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StromnetzeHöhere Versorgungssicherheit trotz mehr Ökostrom

Die deutsche Stromversorgung bleibt sehr zuverlässig.
Die deutsche Stromversorgung bleibt sehr zuverlässig. (Foto: Rodion Kutsaev on Unsplash)

Seit zwölf Jahren sinkt der sogenannte SAIDI-Wert, der die Stromunterbrechung bei den Verbrauchern misst. Im gleichen Zeitraum hat sich der Ökostromanteil fast verdreifacht. Das ist kein Zufall, Energiewende und Versorgungssicherheit passen zusammen.

21.10.2019 – Die Energiewende ist ein enormes Modernisierungsprogramm unserer Wirtschaft und Infrastruktur, nirgends wird das so deutlich wie in der Energiewirtschaft. Und es geht weiter: Derzeit diskutieren Experten über ein neues Strommarktdesign, das in Zukunft die Rolle der verschiedenen Energieträger neu ordnen soll. Denn für die Netzbetreiber sind ihre Aufgaben mit der Energiewende stark gestiegen.

Sie müssen das Stromnetz stabil halten und Frequenzschwankungen ausgleichen, sonst bricht die Stromversorgung zusammen. Das tun sie mit Regelenergie, also kurzfristig verfügbarem Strom, mit der Abregelung oder Anfahren von Kraftwerken oder mithilfe von Stromspeichern. Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber und die vielen kleinen Verteilnetzbetreiber zeigen seit Jahren im Hintergrund, dass Deutschland die Energiewende meistern kann und sich neue Fertigkeiten aneignet. Und das ziemlich gut.

Deutschland hatte 14 Minuten keinen Strom

Das zeigen immer wieder verschiedenste Daten, zuletzt der sogenannte SAIDI-Wert, den die Bundesnetzagentur jährlich ermittelt. Der „System Average Interruption Duration Index“ spiegelt die Unterbrechungen der Stromversorgung für Verbraucher wider. 2018 betrug er 13,91 Minuten und liegt unter dem Wert des Vorjahres von 15,14 Minuten, gab die Behörde Mitte Oktober bekannt.

Das klingt zunächst hoch, fast 14 Minuten keinen Strom. Doch das ist die Summe von insgesamt 167.400 Versorgungsunterbrechungen von 866 Netzbetreibern. Und die Anzahl der Versorgungsunterbrechungen stellt den zweitgeringsten Wert seit Beginn der Erhebung dar, stellte die Bundesnetzagentur fest. Es sind nur winzige Unterbrechungen der Stromversorgung, von denen die Verbraucher fast nie etwas mitbekommen.

„Stromversorgung sehr zuverlässig“

„Die Stromversorgung in Deutschland war auch 2018 sehr zuverlässig“, bewertete Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, die Ergebnisse. Die Verbesserung gegenüber dem Vorjahr hänge auch damit zusammen, dass die Auswirkungen von Wetterereignissen geringer waren, beispielsweise weniger Stürme, Hochwasser oder Schnee.

„Die Energiewende und der steigende Anteil dezentraler Erzeugungsleistung haben weiterhin keine negativen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität“, betonte Homann. cw


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Denkender Bürger 21.10.2019, 09:51:16

Was ich die ganze Zeit sage:

Energiewende und Versorgungssicherheit müssen kein Widerspruch sein - wenn man es technisch richtig anfaßt und betreibt.

Und das Netz zur Energieversorung muß den neuen Bedingungen angepaßt werden - das ist schlicht und einfach technische Notwendigkeit.

Wenn denn die Brennstoffzelle dermaleinst so funktioniert, wie es nötig wäre, um ausreichend Energiespeicher zur Überbrückung von Dunkelflauten zu schaffen, halte ich es sogar für sinnvoller, die entsprechenden Energiespeicher mittels Gas-Pipeline untereinander zu verbinden und zudem dieses Leitungsnetz so zu gestalten, daß der Strom erst vor Ort prodiziert wird.

Ein Gasleitungsnetz macht wesentlich geringere ökologische Schäden als ein Hochspannungsnetz, weil man für das Gasleitungen unter oder neben vorhandenen Wegen verlegen kann und nicht extra Trassen dafür schaffen muß. Zu weiten Teilen könnte man dazu sogar das bereits vorhandene Leitungsnetz nutzen. Außerdem erzeugen Gasleitungen keinen Elektro-Smog.

Hoffentlich sind die Verantwortlichen so weitsichtig, das in ihren Planungen für die Neugestaltung bzw. Anpassung des Energienetzes ausreichend zu berücksichtigen.

Herbert Saurugg 21.10.2019, 11:56:27

Diese Einschätzung hat wohl eher mit einer Truthahn-Illusion https://www.saurugg.net/hintergrundthemen#truthahn-illusion als mit Fakten zu tun :-(. Denn die aufgezeigte Korrelation hat wohl wenig mit einer Kausalität zu tun. Ganz abgesehen davon, dass der SAIDI Wert erst Ausfälle von über 3 Minuten berücksichtigt. Die Ausfälle darunter haben aber enorm zugenommen ("Netzwischer") und verursachen in der Infrastruktur und Industrie große Schäden. Die Netzeingriffe und Kosten sind in den letzten Jahen explodiert. Das System wird immer fragiler und für großflächige Störungen anfälliger.

 

Die Netzanpassung ist sicher ein Thema, damit die Energiewende wirklich funktionieren kann. Aber noch viel entscheidender ist, dass wir auch eine ausreichende Energiebevorratung schaffen, wovon wir aber meilenweit entfernt sind. Und zwar von inhärent bis saisonal. Wir brauchen dezentrale funktionale Einheiten ("Energiezellen" und nicht lauter Einzelbausteine. Uns selbst in die Tasche zu lügen wird nicht zum Gelingen der Energiewende, sondern in die Katastrophe führen.

 

Und es zählt auch nicht, was bereits technisch möglich wäre, sondern was real umgesetzt ist! Und hier haben wir eine enorme Komplexitätslücke.

Denkender Bürger 22.10.2019, 10:50:08

+12 Gut

Genau so sieht es aus.

Vor allem die fehenden Speicher sind ein weitgehend totgeschwiegenes Problem.

Und es weiß auch keiner, wie das gelöst werden soll:

Akkus sind wegen des damit verbundenen Materialbedarfs keine wirklich sinnvolle Alternative.

Die Brennstoffzelle funktioniert noch nicht so, wie sie soll und müßte - und keiner weiß, wann sie das tun wird.

Und Pumpspeicherwerke will wegen der damit verbundenen Eingriffe in die natur ja keiner - obwohl diese nur einmal stattfinden würden, was die Natur das kompensieren könnte.

Und selbst wenn es die entsprechenden Speichertechnologien dermaleinst geben wird, dann wird es noch einige Zeit dauern, bis die betreffenden Anlagen im ausreichenden Maß vorhanden sind.

Das will nur keiner sehen und wahr haben.

Statt dessen wird die Welt schön, bunt und einfach gemalt - und der technische Leise glaubt das dann auch noch.

Nur sind Halbwahrheiten die schlimmeren Lügen - eine verzerrte oder entstellte Wahrheit - und mindestens eine ganze Lüge dazu.

Das will aber auch keiner wahr haben ...

Hannes E. Allabauer 22.10.2019, 17:49:24

Die ganze Sichtweise ist zu engsichtig und blendet das Verbundnetz aus. Deutschland exportiert und importiert ständig täglich im GW-Bereich (übers Jahr im Bereich von 5 TWh). Reserven - auch kurzfristig - wären nicht nur dadurch vorhanden sondern auch durch die Überkapazität unserer Gaskraftwerke. Diese ist etwa so hoch wie die mittlere Auslastung der Kohlekraftwerke! Funktionieren kann das selbstredend nur, wenn das Netz nicht an "Asthma" leidet. Man hat den Eindruck, dass die Stromverteilung im Netz noch manuell vorgenommen wird - ohne Automatisierung, weit hinter dem Stand der Technik. Das öffnet Schummeleien die Tore!

Herbert Saurugg 23.10.2019, 22:59:18

+10 Gut

Zum Thema Importieren beobachte ich die Situation auch schon länger ... https://www.saurugg.net/2019/blog/stromversorgung/alle-wollen-importieren-nur-niemand-sagt-woher-der-strom-dann-wirklich-kommen-soll Das geht natürlich die meiste Zeit. Aber wenn es eng wird, dann wird es ab nächsten Winter richtig eng ... auch wenn es sich rechnerisch meistens ausgeht. Nur die Physik interessiert es nicht, ob es sich rechnerisch ausgeht. Es muss einfach in jedem Augenblick passen. Sonst wird es finster :-(

Werner Meuller 24.10.2019, 12:23:20

Das kWh von meiner über 20 Jahre alten PV-Anlage verursacht Kostet von unter 0 Cent/kWh und es kommen immer noch leicht über 1000 kWh von jeden kWp im Jahr. Wir haben so ca. von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, also an 3500 bis 4000 Stunden im Jahr habe ich PV-Strom.

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Das kann kein Kernfusionsreaktor kein Kernkraftwerk oder Kohlekraftwerk zu dem Preis an meine Steckdose liefern.

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Solarstrom ist für den Bürger und auch Betrieb die günstigste Energiequelle, aber nicht die einzige.

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