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BehördenfehlerInfraschall von Windrädern wurde jahrelang überschätzt

Rotorblätter eines Windrades mit Bewegungsunschärfe
Windräder verursachen im Vergleich zu Autos oder Flugzeugen nur wenig Infraschall. (Foto: Jose Antonio Alba auf Pixabay)

Ein Rechenfehler in einer Studie hat Windkraftgegnern in den letzten Jahren in die Hände gespielt. Sie haben mit den angeblich hohen Infraschallwerten von Windanlagen Ängste vor Tinnitus, Schlafstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschürt.

03.05.2021 – Infraschall ist Schall, dessen Frequenz so niedrig ist, dass Menschen ihn nicht hören können. Dennoch ist er mitunter als Vibration fühlbar, die Grenze zwischen Hören und Fühlen fließend. Erdbeben oder Vulkaneruptionen sind natürliche Quellen solch niederfrequenter Wellen. Aber auch künstliche Quellen wie Verkehr oder technische Geräte erzeugen Infraschall. Wie stark und über welche Distanzen der Infraschall wahrgenommen wird, hängt auch von dessen Schalldruckpegel ab.

Im letzten Jahrzehnt haben Windkraftgegner die Gesundheitsgefahren des von Windkraftanlagen ausgehenden Infraschalls als Argument gegen den Ausbau kräftig ausgeschlachtet. Dabei sind gesundheitsschädliche Wirkungen bisher nicht belegt und obendrein geben Windkraftanlagen im Vergleich zu Autos oder Flugzeugen nur wenig Infraschall ab.

Falsche Umrechnung von gemessenen Daten

Die Windkraftkraftgegner stützten sich auf eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2009. In der Studie wurden gemessene Infraschallwellen von Windrädern in akustische Daten umgerechnet – diese Umrechnung war falsch, wie sich nun herausstellte. In der Studie waren zu hohe Dezibel-Angaben veröffentlicht worden.

Inzwischen hat sich Bundeswirtschaftsminister Altmaier für diesen Fehler entschuldigt. Seinem Ministerium untersteht die BGR. „Es tut mir sehr leid, dass falsche Zahlen über einen langen Zeitraum im Raum standen“, erklärte Altmaier am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Warum die BGR Infraschall-Messstationen betreibt

Warum die BGR diese Daten überhaupt erhoben hat, lohnt eine nähere Betrachtung. Die Aufgabe der Bundesbehörde ist die Überwachung des Kernwaffenteststopp-Vertrages. Dazu betreibt die Behörde Messstationen, die seismische und Infraschallwellen messen – eine im Bayrischen Wald und eine in der Antarktis.

Damit die Messergebnisse dieser Stationen nicht von anderen Infraschallquellen verfälscht werden, haben die Techniker Infraschallwellen von Windrädern gemessen. Dabei ging es ihnen um die technische Fragestellung, wie weit oder wie nah ein Windrad an der Messstation errichtet werden kann ohne Einfluss auf die Messergebnisse. Auf diese Weise wurde für die Messstation – und nur dafür – ein Mindestabstand von 15 Kilometern ermittelt, der den störungsfreien Betrieb der Messgeräte sicherstellen sollte.

Inwieweit Infraschallwellen von Windrädern Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben oder in welcher Entfernung vom Windrad Infraschallwellen überhaupt von Menschen wahrgenommen werden können, hat die BGR nie untersucht. Dennoch hat sie einen folgenschweren Fehler gemacht, indem sie zu hohe Dezibel-Werte veröffentlichte und Hinweise anderer Experten zu möglichen Fehlern ignorierte.

Mit diesem Ergebnis gingen die Windkraftgegner in den letzten Jahren hausieren und lagen damit gleich doppelt falsch. Nicht nur die hohen Dezibel-Werte stimmten nicht, auch die angenommenen Wirkungen auf die Gesundheit waren und sind wissenschaftlich bisher nicht belegt.

Infraschallpegel von Windrädern relativ gering

Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) kam in einem Langzeitprojekt mit systematischen Messungen zu dem Schluss, dass der Infraschall auch im Nahbereich der Windanlagen mit Abständen von 150 bis 300 Metern deutlich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liege.

Bei 700 Metern Abstand ist der Infraschallpegel bei eingeschalteten Anlagen nur unwesentlich höher als bei ausgeschalteten Anlagen, da der Großteil des Infraschalls durch den Wind selbst verursacht wird. Zudem ergaben die Messungen, dass nachts der Infraschallpegel deutlich absank, da wichtige Infraschallquellen wie der Verkehr abnahmen.

Ob auch nicht wahrnehmbare Infraschallwellen gesundheitliche Folgen haben können, ist bisher nicht abschließend geklärt. Eine Studie der Universität Halle  hat diese Frage näher untersucht, kommt aber zu keinem eindeutigen Ergebnis. Die Forscher verweisen auf weitere notwendige Forschungsarbeiten. Doch auch in ihren Messergebnissen wurden andere Infraschallquellen wie der Verkehr in etwa gleicher Größe gemessen wie der Infraschall von Windanlagen.

Das Umweltbundesamt hat in einer Publikation vom Sommer 2020 den Wissensstand über tieffrequente Geräusche im Wohnumfeld zusammengefasst. Darin wird neben Windenergieanlagen vor allem auf kleinere lokale Quellen – Heizungsanlagen, Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke sowie Haushaltsgeräte eingegangen. pf


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