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KlimaschutzWenig Fortschritte im Wärmesektor

Luftaufnahme von Rostock
Rostock gehört zu den deutschen Städten mit dem geringsten Heizenergieverbrauch. (Foto: Julia Boldt / Pixabay)

Nur dank milder Winter sinken die Emissionen im Wärmesektor. Während der Heizenergiebedarf sinkt, führen steigende Preise dennoch zu höheren Heizkosten. Die energetische Sanierung muss jetzt gezielter und nachhaltiger gefördert werden.

01.10.2020 – Der Wärmesektor ist das Stiefkind der Energiewende – oder der Sektor mit dem größten Potential. Zwar sind die Vorgaben für neue Gebäude streng, aber die energieeffiziente Sanierung von Bestandsgebäuden kommt einfach nicht in Schwung.

Der diesjährige Wärmemonitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) basiert auf den Heizkostenabrechnungen von 300.000 Mehrparteienhäusern. Die Daten hat der Energiedienstleister Ista zur Verfügung gestellt.

Mieter haben im vergangenen Jahr in Deutschland 3,2 Prozent weniger geheizt. Mit jährlich durchschnittlich 130 Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche liegt der Heizenergiebedarf in Mehrfamilienhäusern nun wieder auf dem Niveau von 2010. Die CO2-Emissionen sind aber längst nicht so stark gefallen, wie es für die Erreichung der Klimaziele notwendig wäre.

Gestiegene Heizkosten trotz weniger Verbrauch

Da die Energiepreise für Heizöl und Erdgas im vergangenen Jahr durchschnittlich um 5,6 Prozent gestiegen sind, haben die Mieter bei sinkendem Bedarf 2,4 Prozent mehr für Raumwärme ausgegeben. Die regionalen Unterschiede beim Heizenergiebedarf, aber auch bei den Preisen sind sehr groß. In den westdeutschen Haushalten wird pro Quadratmeter sieben Prozent mehr geheizt als in den ostdeutschen. Am höchsten war der Heizenergiebedarf 2019 in den Regionen Schleswig-Holstein Südwest und Ostfriesland, am niedrigsten im mittleren Mecklenburg, Rostock sowie im Allgäu. Heizenergie kostete am meisten im Saarland, am wenigsten in Hamburg.

Der Studie zufolge hat es zwar insgesamt einen deutlichen CO2-Emissionsrückgang von 20,7 Prozent im Wohngebäudesektor seit dem Jahr 2010 gegeben. Doch ist dieser zum größten Teil den wärmeren Wintern zu verdanken. Temperatur- und witterungsbereinigt sind die Emissionen in den vergangenen zehn Jahren lediglich um 2,6 Prozent zurückgegangen.

Ista-Geschäftsführer Thomas Zinnöcker kommentiert die Ergebnisse: „Die nüchterne Bilanz von zehn Jahren Gebäudesanierung zeigt: Energetische Sanierung führt nicht automatisch zu weniger CO2. Klimapolitische Maßnahmen müssen die richtigen Anreize für alle Beteiligten setzen: bei Vermietern für Investitionen, bei Mieterhaushalten für sparsamen Verbrauch.“ Gebraucht würden mehr Ergebnisorientierung, unbürokratische Umsetzung und begleitende Maßnahmen für die Verbraucher.

Die Investitionstätigkeit zur energetischen Sanierung des Wohngebäudebestands ist noch immer auf einem zu niedrigen Niveau, um die Klimaziele im Gebäudesektor zu erreichen. Geplant war eine Steigerung der Sanierungsrate auf zwei Prozent jährlich. Zuletzt war es aber nur ein Prozent. Machte die energetische Sanierung im Jahr 2010 noch ein Drittel der Gesamtmaßnahmen im Gebäudebestand aus, war es 2019 nur noch ein Viertel.

„Die höhere Förderrate für energetische Sanierung und die geplante CO2-Bepreisung ab dem kommenden Jahr könnten zusätzliche Anreize schaffen, in diesem Bereich wieder mehr zu investieren“, hofft Studienautorin Franziska Schütze vom DIW. Bei der CO2-Bepreisung sei aber darauf zu achten, dass soziale Auswirkungen abgefedert werden.

Gas ist der am meisten genutzte Heizenergieträger

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft veröffentlichte zum Start der Heizsaison Daten über die Verteilung der einzelnen Heizungsarten in Deutschland. Sowohl im Bestand als auch im Neubau ist Gas am beliebtesten. Die Hälfte aller Wohnungen wird mit Gas beheizt.

In gut einem Viertel der Bestands-Wohnungen kommt Heizöl zum Einsatz. Fernwärme, die ebenfalls zu fast 40 Prozent aus Erdgas erzeugt wird, folgt auf Platz drei mit 14 Prozent. Andere Heizarten, wie Strom und Elektro-Wärmepumpen, machen zusammen rund 11 Prozent aus.

Anders sieht es im Wohnungsneubau aus. Zwar sind auch in neu errichteten Wohnungen Gasheizungen mit einem Anteil von rund 37 Prozent die Nummer eins. Am zweithäufigsten werden jedoch Elektro-Wärmepumpen verbaut (30 Prozent). Mehr als jede vierte neue Wohnung wird mit einer Fernwärme-Heizung ausgestattet. Öl-Heizungen spielen hier keine Rolle mehr. pf


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