Energiewende in Serbien: Zwischen Erneuerbaren und staatlichen Großprojekten

Private Initiativen treiben die Entwicklung Erneuerbarer Energien in Serbien voran, während die serbische Regierung Großprojekte plant: den Bau eines Atomkraftwerkes und den Bau eines riesigen Pumpspeicherkraftwerks an der Donau.
10.08.2026 – Anfang August 2026 beeinträchtigt Niedrigwasser nicht nur die Binnenschiffahrt auf der Donau. Sie nötigt auch Serbiens Nachbarn Ungarn, Bulgarien und Rumänien, ihre Atomkraftwerke herunterzufahren. Just zu diesem Zeitpunkt unterzeichnet Serbiens Energieministerin Dubravka Đedović Handanović mit dem staatlich französischen Stromversorger Électricité de France (EDF) ein Partnerschaftsabkommen zur Entwicklung einer nationalen Nuklearwirtschaft für Serbien.
Eine Novellierung des Energiegesetzes beendete im Jahr 2024 ein 35 Jahre gültiges Moratorium zur Nutzung der Kernenergie in Serbien. Mit französischer Unterstützung will Serbien nun bis zum Jahr 2040 ein Atomkraftwerk mit einer Kapazität von 1,2 Gigawatt errichten. Die staatliche Fokussierung auf das Großprojekt könnte die Entwicklung dezentraler regenerativer Energieträger negativ tangieren, fürchten Umweltschützer.
Aufschwung regenerativer Energie
„Der Sektor der grünen Energie wächst rasant“, teilt Danijela Isailović, Geschäftsführerin des Verbands für Erneuerbare Energien Serbiens (RES Serbia), auf Anfrage mit. Die installierte Gesamtleistung erneuerbarer Energieträger belaufe sich inzwischen auf knapp vier Gigawatt. Besonders hervorheben möchte sie „die zwölf Gigawatt an Projekten mit Netzanschlussanträgen. Dies unterstreicht das starke Interesse der Investoren und den erheblichen Druck auf die serbische Übertragungs- und Verteilungsinfrastruktur“.
Daten des serbischen Netzbetreibers Elektromreza Srbije (EMS) zufolge trugen die Erneuerbaren im vergangenen Jahr gut dreißig Prozent zur nationalen Elektrizitätserzeugung bei. Für die kommenden vier Jahre sieht Serbiens Nationaler Energie- und Klimaplan die Steigerung ihres Anteils auf fünfundvierzig Prozent vor.
Doch noch dominieren die fossilen Brennstoffe; Kohlekraftwerke generierten im Jahr 2025 63,7 Prozent und Gaskraftwerke 5,3 Prozent des Stroms. Elektrizität. Unter den Erneuerbaren war die Wasserkraft mit rund fünfundzwanzig Prozent führend, weit abgeschlagen folgte die Windkraft mit 4,3 Prozent und Bioenergie und Solarenergie kamen lediglich auf jeweils knapp ein Prozent.
Wasserkraftwerke am Eisernen Tor an der Donau sollen mit Pumpspeicherkraftwerk ergänzt werden
Serbiens große Wasserkraftwerke am Eisernem Tor an der Donau, Đerdap 1 und Đerdap 2, verfügen zusammen über eine Erzeugerkapazität von 2,5 Gigawatt. Lassen aber heißes Wetter und anhaltende Dürre wie in diesem Sommer den Wasserstand der Donau sinken, so reduziert sich ihr Anteil an der Stromerzeugung beträchtlich.
Dennoch setzt Serbiens Regierung weiterhin auf den Ausbau der großen Wasserkraft an der Donau. Bis zum Jahr 2038 will sie für ein geschätztes Investitionsvolumen von über 2,6 Milliarden Euro das Pumpspeicherkraftwerk Đerdap 3 errichten. Mit seiner Kapazität von rund 2,4 Gigawatt soll es erklärtermaßen „Europas größte Batterie“ werden und der Ausbalancierung des durch die Integration schwankender Energieträger wie Sonne und Wind stark beanspruchten Stromnetzes dienen.
Photovoltaik holt stark auf

Windpark Kovačica in Serbien mit einer Gesamtleistung von 104 Megawatt. (Foto: RES Serbia)
„Bisher entwickelte sich vor allem die Windkraft“, erklärt RES-Geschäftsführerin Isailović. So verfügt das Balkanland inzwischen über dreizehn Windparks mit einer Gesamtkapazität von 824,2 Megawatt. Davon gingen rund zweihundert Megawatt im vergangenen Jahr ans Netz. Bis zum Ende dieser Dekade erwartet sie einen Zuwachs an Windkraftkapazität in Höhe von 1,3 Gigawatt. Derzeit wird auf dem Berg Crni Vrh in Ostserbien ein Windpark mit einer Kapazität von 150 Megawatt errichtet und in Jasikovo entsteht eine Windkraftanlage mit 70 Megawatt.
Ausgehend von niedrigem Niveau holt die Solarenergie indes stark auf. „Im vergangenen Jahr wurde die Rekordmenge von 134,3 Megawatt Photovoltaik ins Netz eingespeist“, so Isailović Damit habe sich die installierte Solarkapazität auf 318,3 Megawatt erhöht. 192,2 Megawatt davon seien an das Verteilnetz angeschlossen, 125,9 Megawatt entfielen auf die selbstkonsumierenden Erzeuger. In der ersten Jahreshälfte sind der RES-Chefin zufolge Photovoltaikanlagen mit einer kumulierten Kapazität von 61 Megawatt in Betrieb gegangen.
Der Aufschwung des Ökostromsektors setzt sich verstärkt fort. Zahlreiche Großprojekte privater Entwickler stehen vor ihrem Baubeginn, aber auch staatliche Unternehmen engagieren sich. Im vergangenen Dezember kündigte Energieministerin Đedović Handanović den Start einer großmaßstäblichen Solar-Initiative für das Jahr 2026 an.
Serbiens staatlicher Energieversorger Elektroprivreda Srbije (EPS) will in Kooperation mit einem Konsortium aus Hyundai Engineering und UGT Renewables sechs große Solarkraftwerke auf konvertierten Kohleabbau- und verwaisten Kraftwerksflächen errichten. Sie sollen eine Gesamtleistung von 1,2 Gigawatt haben und mit Batteriespeichersystemen (BESS) mit einer Kapazität von 200 Megawatt gekoppelt werden.
Bis zum Jahresende wollen die privaten Entwickler MK Group und Fintel Energija in Kula in der Vojvodina für 340 Millionen Euro ihr Agrosolarprojekt mit seiner Kapazität von 660 Megawatt vollenden, um dann 200.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Nach Angaben der Projektentwickler handelt es sich dabei um „das größte Solarkraftwerk in Europa, das Stromerzeugung und ökologischen Landbau kombiniert“.
Serbien im Zeitalter der Negativpreise
Die zunehmende Netzeinspeisung fluktuierender Elektrizität aus Wind und Sonne hat die serbische Strombörse SEEPEX Anfang Mai 2026 dazu veranlasst, nunmehr auch den Handel mit Strom zu Negativpreisen zuzulassen. Sie begründete dies mit der Notwendigkeit, den serbischen Markt an europäische Standards anzugleichen und für die künftige Integration in den EU-Binnenmarkt vorzubereiten. Für die Agentur für Nachhaltige Energie (NALED) ergibt sich daraus für die nationale Energiewirtschaft, „die Herausforderung, neue Marktmodelle wie langfristige Verträge einzuführen und Batteriespeichersysteme zur Ausbalancierung des Stromnetzes zu installieren“.
Aussetzung der Netzanschlussprüfungen droht Marktentwicklung zu blockieren
Scharf kontrastierend zu der positiven Marktentwicklung wertet Danijela Isailović eine Maßnahme der serbischen Regierung vom vergangenen Mai. Um den Druck auf das serbische Elektrizitätsnetz zu mindern, verabschiedete sie eine Änderung der Verordnung über die Bedingungen der Stromversorgung. Ihr zufolge wird der Übertragungsnetzbetreiber EMSerst wieder im Jahr 2029 Netzanschlusstudien durchführen, die eine Voraussetzung für die Einspeisung von Strom aus Wind- und Photovotaikanlagen ist. Für jede anzuschließende Anlage muss vor Baubeginn eine solche Studie bzw. Prüfung durchgeführt werden, um einen Netzanschluss zu bekommen.
Projekte, die bereits über Verträge zur Durchführung der Anschlussstudien verfügen, sind von der Neuregelung ausgenommen. „Das faktische Einfrieren der Durchführung neuer Netzanschlussstudien für erneuerbare Energiequellen bis 2029 ist ein Investitionshemmnis, das die Realisierung neuer Projekte verzögert und den Ausbau neuer Kapazitäten verlangsamt“, kritisiert Frau Isailović. Frank Stier





















































