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Gebäude-EnergiewendeKraft-Wärme-Kopplung mit Photovoltaik liegt im Trend

Blick in das Berliner Wohnquartier Möckernkiez
Kraft-Wärme-Kopplung kombiniert mit Photovoltaik – dieses Energiekonzept realisiert die NATUSTROM AG bereits im Berliner Möckernkiez, einem genossenschaftlich organisierten Quartier in Berlin-Kreuzberg. (Foto: NATUSTROM AG)

Ein Ratgeber der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg zeigt die Möglichkeiten der Kraft-Wärme-Kopplung für eine effiziente Wärme- und Stromversorgung in der Wohnungswirtschaft auf. Im Trend liegt eine Kombination mit Photovoltaik.

05.05.2020 – Wer ein Gebäude neu baut, muss seinen Wärmebedarf anteilig durch Erneuerbare Energien decken. Das besagt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) des Bundes. Baden-Württemberg geht mit seinem EWärmeG noch einen Schritt weiter: Bereits, wenn ein bestehendes Gebäude saniert wird, müssen 15 Prozente des Energiemix aus regenerativen Quellen stammen. Eine gut konzipierte KWK-Anlage (Kraft-Wärme-Kopplung) erfüllt die Vorgaben beider Gesetze.

„Doch das Potenzial der KWK ist vor Ort noch nicht genügend bekannt“, unterstreicht Florian Anders, Leiter des Kompetenzzentrums KWK der KEA-BW. Hier klärt nun ein neuer Ratgeber zur KWK in der Wohnungswirtschaft verstärkt auf und leistet Hilfestellung. Gerade für Mehrfamilienhäuser und Quartiere kann KWK eine sinnvolle Lösung sein, wie der Ratgeber anhand mehrerer realisierten Projekte in Baden-Württemberg aufzeigt.

Vielfach wird Mieterstrom bezogen

KWK-Lösungen wurden beispielsweise bei einem Neubauprojekt mit 54 Wohnungen und einer Behindertenwerkstätte in Ravensburg umgesetzt oder bei einem denkmalgeschützten Gebäudekomplex in Freiburg mit 92 Wohn- und zwei Gewerbeeinheiten. 5.000 Quadratmeter Nutzfläche werden dort nun nicht mehr über Gasetagenheizungen und Einzelöfen mit Wärme versorgt, sondern über ein Mikronahwärmenetz, das von einem Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 20 Kilowatt (kW) elektrischer Leistung und einem Brennwertkessel mit 450 kW thermischer Leistung gespeist wird. Hierbei wird neben Erdgas auch Solarthermie genutzt. Die Betriebszeit des BHKW liegt bei 6.000 Stunden jährlich. Die jährliche Stromproduktion beträgt 113.000 Kilowattstunden (kWh), von denen 95 Prozent selbst genutzt werden. Zusätzlich nehmen 74 Haushalte an einem Mieterstrommodell teil.

 Solarstrom im Sommer – mehr KWK-Wärme im Winter

„In vielen Fällen werden KWK-Anlagen mit Photovoltaik kombiniert“, berichtet Anders. Den Strombedarf im Sommer deckt dann die PV-Anlage, wenn nur wenig Wärme aus dem BHKW benötigt wird. Eine etwaige Klimatisierung der Objekte wird dadurch wirtschaftlicher. Im Winterbetrieb, wenn die Solaranlage wenig Ertrag bringt, deckt das BHKW die Stromversorgung zum Großteil. Auf KWK plus Photovoltaik setzt beispielsweise ein Projekt am Adelsberg in Emmendingen. Ein Zweifamilienhaus, ein Hofladen mit Privat- und Ferienwohnungen und Bäckerei sowie ein Mehrfamilienhaus werden über ein Nahwärmenetz von einem BHKW mit 5,5 kW elektrischer Leistung, einer Solarstromanlage mit 28 kW sowie einer Gasbrennwerttherme mit 60 kW thermischer Leistung versorgt. Dazu kommt ein 35 kWh fassender Batteriespeicher mit 20 kW Leistung. Alle 16 Wohn- und Gewerbeeinheiten beziehen Mieterstrom. Pro Jahr werden insgesamt 56.000 kWh Strom erzeugt, wovon 31.000 kWh ins Netz eingespeist werden. Die jährliche Betriebszeit des BHKW liegt bei 5.500 Stunden.

Projekte rechnen sich meist ab sechs Wohneinheiten

„Je mehr Strom direkt vor Ort verbraucht wird, desto mehr lohnt sich KWK“, betont Anders. Allerdings brauche es zur Umsetzung von Mieterstromprojekten aufgrund der anspruchsvollen Regulatorik einen erfahrenen Partner wie beispielsweise einen Contractor. Dies ermögliche auch kommunalen Unternehmen interessante Geschäftsmodelle.

„Meist rechnen sich KWK- und Mieterstromprojekte ab einer Objektgröße von sechs Wohneinheiten“, sagt Anders. Dies gelte auch, wenn wie aktuell durch die Corona-Krise bedingt, die Börsenstrompreise stark fallen. Denn die Wirtschaftlichkeit der meisten Projekte bemesse sich ja an den Endkunden-Stromtarifen. Bei größeren Projekten, welche auch auf die Vermarktung des überschüssigen Stroms am Spotmarkt setzen, würden sinkenden Großhandelsstrompreise in vielen Fällen durch sinkende Gaspreise kompensiert. hcn