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Zukunft der Energiewende

Großbritannien baut riesiges Batteriespeichernetz

Das Batterienetz soll sich über ganz England, Schottland und Wales erstrecken. (Grafik: © Pivot Power)

Die Briten haben sich nicht weniger als das größte Netz aus Batteriespeichern sowie das größte Schnellladenetz für E-Autos vorgenommen. 45 Speicher mit einer Leistung von 2 Gigawatt sollen die Energie- und Verkehrswende ermöglichen.

23.05.2018 – Das Großprojekt ist eine Kooperation des nationalen britischen Netzbetreibers National Grid und dem Speicherspezialisten Pivot Power. Sie planen 45 Batteriespeicher mit je 50 Megawatt Leistung an neuralgischen Punkten im Stromnetz in England, Schottland und Wales. Bereits in anderthalb Jahren sollen die ersten Stromspeicher einsatzbereit sein. Sind alle Speicher installiert, werden sie eine beeindruckende Leistung von zwei Gigawatt (GW) zur Verfügung haben. Zum Vergleich: Der größte deutsche Atomreaktor Isar 2 besitzt eine Bruttoleistung von knapp 1,5 GW.

Das Netz aus Batteriespeichern soll dazu dienen, den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beschleunigen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Überschüssiger Wind- und Solarstrom kann dann in deutlich größerem Umfang gespeichert und bei Stromknappheit wieder ins Netz eingespeist werden. Sind alle 45 Speicher einsatzbereit, können sie 235.000 Haushalte einen Tag lang versorgen.

Schnelles Laden im ganzen Land

Sogar das Laden mit bis zu 350 Kilowatt könnte möglich werden.Verbinden will das insbesondere Pivot Power mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Die Schnellladesäulen sollen vornehmlich an den Speicheranlagen und entlang großer Straßen entstehen. So soll sichergestellt werden, dass das großflächige Laden mit hohen Übertragungsgeschwindigkeiten möglich ist. Bis zu 100 Schnellladepunkte mit einer Rate von bis zu 150 Kilowatt will Pivot Power aufbauen. Sogar das Laden mit bis zu 350 Kilowatt könnte möglich werden, sobald diese Ladetechnik in Großbritannien zugänglich ist.

Ziel ist die Angst vor E-Autos zu nehmen. Man adressiere mit diesem Großprojekt die drei größten Hürden, die das britische Transportministerium erst kürzlich ermittelt habe, so das Unternehmen: die Verfügbarkeit von Ladesäulen, die Reichweite und die Kosten. Denn Pivot Power möchte günstigen Ladestrom anbieten, um E-Autos nicht zum Luxusgut verkommen zu lassen. Das Projekt zielt auf die Masse.

Vergleichsweise günstig

Das gesamte Vorhaben ist einzigartig und könnte die britische Energiewende entscheidend voranbringen. Umso interessanter ist der vergleichsweise günstige Preis: 1,6 Milliarden Pfund kostet das Zukunftsprojekt, das unter anderem vom britischen Investor Downing LLP getragen wird. Das Unternehmen hat bereits über 100 Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien finanziert und betreibt eine eigene Crowdfunding-Plattform, über die Interessierte sich in den kommenden Monaten finanziell beteiligen können. Weitere Investitionen sollen von Auto- und Energiefirmen stammen.

Warum entsteht nichts Vergleichbares in Deutschland?Das britische Batterienetz wirft unweigerlich die Frage auf: Warum entsteht nichts Vergleichbares in Deutschland? Der selbsternannte Vorreiter in Sachen Energiewende und Klimaschutz gerät immer weiter ins Hintertreffen. Immerhin: Mit einer installierten Leistung von 140 Megawatt in 2017 war Deutschland bisher Vorreiter in Sachen Großspeicher. Dennoch ist interessant, dass sich Tesla für sein erstes Batteriespeicherprojekt Belgien und nicht Deutschland ausgesucht hat. Über ein dem britischen Batteriespeichernetz ähnliches Vorhaben ist hierzulande nichts bekannt. cw


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