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Energiewende in NRWZu viel Atom und Kohle, zu wenig Erneuerbare

Die Bäckerei Malzers aus Gelsenkirchen deckt einen Teil ihres Strombedarfs mit Photovoltaik vom Dach.
Die Bäckerei Malzers aus Gelsenkirchen deckt einen Teil ihres Strombedarfs mit Photovoltaik vom Dach. (Foto: EnergieAgentur.NRW flickr / CC 4.0)

Von Aufbruch kann keine Rede sein. Im letzten Jahr stieg in NRW der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch nur unwesentlich. Beim Zubau gibt es große Unterschiede: Der Windkraftausbau ist massiv eingebrochen, der Photovoltaikausbau legt zu.

18.08.2020 – Energiewende sieht anders aus: Fast 84 Prozent des Stromverbrauchs in Nordrhein-Westfalen stammten 2019 aus Kohle, Atom und Gas. Erneuerbare Energien erreichten gerade einmal 16,2 Prozent. Damit stieg ihr Anteil gegenüber 2018 um ein halbes Prozent. Es gibt jedoch große regionale Unterschiede. In Detmold erreichte der Anteil der Erneuerbaren beim Stromverbrauch knapp über 34 Prozent, in Düsseldorf waren es dagegen nur acht.

So gut wie kein Zubau von Windkraft

Vor allem der Zubau von Windkraftanlagen lag erneut massiv unter Plan. Er ging im Vergleich zu 2018 um 68 Prozent zurück. Mit nur 37 neuen Anlagen ist der Ausbau so gering wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Leistung der neu gebauten Anlagen beträgt 125 Megawatt, 2018 waren es immerhin noch 355 Megawatt. Damit NRW seinen Anteil für das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung erreicht, müssten jährlich 944 Megawatt bzw. rund 210 Anlagen modernster Generation neu ans Netz gehen. Vom vorhandenen Potential werden bisher nur 16 Prozent genutzt.

Reiner Priggen, der Vorsitzende des Landesverbandes Erneuerbare Energien (LEE), kritisiert den geringen Ausbau: „Der Ausbau müsste aus Klimaschutzgründen ambitionierter erfolgen. Aber wir bleiben aktuell sogar sehr deutlich hinter der Zielsetzung der Landesregierung zurück.“ Bis 2030 scheiden darüber hinaus rund 3.000 alte Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von drei Gigawatt aus, die bis 2010 errichtet wurden und dann ihren Förderzeitraum von 20 Jahren überschritten haben. „So wie es jetzt läuft, bekommen wir in den kommenden Jahren durch den Wegfall alter Anlagen keine Verdoppelung, sondern erhalten geradeso die bestehende Leistung. Das ist mit den Pariser Klimaschutzzielen nicht zu vereinbaren“, sagt Priggen.

Solarenergie steigt kräftig, aber nicht genug

Die Bilanz bei der Solarenergie fällt deutlich besser aus. Um 60 Prozent stieg der Ausbau im Vergleich zum Vorjahr. Rund 471 Megawatt neue Solarleistung gingen  2019 ans Netz. Erfreulich dabei ist der große Anteil Dachanlagen. 455 Megawatt des Zubaus erfolgte auf dem Dach. Allerdings bleibe nach Analysen des LEE viel zu viel Potential in der Freifläche ungenutzt.

Die installierte Photovoltaikleistung in NRW betrug zum Jahresende 2019 knapp 5,4 Gigawatt. Damit erreichte das Land beim bundesweiten Zubau-Vergleich den zweiten Platz hinter Bayern und vor Baden-Württemberg. Spitzenreiter innerhalb des Landes ist der Regierungsbezirk Münster. Hier wurden knapp 4.000 neue Anlagen mit insgesamt 128 Megawatt Leistung gebaut.

Doch auch 471 Megawatt jährlicher Photovoltaikausbau sind nicht genug. Rund 1,16 Gigawatt Leistung müssten in NRW jährlich ans Netz gehen, um das Ausbauziel der Bundesregierung zu erreichen.  Dann sollen 65 Prozent des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien stammen. pf


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Kommentare

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Martin 19.08.2020, 19:56:39

Wenn wundert es wenn ich Strom einspeise bekomme ich 0.13 Cent wenn ich denn kaufe 0.28 Cent und dann kommt noch mal dass Finanzamt und will die Mehrwertsteuer und den selbstferverbrauch muß man auch noch bezahlen ich würde mir keine Anlage mehr aufs Dach machen


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