Investing in Climate Chaos: Wo die Aktien fossiler Unternehmen liegen

Ob bei Vanguard und Blackrock in den USA, oder den Staatsfonds von Saudi-Arabien und Norwegen, Vermögensverwalter investieren weiter kräftig in Unternehmen mit fossilen Geschäftsgebaren. Das zeigt die Recherche "Investing in Climate Chaos".
29.06.2026 – Der US-amerikanische Vermögensverwalter Vanguard versucht inzwischen gar nicht mehr nachhaltige Ziele über all ihre Fonds und ETFs hinweg zu propagieren und implementieren. Niedrige Kosten und hohe Renditen sind nach eigenem Bekunden der Maßstab. Man wolle Unternehmen keine Strategien oder operative Entscheidungen diktieren. Umwelt- und Sozialfragen seien zuvorderst Sache gewählter Regierungen.
Das schlägt sich im Portfolio des Vermögensverwalters nieder. Aktien und Anleihen im Umfang von 659,5 Milliarden US-Dollar hält Vanguard aktuell von Unternehmen, deren Geschäftsmodell auf fossile Brennstoffe ausgerichtet ist. Damit steht Vanguard weltweit an der Spitze institutioneller Investoren – zeigt die aktuelle Analyse "Investing in Climate Chaos", die von einem globalen Netzwerk von 25 zivilgesellschaftlichen Organisationen erstellt wurde.
Die Recherche erfasst die Aktien- und Anleihebestände von mehr als 8.400 institutionellen Investoren in Unternehmen, die in den Datenbanken der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald zu fossilen Industrien aufgelistet sind: der Global Coal Exit List (GCEL), der Metallurgical Coal Exit List (MCEL) und der Global Oil & Gas Exit List (GOGEL). Urgewald war ebenfalls an der aktuellen Analyse zu den Investoren beteiligt.
Auf Platz zwei der für den Klimaschutz unrühmlichen Liste, befindet sich ebenfalls ein bekannter US-amerikanischer Vermögensverwalter: Blackrock. Aktien und Anleihen fossiler Unternehmen im Wert von 553,3 Milliarden US-Dollar befinden sich in ihrem Besitz. Wie Vanguard (schon 2022) stieg auch Blackrock im letzten Jahr aus der Net Zero Asset Managers initiative aus.
Die Initiative war 2020 gestartet, als freiwillige Selbstverpflichtungsplattform für Vermögensverwalter, ihre Fondstrukturen an Zielen auszurichten, die auf ein Netto Null an Treibhausgasemissionen 2050 hinauslaufen. Doch mit dem Austritt des weltweit größten Vermögensverwalters, setzte die Initiative ihre Arbeit vorerst aus. Blackrock selbst erklärte seinen Austritt mit Verwirrung über die eigenen Geschäftspraktiken und Unstimmigkeiten mit politischen Ausrichtungen und Behörden.
Mit dem abermaligen Antritt von Donald Trump zum US-Präsidenten Anfang Januar 2025 drehte sich der Wind wieder zugunsten fossiler Brennstoffe. Hatte der vorherige Präsident Joe Biden noch im Rahmen des Inflation Reduction Act über Steuererleichterungen und Förderungen Investitionen von rund 369 Milliarden US-Dollar in grüne Technologien über mehrere Jahre verteilt vorgesehen, strich Donald Trump im Zuge des sogenannten Big, beautiful Bill allein im letzten Jahr 14 Milliarden US-Dollar für Erneuerbare Projekte. Viele Energiekonzerne verabschiedeten sich wieder von Vorhaben für Erneuerbare Energien Projekte.
Ein Weg, den offensichtlich auch die Vermögensverwalter beschreiten und ihr Geld wieder vermehrt in Konzerne mit fossilem Portfolio stecken. Gegenüber 2024 stiegen bei Vanguard entsprechende Aktien und Anleihen um rund 246 Milliarden US-Dollar, bei Blackrock um rund 153 Milliarden. Die USA und ihre Vermögensverwalter dominieren die Liste der Investing in Climate Chaos. 15 der ersten 20 Plätze der größten Investoren in fossile Unternehmen sind ihnen vorbehalten.
Teil der unrühmlichen Top drei
Eine der wenigen nicht US-Amerikanischen Investoren aber weit vorne – auf Platz drei – ist der Saudi-Arabische Public Investment Fund. 283,7 Milliarden US-Dollar sind es, die der Public Investment Fund in fossile Unternehmen hält – durchgängig staatseigene, wie die Öl- und Gasfirma Aramco. Bei Vanguard und Blackrock dagegen sind es naheliegenderweise viele US-Amerikanische, wie Exxon Mobil und Chevron.
Im Gegensatz zu Vanguard und Blackrock, präsentieren die Saudis ihren Staatsfonds auf eine vermeintlich nachhaltige Transformation ausgerichtet. Zwar sind in den letzten Jahren einige Milliardenbeträge in Aktien und Anleihen von Unternehmen mit grünem Portfolio geflossen, aber allein mit den erheblichen Anteilen von 257,7 Milliarden US-Dollar an Aramco, fehlt es dem Public Investment Fund bei weitem an einer nachhaltigen Ausrichtung. Staatsfonds und Staatskonzern werden wohl auf ewig miteinander verbunden sein.
Ausstieg in langsamen Schritten
Etwas überraschend befindet sich in der aktuellen Liste von Investing in Climate Chaos auch der norwegische Pensionsfonds in der Top zehn. Machte der Staatsfonds Ende des letzten Jahrzehnts noch von sich Reden, als dieser Aktien und Anleihen des deutschen Energiekonzerns RWE abstieß. Das Kohlegeschäft des Unternehmens aus dem Rheinischen Revier sei nicht mehr mit der Ausrichtung des norwegischen Fonds vereinbar. Schritt für Schritt stoße man eigenen Angaben zufolge Aktien und Anleihen fossiler Unternehmen ab und erhöhe zugleich Aktienanteile von Unternehmen mit grünen Technologien.
Dass das aber noch ein weiter Weg ist, zeigt die Recherche der NGOs. Demnach hält Norwegens Government Pension Fund Global (GPFG) Aktien und Anteile fossiler Unternehmen im Wert von 91,3 Milliarden US-Dollar. Dina Rui vom Nordic Center for Sustainable Finance kommentiert: „Wer ExxonMobils größter europäischer Investor ist, kann nicht behaupten, eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu spielen. Was den Klimawandel angeht, ist der GPFG Europas unverantwortlichster Investor.“
Europäische institutionelle Anleger halten insgesamt 13 Prozent der ermittelten fossilen Aktien und Anleihen. Auf den nächsten Plätzen in der europäischen Rangliste folgen die Schweizer UBS, Crédit Agricole mit seinem Vermögensverwalter Amundi aus Frankreich (56,3 Mrd. USD), die Deutsche Bank mit ihrem Vermögensverwalter DWS (43,8 Mrd. USD) und Legal & General aus Großbritannien (38,0 Mrd. USD).
Rund 6,5 Billionen US-Dollar an Aktien und Anleihen haben Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Staatsfonds, Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Hedgefonds weltweit weiterhin in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen investiert. Heffa Schücking, urgewald-Geschäftsführerin, sagt: „Im Mai dieses Jahres wurden Südasien und Westeuropa von tödlichen Hitzewellen heimgesucht. Gleichzeitig halten institutionelle Investoren weltweit Anteile an fossilen Unternehmen mit einem Marktwert, der dem jährlichen BIP von Frankreich und Großbritannien entspricht.“ mg




















































