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Projekt „Transparenz Stromnetze“

Dezentrale Energiewende kann Netzausbau reduzieren

Durch eine dezentral gestaltete Energiewende könnte ein Teil des Netzausbaus vermieden werden. (Foto: pixabay.com, CC0 Creative Commons)

Ein Teil des geplanten Netzausbaus könnte vermieden werden, indem zukünftig ein stärkerer Fokus auf den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien gelegt wird. Dafür ist allerdings ein starker Zubau von Wind- und PV-Anlagen nahe den Städten nötig.

30.07.2018 – Im Rahmen des Projekts „Transparenz Stromnetze“ hat das Öko-Institut e.V. unterschiedliche Entwicklungsszenarien für den deutschen Stromsektor untersucht. Im Fokus stand dabei die Schaffung einer fachlichen Grundlage für die Diskussion zwischen Befürwortern und Kritikern des Netzausbaus. Jedoch kann zurzeit kaum eine sachgerechte Netzplanung gelingen, da weder die Frage eines Kohleausstiegs geklärt ist, noch ein fester Ausbauplan für die Erneuerbaren Energien vorliegt.

Deshalb empfehlen die Experten des Öko-Instituts nun eine zügige und bessere Strukturierung der Energiewende, eine umfassende Analyse der Effekte einer stärkeren Dezentralisierung des Erneuerbaren-Ausbaus sowie die Schaffung eines „Expertengremiums Netze“. Zusammengefasst sind die Ergebnisse in der Broschüre „Transparenz Stromnetze – Stakeholder-Diskurs und Modellierung zum Netzausbau und Alternativen“.

Kohleausstieg, Verzicht auf Stromautobahnen, dezentrale Energiewende

Die wichtigsten Szenarien der Analyse waren hierbei nicht nur die Auswirkungen eines zügigen Kohleausstiegs auf die Netze, sondern auch die eines Verzichts auf große Stromautobahnen wie  SuedOstLink. Ebenfalls wurde untersucht, wie sich eine dezentral gestaltete Energiewende und eine Stromversorgung, die zu 85 Prozent aus Erneuerbaren besteht, auf die Stromnetze auswirken.

„Die aktuellen Szenarien des Netzentwicklungsplans sind ambitionierter als frühere Varianten“, hebt Christof Timpe, Leiter des Bereichs Energie & Klimaschutz am Öko-Institut, hervor. „Doch gibt es auch weiterhin kein Szenario, das die Verpflichtung zur CO2-Minderung abbildet, die sich für Deutschland aus der Klimaschutz-Vereinbarung von Paris ergibt.“

Sachgerechte Netzplanung kann kaum gelingen

Es sei deshalb dringend notwendig, dass die anstehenden Schritte der Energiewende nun zügig definiert werden. „Solange unklar ist, ob im Jahr 2030 Kohlekraftwerke mit einer Leistung von null oder über 30 Gigawatt Leistung betrieben werden und die Spannweite der erneuerbaren Erzeugungsleistung bei 150 bis 220 Gigawatt liegt, kann eine sachgerechte Netzplanung kaum gelingen“, so Timpe.

Er betont aber auch, dass der Netzausbau nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden sollte. Jedoch laufe die Bundesrepublik angesichts der jetzigen Situation Gefahr, das Stromnetz anders auszubauen, als es dann später tatsächlich benötigt wird.

Netzausbau durch dezentrale Energiewende vermeiden

So können sich auch Kritiker der aktuellen Netzentwicklungspläne bestätigt fühlen, die darauf verweisen, dass durch eine dezentral gestaltete Energiewende ein Teil des Netzausbaus vermieden werden könnte. Timpe gibt Ihnen in diesem Punkt Recht, verweist allerdings auch darauf, dass dies eine ehrliche und fundierte gesellschaftliche Debatte erfordert. Schließlich sei ein reduzierter Netzausbau nur dann möglich, „wenn wir uns gesellschaftlich darauf verständigen könnten, einen sehr starken Zubau von Windkraftanlagen nahe der Zentren des Stromverbrauchs zu akzeptieren.“

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Transparenz Stromnetze“ hat für einen solchen Diskurs schon mal einen Anfang gemacht und eine Gruppe von Stakeholdern aus verschiedenen Umwelt- und Verbraucherorganisationen sowie einzelnen Bürgerinitiativen an einen Tisch gebracht. Darunter befand sich nicht nur das „Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost-Trasse“, sondern auch der BUND und NABU sowie die Deutsche Umwelthilfe und Germanwatch. Herausgekommen sind hierbei eigenständige Interpretationen und Schlussfolgerungen der Teilnehmer. jk


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Kommentare

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Tobias 07.10.2018, 23:25:06

Bei dezentral denke ich an Mini Blockheizkraftwerke und autarke. Stromversorgung.. Nicht um Einspeisung von Solarzellen in ein zentrales Netz... Jeder Haushalt sollte seinen eigenen Strom erzeugen.


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