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Innovatives RecyclingWie aus Plastikmüll Strom und Wasserstoff wird

Erste kommerzielle Anlage von PowerHouse Energy
Am Standort Protos entsteht in Großbritannien gerade die erste kommerzielle Anlage von PowerHouse Energy. (Grafik: PowerHouse Energy)

Ein britisches Unternehmen kann mittels eines neuartigen Verfahrens Kunststoffabfälle zu Strom und Wasserstoff verwandeln. Dafür wird aus nicht recycelbarem Plastikmüll ein energiereiches Synthesegas gewonnen, als Nebenprodukt entsteht Wärme.

16.01.2021 – Es klingt schon fast zu schön, um wahr zu sein: Das britische Unternehmen PowerHouse Energy verspricht, aus Plastikmüll Strom und Wasserstoff gewinnen zu können. Mittels eines innovativen Verfahrens werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und nicht nur Kunststoffabfälle beseitigt, die sonst nicht recycelt werden können, sondern auch noch saubere Energie erzeugt.

Im Gegensatz zu anderen sogenannten energy-from-waste (EfW)-Verfahren kann das britische Unternehmen mit seiner Anlage jede Mischung von Polymeren direkt verarbeiten, ohne sie vorher sortieren oder reinigen zu müssen. Dabei kann das Ausgangsmaterial sogar nass oder mit organischen Stoffen versetzt sein. Gerade bei Kunststoffabfällen führen diese Verschmutzungen dazu, dass sie oft gar nicht recycelt werden. Für das Sammeln, Reinigen, Sortieren und Trennen ist der Wert meist zu gering, sodass der Plastikmüll auf Mülldeponien oder in Verbrennungsanlagen landet.

An dieser Stelle kommt PowerHouse Energy ins Spiel, das eine neue Art des chemischen Recyclings anstrebt. Die verschwendeten Kunststoffe werden durch die Umwandlungstechnologie verwertet und nach Angabe des Unternehmens der maximale energetische Brennwert zurückgewonnen. Dafür müssen die Plastikteile zunächst in gleich kleine Stücke zerkleinert werden, bevor sie in eine thermische Umwandlungskammer gelangen.

Der technische Prozess

Dort wird der Kunststoff auf eine sehr hohe Temperatur erhitzt und innerhalb von Sekunden geschmolzen und zu Gasen verdampft. Dadurch entsteht anschließend ein Synthesegas, das hauptsächlich aus Methan, Wasserstoff und einem kleinen Anteil von Kohlenmonoxid besteht.

In der thermischen Umwandlungskammer ist kein Sauerstoff vorhanden, sodass keine Verbrennung des Plastikmülls stattfinden kann. Stattdessen wird ein nicht brennbares Oxidationsmittel in Form von Dampf hinzugegeben, das den gesamten Prozess und damit auch die Qualität des Synthesegases beeinflusst. Anschließend wird das Endprodukt noch gereinigt, wobei ein paar harmlose Rückstände zurückbleiben, die weniger als fünf Prozent vom Ausgangsvolumen des Abfalls entsprechen. Sie können für andere Zwecke wiederverwendet oder sicher entsorgt werden.

Das finale Synthesegas hat laut Angaben des Unternehmens PowerHouse Energy einen ähnlichen Heizwert wie Erdgas, das überall als Brennstoff zum Kochen und Heizen verwendet wird. Ein kleiner Teil des Synthesegases wird für den Betrieb der thermischen Umwandlungskammer verwendet, wodurch sich der Betrieb der Anlage selbst trägt. Als Nebenprodukt entsteht außerdem Wärme, die zum Heizen oder Kühlen verwendet werden kann.

Das Endprodukt: Strom oder Wasserstoff

Aus dem energiereichen Synthesegas kann dann durch weitere Verarbeitungsprozesse Strom erzeugt werden. Dabei treibt das Gas eine Reihe von Motoren an, die Strom generieren und mittels moderner Abgasreinigungsgeräte die Treibhausgasemissionen minimieren. Außerdem kann aus dem Synthesegas auch Wasserstoff hergestellt werden, indem es durch ein spezielles Modul geleitet wird, das den Wasserstoff vom restlichen Gas abscheidet.

Der Hersteller der Anlage wirbt außerdem damit, dass diese auch mit anderen Abfällen mit hohem Heizwert betrieben werden kann – also zum Beispiel Altreifen. Bei einer Standardgröße können tägliche 25 Tonnen Kunststoffabfälle verarbeitet werden, wodurch eine Leistung von 57 Megawattstunden Strom oder eine Tonne Wasserstoff entsteht. jk


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Ralf Boecker 17.01.2021, 21:00:57

»Es klingt schon fast zu schön, um wahr zu sein!«

Genau das: Denn reichlich finden sich mehr oder weniger ehrliche Akteure, die mit mehr oder weniger sinnvollen, visionären Konzepten durch die Medien geistern und zuweilen sich selbst wie auch andere belügen, indem sie nicht hinreichend realistisch & sorgfältig die Fakten prüfen.

 

Die Praxis-Tauglichkeit von diversen Pyrolyse-Verfahren ist dafür ein bewährter Tummelplatz, an dem es schon seit Jahrzehnten euphorische und meist wenig bescheidene Ankündigungen gibt, und doch bis heute keinen technischen Durchbruch bei der Umsetzung der Theorie von Papier und Labor-Demonstrationen in die Praxis einer wirklich störungsfrei und wirtschaftlich tragfähig funktionierenden Anlagentechnik.

 

Auch auf der WWW-Site dieses Anbieters finden sich mehr Absichtserklärungen zur Werbung um Investoren, als belastbare Fakten über tatsächlich erzielte Erfolge in der technischen Anwendung...

 

Manche technisch verfehlte Konzepte fallen immerhin sogar wirtschaftlich auf fruchtbaren Boden, wo es nämlich gelingt, großzügig vergebene staatliche Subventionen abzugreifen oder gutgläubige Investoren aufs Kreuz zu legen und damit ein Unternehmen zu finanzieren oder sogar an der Börse durchzustarten...

 

WireCard AG brauche ich hier nicht erwähnen, doch besonders der aktuell politisch trendige und mit »Nationalen Wasserstoff-Strategien« großzügig befeuerte »H2-Hype« lockt Scharlatane aller Metiers wie einen Schwarm von Schmeißfliegen -- und das nicht erst seit kurzem: 

Klassische Wasserstoff-Lachnummer: »Hydrogen Challenger« – dreister Wasserstoff-Coup ➭ https://de.wikipedia.org/wiki/Hydrogen_Challenger 

noGoogle 17.01.2021, 21:05:25

WOW Respekt

Christoph Köhler 17.01.2021, 22:37:56

Was ist daran neu oder innovativ? Man nennt das Verfahren Pyrolyse und die gibt es schon ewig, auch zum Zweck des Kunststoffrecyclings: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Pyrolyse und https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Verfahren.

Karl Beck 18.01.2021, 01:15:10

Gibt es brennbare Oxydationsmittel?

Bekanntlich unterhalten Oxydationsmittel das Brennen!

Stefan Mayer 18.01.2021, 10:11:51

etwas ähnliches habe ich vor fast 15 Jahren versucht zu realisieren. Die Technik ist nicht ganz neu, nur etwas verbessert.

Bevor ich mit dem Bau anfangen wollte, sollte der Rest auch gesichert sein.

Finanzierung stand

Grundstück war gesichert

Anschluss auch gesichert

Rohmaterial (Müll, am besten vorsortiert) keine Chance. Diese Branche ist in festen Händen. Ohne Beziehungen und den passenden Zuwendungen schien es mir unmöglich daran zu kommen. Von Ökologie war hier nur die Rede.

Ich habe später von einem Müllverwerter gehört, der es versucht hatte. Trotz Genehmigung aber an der Annahme der Anlage scheiterte (Hörensagen).

 

Schade, dass hinter solchen Projekten nie unsere Regierung steht. Da ist eine andere Lobby immer stärker. Ich habe resigniert.

 

Ich bin der Meinung, daß nicht ein einziger Politiker in irgendeinem Aufsichtsrat sitzen dürfte. Ich glaube 10 fache Gehälter in der Politik wären billiger, als dieser Lobbyismus und kostet.

Richard Kainz 03.06.2021, 17:09:05

+1 Gut

Sehr geehrter Herr Mayer

 

Bitte um Kondaktaufnahme.

 

Mit freundlichen Grüßen

Richard Kainz

 

Tel: 0043 664 3509007

Hans Albers 18.01.2021, 11:00:01

Sehr geehrter Herr Boecker,

 

in Teilen habens Sie sicher recht, aber im Fall von PowerHouse gibt es bereits (konkrete) Pläne zum Bau von siebzig (!) solcher Anlagen in GB. Die Fertigstellung der ersten Anlage wird für 2021 erwartet. Bitte vor einer Kritik den aktuellen IST-Zustand in Erfahrung bringen und pauschale Aussagen vermeiden. Ich habe eine (für mich) größere Summe investiert und das obwohl ich ein eher konservativer Value-Anleger bin.

Siegfried Wiertschok 18.01.2021, 11:08:36

Wirkungsgrad wäre interessant

Gert 19.01.2021, 15:07:04

Wann ist die Anlage denn fertig gebaut?

André 17.04.2021, 23:21:26

Die erste Anlage wird Anfang 2022 zur ersten Revision zugelassen !

Das ist hier kein möchte, hätte gerne, sonder Realität ...

Bin mit 30k investiert ... :)

Freue mich auf die nächsten Jahre


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