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UN-KlimazieleWie viel Klimaschutz braucht die Welt?

FFF: Save he planet, not your money
Was ist langfristig teurer: Klimaschutz oder Klimaschäden? (Photo by Markus Spiske on Unsplash)

Klimaschutz kann teuer sein – aber Klimaschäden noch viel teurer. Deshalb ist ein internationales Forscherteam nun der Frage nachgegangen: Wie viel Klimaschutz macht aus wirtschaftlicher Sicht Sinn?

16.07.2020 – Oft heißt es ja, Klimaschutz kostet zu viel Geld. Ein bisschen grün und nachhaltig darf es ruhig sein, zu viel schadet jedoch der Wirtschaft. Ist das wirklich so? Wie viel Klimaschutz macht wirtschaftlich am meisten Sinn? Dieser Frage ist nun ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) nachgegangen. Gestützt hat sich ihre Untersuchung auf eine Berechnung des Ökonomen William Nordhaus, der für sein Modell im Jahr 2018 den Wirtschafsnobelpreis erhielt. Sein Ergebnis: Bis zum Jahr 2100 ist eine Erwärmung um 3,5 Grad Celsius „ökonomisch wünschenswert“.

Achtung Spoiler: Die PIK-Forscher kommen zu einem anderen Ergebnis. Dafür haben sie die Simulation von Nordhaus um neueste Daten und Erkenntnisse aus Klima- und Wirtschaftswissenschaften aktualisiert. Und siehe da: Die Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2 Grad Celsius, wie im Pariser Klimaabkommen beschlossen, ist ein wirtschaftlich optimales Gleichgewicht zwischen den heutigen Kosten für den Klimaschutz und künftigen Klimaschäden. Erforderlich ist dafür ein CO2-Preis von 100 US-Dollar pro Tonne. Das geht aus der im Fachmagazin Nature Climate Change erschienenen Studie Climate economics support for the UN climate targets hervor.

„Im Wesentlichen haben wir das Nordhaus-Modell aufgeschnürt, gründlich überprüft und einige wichtige Aktualisierungen vorgenommen, die auf den neuesten Erkenntnissen der Klimawissenschaft und Wirtschaftsanalyse basieren“, erklärt Martin Hänsel, Hauptautor der Studie und Forscher am PIK. „Wir haben festgestellt, dass die Ergebnisse der aktualisierten Version tatsächlich in guter Übereinstimmung mit der Pariser 2°C-Grenze für die globale Erwärmung stehen.“

Welche Aktualisierungen sind in das Modell eingeflossen?

Aktualisiert haben die Wissenschaftler die Berechnung um akkuratere Daten zum Kohlenstoffkreislauf, eine neue Gewichtung des Temperaturmodells sowie eine angepasste Schadensfunktion. Mehrere Grundannahmen wurden ebenfalls geändert, sodass bei der Verteilung von Wohlstand zwischen heutigen und zukünftigen Generationen auch der Klimawandel berücksichtigt wird.

Wie stark sich dabei künftige Klimaveränderungen auf die Wirtschaft auswirken, haben die PIK-Forscher mittels der Schadensfunktion erfasst. Die Mängel der ursprünglichen Variante wurden angepasst indem die aktuelle Form auf einer kürzlich durchgeführten Meta-Analyse aufbaut. Die angenommenen Schäden durch den Klimawandel werden als höher eingeschätzt – was angesichts der Entwicklungen in den letzten Jahren und den damit verbunden hohen Schäden auch realistisch ist.

Die soziale Diskontrate

In der Studie findet aber auch noch ein weitere Faktor Beachtung: die soziale Diskontrate. Mit ihr bringen die Ökonomen zum Ausdruck, wie wir das zukünftige Wohlergehen unserer Kinder und Enkelkinder bewerten. „Die Klimaauswirkungen unserer Emissionen reichen weit in zukünftige Generationen hinein“, erklärt Moritz Drupp, Ko-Autor und Professor am Exzellenzcluster Klima, Klimawandel und Gesellschaft (CLICCS) der Universität Hamburg. „Um diese langfristigen Folgen angemessen bewerten zu können, müssen wir unterschiedliche Ansichten darüber berücksichtigen, wie wir einen Ausgleich zwischen den Interessen heutiger und zukünftiger Generationen schaffen können.“

Mit eingeflossen in die Berechnungen ist daher eine repräsentative Auswahl von Empfehlungen von mehr als 170 Experten zu der sozialen Diskontrate. „Unser aktualisiertes Modell zeigt, dass das 2-Grad-Ziel nach den von der Mehrheit der Experten vorgeschlagenen sozialen Diskont-Raten ökonomisch optimal ist“, so Drupp.

Die Änderungen der einzelnen Modell-Parameter haben jedoch auch noch weitere Auswirkungen: Sie führen zu einem deutlich höheren CO2-Preis. Während Nordhaus noch von 40 US-Dollar pro Tonne CO2 ausging, errechneten die Wissenschaftler im aktuellen Modell einen CO2-Preis von über 100 Dollar.

„Das ist ein weiterer Beleg dafür, welch ein entscheidendes politisches Instrument eine intelligente CO2-Preisgestaltung ist“, so die Schlussfolgerung von Ko-Autor Ben Groom, Professor an der Universität Exeter und Mitglied des Grantham Research Institute on Climate Change an der London School of Economics. „Unsere Studie bedeutet damit auch, dass eine ehrgeizigere Klimapolitik nötig ist, um zu vermeiden, dass wir unseren Kindern eine ungerechtfertigt hohe Last der Klimaauswirkungen hinterlassen.“ jk


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