine: Das Ziel wurde aufgegeben, mehr als 700 Stellen fielen weg. Die Elektrolyseur-Fabrik im nordaustralischen Gladstone wurde nach nur sieben Wochen Testbetrieb gestoppt, was für die Steuerzahler einen Schaden von 80 Millionen Dollar bedeutete. Forrest hat seine Strategie inzwischen neu ausgerichtet: Im Mittelpunkt steht nun die Dekarbonisierung der eigenen Bergbauaktivitäten, während man grünen Wasserstoff nur noch als langfristige Option weiterverfolgt.

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Auch auf nationaler Ebene ist Ernüchterung eingekehrt. Die australische Regierung hat ihre Wasserstoffstrategie überarbeitet und die Ziele deutlich nach unten korrigiert: Statt der zuvor angestrebten Gigantomanie liegt das offizielle Produktionsziel nun bei 500.000 Tonnen bis 2030. Um die Branche dennoch anzuschieben, stellt Canberra im Rahmen des „Future Made in Australia"-Pakets rund acht Milliarden Dollar an Fördermitteln bereit.

Einzelne Projekte laufen trotzdem weiter. Das Gemeinschaftsunternehmen von Yara und ENGIE im westaustralischen Pilbara befindet sich im Bau und soll erneuerbaren Wasserstoff für die Ammoniakproduktion liefern. Überdies werden im Rahmen der deutsch-australischen HyGATE-Initiative vier Pilotprojekte gefördert – allerdings in bedeutend kleinerem Umfang als ursprünglich vorgesehen.

Mit dem gegenwärtigen Schritt auf die Bremse steht Australien nicht allein da, auch weltweit ist die Euphorie spürbar abgeflaut. Die Internationale Energieagentur hat ihre Prognose für emissionsarmen Wasserstoff bis 2030 innerhalb eines Jahres von 49 auf 37 Millionen Tonnen gesenkt. Bloomberg spricht bereits von einer geplatzten Wasserstoffblase.

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Einsatz in heimischer Industrie statt Export

Die Gründe sind rasch benannt: Die Herstellung von grünem Wasserstoff ist nach wie vor deutlich teurer als die Produktion aus fossilen Quellen, der Transport über große Distanzen bleibt technisch anspruchsvoll, überdies entwickelt sich die globale Nachfrage langsamer als erhofft. Die unabhängigen Fachleute vom Grattan Institute empfehlen daher, den Fokus zunächst auf den Einsatz von Wasserstoff in der heimischen Industrie zu legen. Gerade bei der Herstellung von „grünem“ Ammoniak oder der Eisenverhüttung gibt es einen so gewaltigen Energiebedarf, dass der umfangreiche Export vorerst auf die lange Bank geschoben werden kann.

Die strategische Logik bleibt dennoch bestehen: Australien will seine Rolle als Energielieferant auch im Zeitalter der Klimaneutralität behaupten. Allerdings erweist sich der Weg dorthin länger und steiniger als ursprünglich angenommen, sodass mit einem umfangreichen Export von australischem Wasserstoff aus erneuerbaren Energien frühestens im Laufe der 2030er-Jahren zu rechnen ist. Bis dahin bleibt Wasserstoff ein Hoffnungsträger, aber eben kein Exportschlager. Anno Stock

Lesen Sie hier Teil1 der Serie zur Energiewende in Australien: Rekordverdächtige News aus Down Under

Und hier geht es zu Teil3: Großprojekte und lokaler Widerstand

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