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COP30Wo bleibt Deutschlands finanzielle Zusage zum Waldfonds?

Drei indigene Vertreter:innen in traditioneller Kleidung und mit farbenprächtigen Federkopfschmuck treten auf einer Bühne bei der UN-Klimakonferenz COP30 in Belém, Brasilien, auf. Sie halten Mikrofone und Rasseln in den Händen und singen oder sprechen vor einem Hintergrund mit dem Logo der Konferenz und der Aufschrift „COP30 Brasil Amazônia Belém 2025“
Indigene aus Brasilien auf der COP30: wichtiger Schutzfaktor des Amazonas-Regenwaldes (Bild: Ricardo Stuckert / PR, Lula Oficial, flickr, CC BY-SA 4.0)

Er könnte den Regenwaldschutz auf eine neue Stufe hieven. Erste Zusagen sind gemacht, doch mit Deutschland hält sich ein wichtiger Mitgestalter des Waldfonds weiter zurück, finanzielle Mittel bereitzustellen.

13.11.2025 – Vergangenen Freitag, noch vor dem offiziellen Start der Weltklimakonferenz, der COP30 im brasilianischen Belém, wurde er der Öffentlichkeit präsentiert. Der Tropical Forest Forever Facility (TFFF), auch Waldfonds oder Tropenwaldfonds genannt, ist die erste Erfolgsmeldung, die die brasilianische COP-Präsidentschaft verkünden konnte. 53 Staaten unterstützten die Veröffentlichung.

Brasilien ist Haupttreiber des TFFF. Das Konzept vorgestellt hatten die brasilianische Umweltministerin Marina Silva und der Finanzminister Fernando Haddad bereits vor zwei Jahren auf der COP28 in Dubai. Ein Großteil der Ausarbeitung erfolgte in diesem Jahr, an der auch Deutschland maßgeblich beteiligt war. Die erste finanzielle Zusage machte Brasilien selbst, im Rahmen einer Zusammenkunft der Vereinten Nationen am 23. September.

Eine Milliarde Dollar will Brasilien bereitstellen. Ebenfalls gewichtige finanzielle Zusagen gaben am vergangenen Freitag Norwegen mit drei Milliarden US-Dollar, Indonesien mit einer Milliarde und Frankreich mit 500 Millionen US-Dollar. Aktuell 5,5 Milliarden US-Dollar schwer, soll der Waldfonds auf 125 Milliarden anwachsen – wovon 25 Milliarden US-Dollar von Gebern kommen und 100 Milliarden Marktkapital erwirtschaftet werden sollen. Deutschland hat eine hohe finanzielle Zusage in Aussicht gestellt, lässt aber noch mit einer konkreten Zahl auf sich warten.

Wie der Waldfonds funktionieren soll

Ziel des Waldfonds ist es, dass Erhalt, Schutz und Verbesserung tropischer Regenwaldgebiete wertvoller werden soll als deren Zerstörung. Bislang werden riesige Regenwaldgebiete gerodet, um das tropische Holz gewinnbringend zu verkaufen und lukrative landwirtschaftliche Gebiete zu erschließen, auf denen etwa Rinder weiden sowie Soja und Palmöl-Bäume angebaut werden. Das zerstört die grünen Lungen unserer Erde, die im Kampf gegen die Klimakrise so wichtig sind, sowie vielfältige Biodiversitätszonen.

Mit der Bereitstellung von 25 Milliarden US-Dollar von Staaten und Philanthropen soll ein sogenannter Hebel ausgelöst werden, der dafür sorgt, dass auch private Kapitalgeber in den Fonds investieren. Durch den 25 Milliarden schweren Grundstock werden Risiken minimiert, Anleihen mit guten Ratings ermöglicht und Zinszuschüsse gewährt.

So soll der Fonds auf 125 Milliarden US-Dollar anwachsen. Kapital das wiederum am Markt investiert werden soll – etwa in Staatsanleihen von Schwellenländern, nachhaltige Wertpapiere und risiko-kontrollierte Anlagen. Die Erträge sollen genutzt werden, um Auszahlungen an Länder zu leisten, die sich um den Schutz ihrer Regenwaldflächen bemühen.

Grundsätzliche Voraussetzung von Zahlungen ist, dass das jährliche Entwaldungsniveau unter 0,5 Prozent bleibt. Dann erhalten die Länder vier US-Dollar für jeden Hektar geschützten Regenwaldes. Sollten die Länder jedoch aktiv Entwaldung zulassen, werden empfindliche Strafen fällig, von bis zu 800 US-Dollar Abzug pro abgeholzten Hektar. Kontrolliert werden sollen Schutz und Entwaldung durch Satellitengestützte Systeme.

Mindestens 20 Prozent der Gelder sollen der Bevölkerung in den Regenwaldgebieten vor Ort und insbesondere indigenen Gruppen zur Verfügung gestellt werden. Mit ihrem ganzheitlichen Verständnis vom nachhaltigen Umgang mit ihrer Umwelt, gelten indigene Gruppen und deren Schutz, als einer der wichtigsten Faktoren zum Erhalt von Regenwaldgebieten.

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„Namhaften Beitrag“

Am vergangenen Freitag verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz beim Treffen der Staats- und Regierungschafs in Belém, Deutschland werde "einen namhaften Betrag zum Gelingen dieser Initiative beisteuern". Die brasilianische COP-Präsidentschaft erklärte am selben Tag in einer Mitteilung, Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und Merz werden sich über konkrete finanzielle Zusagen am Folgetag austauschen.

Doch davon ist bislang nichts nach außen gedrungen. In Dieser Woche findet im Bundestag eine Bereinigungssitzung zum Haushalt 2026 statt. Bis Ende des Monats muss der finale Haushalt für 2026 stehen. Dann kommt es zur Abstimmung im Bundestag. Umweltverbände und viele andere fordern jedoch eine konkrete finanzielle Zusage mindestens bis zum Ende der COP.

In einem offenen Brief von 13 deutschen zivilgesellschaftlichen Organisationen heißt es: „Wir begrüßen die enorme Arbeit, die die Bundesregierung über die letzten 18 Monate in die Etablierung der Tropical Forest Forever Facility (TFFF) eingebracht hat, und Ihre Ankündigung in Belém einen „namhaften Betrag” in diesen Fonds zu investieren.“ Nun aber müsse die angekündigte Summe noch während der Weltklimakonferenz konkretisiert werden.

„Als drittgrößte Volkswirtschaft sollte Deutschland noch während der COP 30 eine Investition von mindestens 2,5 Milliarden US-Dollar ankündigen und am besten mit unserem engen Partner Norwegen gleichziehen (drei Milliarden US-Dollar), geknüpft an noch notwendige Verbesserungen am Mechanismus, etwa für die Umwelt- und Sozialstandards der geplanten Anleihenkäufe“, so die 13 NGOs darunter der WWF, die Deutsche Umwelthilfe, Germanwatch und Plant-for-the-Planet, in ihrem Brief.

Dabei warnen die NGOs, aufgrund der drastischen Kürzungen des Budgets des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), dürfe der zuschussbasierte Teil dieser Investition keine anderen BMZ Mittel für Entwicklungs-, Klima- und Biodiversitätsfinanzierung reduzieren.

Insgesamt hoffen die Brasilianer bis zum Ende ihrer COP-Präsidentschaft im nächsten Jahr 10 Milliarden US-Dollar von Gebern einzusammeln. Laut Fernando Haddad, hätten auch die Niederlande, die Vereinigten Arabischen Emirate und China sich grundsätzlich zu höheren finanziellen Zusagen bereit erklärt, so der brasilianische Finanzminister gegenüber CNN Brasil. Von Deutschland erwartet er dies bis Ende des Jahres. mg

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