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EnergiewendeSteigender Ökostrombedarf könnte Solarbranche beflügeln

Ein Arbeiter hat ein großes Solarpanel in der Hand, was er im Begriff ist zu installieren auf einem Dach.
Eine sinnvolle und zukunftsträchtige Arbeit – die Solarbranche könnte auch in Deutschland einen wahren Boom erleben, wenn die Bundesregierung die richtigen Weichen stellt. (Foto: skeeze/pixabay, Public Domain)

Um die Gefahr einer Ökostromlücke abzuwenden, muss der Bau von Solaranlagen und Speichern deutlich zulegen. Über 50.000 neue Jobs könnten so die Wirtschaft beflügeln. Doch noch bremst die Politik den dringend erforderlichen Ausbau.

06.12.2019 – Neben 6 GW Windenergie braucht es einen jährlichen Zubau von 10 GW Solarenergie um eine drohende Ökostromlücke bis 2030 zu schließen – zu diesem Ergebnis kommt der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) in einem Szenario. Der BEE mahnt, dass die Bundesregierung fälschlicherweise von sinkenden Stromverbräuchen ausgehe. Durch die Sektorenkopplung und notwendige Elektrifizierung von Wärme und Verkehr steige der Strombedarf jedoch.

Auch das Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen EuPD Research erklärt den Wachstumspfad in der Photovoltaik für notwendig. Darüber hinaus weist EuPD Research auf den damit einhergehenden Ausbau von Speicherkapazitäten hin und zeigt welche positiven wirtschaftlichen Effekte sich erzielen ließen. Demnach könnte die Zahl der Arbeitsplätze in der heimischen Photovoltaik- und Speicherbranche bis 2030 von derzeit 26.400 auf 78.000 steigen, so das Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen in seiner Analyse. Der Branchenumsatz würde sich in diesem Zeitraum von fünf auf 12,5 Milliarden Euro erhöhen.

Der Solarbranche droht 2020 dasselbe Desaster, wie der Windkraft in diesem Jahr

Die positiven wirtschaftlichen Effekte ließen sich jedoch nur erzielen, wenn die bestehenden Investitionsbarrieren wegfielen, wie der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) deutlich macht. Und das möglichst schnell. Andernfalls drohe der Solarbranche 2020 dasselbe, wie der Windkraftbranche in diesem Jahr. Dabei geht es vor allem um den sogenannten PV-Deckel. Nach aktuellem Stand des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) soll die Förderung für Photovoltaik-Anlagen bis 750 Kilowatt wegfallen, wenn in Deutschland eine installierte Leistung von 52 Gigawatt erreicht ist.

Und die Zeit läuft ab. „Die 52-Gigawatt-Marke wird bereits in wenigen Monaten erreicht“, so Carsten Körnig, Geschäftsführer des BSW. Die Prognosen von Experten schwanken dabei zwischen Frühjahr und Herbst, wie das Branchenmagazin pv-magazine schreibt. Tatsächlich gab es Seitens der Bundesregierung bereits Bewegung in der Sache. Im ersten Referentenentwurf zum Kohleausstiegsgesetz Mitte November war die Aufhebung des PV-Deckels enthalten – allerdings auch die viel kritisierten Abstandsregeln für die Windkraft.

Die Aufhebung des Solardeckels wurde ohne Not gestrichen

Die vielfach geäußerte Kritik hinsichtlich der Abstandsregeln wirkte offenbar. Ein neuer Referentenentwurf letzte Woche enthielt die entsprechende Klausel nicht mehr. Doch ohne Not wurde dabei auch die Aufhebung des Solardeckels gestrichen. Die Solarbranche hofft nun auf eine zügige Novelle des EEG, die neben der Streichung des Ausbaudeckels auch einen höheren jährlichen Ausbaukorridor vorschreibt. Dieser liegt aktuell bei 2,5 Gigawatt im Jahr.

Dabei ist der Wille für einen stärkeren Ausbau klar vorhanden, wie auch die letzte Ausschreibungsrunde von Anfang Oktober zeigt. Es gab insgesamt 153 Gebote in einem Umfang von 648 Megawatt (MW). Doch wie in der Runde zuvor durften nur rund 150 MW vergeben werden. 27 Gebote mit einer Leistung von insgesamt 152 MW erhielten schließlich den Zuschlag. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 4,90 Cent pro Kilowattstunde. Bei einer höheren Zubaurate könnte der Preis für die Verbraucher noch einmal deutlich fallen. mf