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Urban MiningWohnlabor zeigt Ressourcenkreislauf beim Bauen

Die experimentelle Baueinheit aus Recyclingmaterialien wurde im Werk vorfabriziert und innerhalb eines Tages in ein mehrstöckiges Versuchsgebäude eingebaut. (Foto: © KIT)

Bei Zürich ist eine Wohneinheit als Experimentierfeld für nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen mit Dämmplatten aus Pilz-Myzel und Wandverkleidungen aus Altglas und Getränkekartons entstanden, in der Studierende nun den Praxistest machen.

05.07.2018 – Mit der demographischen Entwicklung wächst der Bedarf an Wohnraum weltweit, vor allem in den Ballungszentren, entsprechend werden die Ressourcen für das Bauen knapper – sowohl Grundfläche als auch Materialien. Das haben Forscher und Architekten zum Anlass genommen, um mit möglichst wenig Rohstoffverbrauch ein Wohnmodell zu erarbeiten. Die als Forschungseinheit Urban Mining & Recycling eröffnete Testwohnung in Dübendorf nahe Zürich besteht ausschließlich aus kompostierbaren, wiederverwertbaren und weiternutzbaren Materialien für Konstruktion und Ausbau. Das bewohnte Labor soll den Wandel des Bauens in Richtung Kreislaufwirtschaft beschleunigen.

Das Konzept für das Wohnmodul stammt von Architekt Werner Sobek, Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren der Universität Stuttgart, mit Dirk E. Hebel und Felix Heisel, Forschungsverantwortlicher des Fachgebiets Nachhaltiges Bauen am KIT. „Wir wollen beweisen, dass es schon heute möglich ist, so zu bauen, dass sämtliche Ressourcen zu hundert Prozent und sortenrein wieder ausbaubar sind“, erläutert Professor Hebel, Leiter des Fachgebiets Nachhaltiges Bauen des KIT.

Wohnen im Rohstoff- und Recyclinglager

Für die 125 Quadratmeter große Dreizimmerwohnung wurden Primärrohstoffe wie zum Beispiel unbehandelte Weißtanne verwendet, aber auch Elemente, die zuvor andernorts verbaut waren, sowie recycelte Abfallstoffe und neu entwickelte Baumaterialien. Die Kupferplatten, die die Fassade einfassen, deckten zuvor das Dach eines Hotels in Österreich, die Türklinken der Wohnung stammen aus einer Bank in Brüssel. Aus Bauschutt entstanden neue Backsteine, und Getränkekartons wurden zu Wandverkleidungen verarbeitet.

Dieses urbane Materiallager zu nutzen dient der Nachhaltigkeit und macht unabhängiger vom RohstoffmarktWährend Rohstoffe aus der Natur wie Sand oder Kupfer knapp werden, bietet die menschgemachte Umwelt großes Potenzial als Materialquelle. „Dieses urbane Materiallager zu nutzen dient der Nachhaltigkeit und macht unabhängiger vom Rohstoffmarkt“, so Heisel. Für die experimentelle Wohneinheit wurde kein Beton genutzt, da Zement, Kies und Sand sich nicht mehr trennen lassen. Holz wurde indes so verwendet, dass eine chemische Behandlung nicht notwendig ist. Statt Verbindungen zu verkleben oder auszuschäumen wurde geschraubt, geklemmt oder gesteckt, um die verwendeten Einzelstoffe unvermischt zurückzugewinnen und wiederverwenden zu können. Auch vollkommen neue Baustoffe kamen zum Einsatz, darunter kompostierbare Dämmplatten aus Pilz-Myzel, einem aus Pilzgewebe und Sägespänen kultivierten Material.

Die Baueinheit wurde komplett im Werk vorfabriziert und innerhalb eines Tages in ein mehrstöckiges Versuchsgebäude eingebaut. Sie ist Teil des Forschungs- und Testgebäudes NEST im schweizerischen Dübendorf bei Zürich auf dem Campus der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt. Über die Dauer von zunächst fünf Jahren soll nun beobachtet werden, wie sich Methoden bewähren und Materialien verhalten, berichtet das KIT. Zwei Studierende werden im Raumlabor wohnen und von ihren Erfahrungen berichten. na / KIT

 

 


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