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Solarpaket





Nachbarschaftshilfe mal andersGutes tun und Photovoltaik-Wissen teilen

Menschen in einem Garten mit Solar-Terrasse
In der Nachbarschaft für die Nachbarschaft: über Photovoltaik informieren. (Foto: SFV)

Noch keinen guten Vorsatz fürs neue Jahr? Werden Sie Solarbotschafter:in oder Gastgeber:in einer Solarparty. Stillen Sie die Wissbegier von Photovoltaik-Interessenten in Ihrer Region – mit Hilfe des Solarenergie Fördervereins.

03.01.2023 – Wenn sich Hausbesitzer erstmals mit dem Kauf einer PV-Anlage beschäftigen, haben sie viele Fragen – und meist ähneln sich die Fragen. Doch bei knappen Installateurskapazitäten fehlt die Zeit für Vermittlung von Basiswissen. Flattert schließlich ein Angebot ins Haus, können es die zukünftigen Sonnenstromerzeuger oft schwer einordnen, da Vergleiche fehlen.

Hier springt der Solarenergie Förderverein mit einem gezielten Angebot in die Bresche. Das Ziel: das praktische Know-how rund um PV-Anlagen auf dem eigenen Hausdach an viele tausend Menschen deutschlandweit vermitteln – mit Solarbotschaftern und Solargastgebern vor Ort. Bereits seit August letzten Jahres läuft die Initiative „packsdrauf“, die in sogenannten Solarpartys kleine Interessentenkreise zusammenbringt und Antworten auf die Basisfragen der Hausbesitzer bietet. 59 Solarpartys haben inzwischen stattgefunden, mehr als 1.600 Gäste konnten sich in nächster Nachbarschaft rund um Kauf und Betrieb einer Solaranlage informieren.

Der Grundgedanke der Solarpartys ist einfach: in einem kleinen, sehr persönlichen Kreis, am besten direkt bei einem frischgebackenen PV-Anlagenbesitzer wird über Technik, Preise und Installation einer Solaranlage informiert. Diese Aufgabe übernimmt der Solarbotschafter. Er kann dafür Flyer und Infomaterial vom SFV nutzen. Der Gastgeber bietet den Ort, ermöglicht den Blick auf seine Anlage und erzählt, wenn er mag, seine Solar-Geschichte. Doch die Wirklichkeit ist noch bunter.

Das Interesse ist groß

Solarbotschafter Bernhard Seitz aus Lüneburg berichtet von seinen Erfahrungen. Er ist Physiklehrer, hat selbst schon seit 10 Jahren eine PV-Anlage auf dem Dach. Damit fühlte er sich als Botschafter gut aufgestellt und hat sich als einer der ersten im September in dem vom SFV organisiertem Programm online fortbilden lassen. Seitz ging tatsächlich in seiner Nachbarschaft von Tür zu Tür und gewann so die ersten Interessenten. „Auch Gastgeber habe ich auf diesem Weg gefunden“, erzählt er. „Die ersten beiden Partys fanden in unmittelbarer Nachbarschaft im Garten statt, bei schönem Wetter im September. Die Gäste saßen auf Bierbänken, es gab Kuchen und Kaffee. Das hatte wirklich Party-Charakter.“

Es gab schließlich so viele Interessenten, dass er eine Warteliste anlegen musste. Inzwischen hat er Mitstreiter: vier Solarbotschafter in Lüneburg. Weil jetzt im Winter die Draußen-Veranstaltungen nicht so gemütlich sind, wurden für die Veranstaltungen kommunale Gemeinschaftsräume gefunden. „Da können auch mehr Leute teilnehmen“, erzählt Seitz. „Für den praktischen Teil gewinnen wir immer eine Familie mit PV-Anlage im Umkreis von 500 Metern. Dort spazieren wir dann hin und schauen uns das Ganze von draußen an.“ Im Idealfall ist sogar ein Blick von außen in den Hausanschlussraum möglich.

Die Nähe schafft Vertrauen

„Wer Solarbotschafter oder Botschafterin werden will, braucht kein Solardiplom, aber etwas Vorwissen zu Solartechnik und Begeisterung für die Energiewende. In unserem kleinen Online-Fortbildungsprogramm wird alles Wissenswerte vermittelt“, so schildert es Taalke Wolf. Sie koordiniert das Projekt packsdrauf beim SFV. Sie ist auch überzeugt davon, dass es einen wichtigen Unterschied macht, ob man bei einem Nachbarn im Garten sitzt oder allein vor dem Bildschirmmonitor. „Die Nähe schafft Vertrauen.“ Wer indes eine Solaranlage hat, sich aber im Fachlichen nicht so sicher fühlt, findet in dem Projekt ebenfalls seine Rolle. Er zeigt seine Solaranlage her, wird zum Gastgeber oder zur Gastgeberin.

In punkto Vertrauen steuert Solarbotschafter Bernd Kuchenbuch aus Würselen noch einen Punkt hinzu: „Es ist gut, wenn das keine Verkaufsveranstaltung ist – man also nur die Argumente des Verkäufers hört – sondern sich echt auf Augenhöhe austauschen kann.“  Kuchenbuch hat seit einem Jahr seine PV-Anlage, aber schon länger eine Solarthermie-Anlage an der Südfassade und auf dem Süddach seines Hauses. Im Sommerhalbjahr bleibt seine Gastherme komplett ausgeschaltet. Als ihm seine Tochter von der Kampagne erzählte, meldete er sich sofort als Botschafter. „Einfach aus dem Grunde, weil ich bis dahin unzählige Einzelgespräche geführt hatte und die Idee charmant fand, nun mit zehn Menschen auf einmal mein Wissen zu teilen.“

Taalke Wolf vom SFV freut sich, welche Fahrt das Projekt aufgenommen hat. Geplant wurde das ganze ja schon vor dem Ukrainekrieg, als es noch keine Energiekrise gab. „Wir dachten, wir müssten Hausbesitzer motivieren, das ist überhaupt nicht der Fall, das Interesse ist groß.“ Sie berichtet von zwei anderen Herausforderungen – zum einen der Winter und die Corona-Lage, die die Partys ausbremsen. Zum anderen sind die knappen Handwerker-Ressourcen eine Bremse für den Enthusiasmus. Doch davon solle man sich nicht verzagen lassen. „Die Aufklärung und Information ist wertvoll – umso wertvoller, weil viele Kaufinteressenten heute gar nicht mehr drei Angebote erhalten, die sie miteinander vergleichen könnten. Wenn man nur ein einziges Angebot hat, ist es um so wichtiger, es verstehen und hinterfragen zu können.“ 

Hauptsache, die PV-Anlage kommt aufs Dach

Darüber hinaus rät Wolf zur Geduld: „Wir sind so sehr daran gewöhnt, dass wir immer alles sofort bekommen. Wessen Kaufinteresse dann nicht sofort befriedigt wird, ist schnell frustriert. Dass wir auf Sachen warten müssen, müssen wir glaube ich noch mal neu lernen. Aber eine Solaranlage bleibt 20 oder 30 Jahre auf dem Dach. Ob sie diesen Dezember, nächsten März oder Oktober installiert wird, ist gar nicht so entscheidend. Hauptsache, am Ende ist eine Solaranlage auf dem Dach.“

Diese Erfahrung bestätigt Solarbotschafter Seitz. Er und seine Mitstreiter hatten Gäste aus den ersten Veranstaltungen noch einmal eingeladen, um über ihre Erfahrungen mit Angeboten zu berichten. „Wartezeiten bis zur Installation von 6 bis 12 Monaten sind üblich. Die meisten wurden auf Ende nächsten Jahres vertröstet. Zudem sind die Preise sehr hoch, das schreckt Interessenten ab. Vor allem überregionale Angebote sind meistens Murks. Damit sind die Menschen überfordert. 15 Leute, die konkret was kaufen wollten, hatten insgesamt drei gute Angebote erhalten.“

Wolf will im nächsten Jahr noch stärker auf die Kommunen zugehen. Der Solarenergie Förderverein hat seinen Sitz in Aachen. Weil er dort so stark vernetzt ist, ist die Resonanz hier besonders hoch.  Die Stadt gibt sogar eine Aufwandsentschädigung für die Solarpartys. Auch Seitz in Lüneburg und Kuchenbuch in Würselen haben bereits in ihrer Kommune Möglichkeiten zur Unterstützung angefragt. Diesen Weg will der SFV deutschlandweit ebnen – auf Stadtverwaltungen und Klimaschutzmanager:innen zugehen, um das Angebot noch stärker kommunal zu verankern. Petra Franke

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