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Scientists for FutureFürs Klima sind sie wütend

Mischen sich mit viel Engagement in die Debatte um mehr Klimaschutz ein: Die Gesichter von Scientists for Future Prof. Volker Quasching, Prof. Karen Helen Wiltshire, Eckart von Hirschhausen und Prof. Maja Göpel.
Mischen sich mit viel Engagement in die Debatte um mehr Klimaschutz ein: Die Gesichter von Scientists for Future Prof. Volker Quasching, Prof. Karen Helen Wiltshire, Eckart von Hirschhausen und Prof. Maja Göpel. (Foto: © Janine Escher)

Jahrelang haben sie nur zugeschaut und Gutachten geschrieben, jetzt mischen sich tausende Professoren und Forscher in die Klimadebatte ein. „Scientists for Future“ unterstützt die streikenden Schüler im Kampf für mehr Klimaschutz – mit schlagkräftigen Argumenten und gehörigem Druck auf die Politik.

28.03.2019 – Ist er wütend? Nein, dafür ist er schon zu lange im Geschäft. Eher empört, verwundert, enttäuscht. Er sucht nach dem richtigen Wort, es liegt irgendwo dazwischen. Volker Quaschning sitzt in seinem Büro und spricht über die deutsche Klimapolitik. Vor der Tür breite, leere Flure. Es sind Semesterferien. Drinnen lehnt ein Solarmodul in der Ecke, ein halb geöffneter Adventskalender hängt an der Pinnwand, der Professor auf seinem Drehstuhl. Durch die großen Fenster im dritten Stock des ehemaligen Fabrikgebäudes dringt trotz des grauen Märzmorgens viel Licht in den kleinen Raum.

Der 49-jährige ist seit 15 Jahren Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin HTW. Einer der bekanntesten seines Faches und Autor eines Standardwerks. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern hat Quaschning vor wenigen Tagen die Initiative Scientists for Future ins Leben gerufen. Eine Anlehnung an die streikenden Schüler von Fridays for Future, die jeden Freitag für eine ambitionierte Klimapolitik auf die Straße gehen. Auch Scientists for Future fordert raschen und umfassenden Klimaschutz, aber vor allem wollen die Forscher die junge Generation in ihrem Kampf unterstützen.

Trump ist wenigstens ehrlich.„Trump ist wenigstens ehrlich“, sagt Quaschning. Der US-Präsident tritt mit seinem Land aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Die Bundesregierung und alle Parteien im Bundestag haben dagegen dem historischen Vertrag vor drei Jahren zugestimmt, haben sich dazu verpflichtet die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad zu begrenzen und verstecken sich seitdem hinter schönen Formulierungen, wie Quaschning es nennt. Er argumentiert mit Leidenschaft und zeigt an seinem Laptop Grafiken, die belegen, was uns alles blüht, wenn wir unsere Treibhausgasemissionen nicht sofort senken. Die Schäden am Ökosystem könnten schon jetzt irreversibel sein, große Teile der Welt aufgrund von Hitze unbewohnbar werden. „Wir müssen jetzt handeln!“ Seine Sätze sind wohlformuliert und scharf, trotzdem lächelt er häufig.

Vom Klimaschutz noch weit entfernt

Deutschland wird sein Klimaziel für das Jahr 2020 verfehlen, das hat die Bundesregierung offiziell eingeräumt. Und das nicht einmal knapp: Statt 40 Prozent weniger Treibhausgase gegenüber 1990 werden es aller Voraussicht nur 32 Prozent sein. Seit fast neun Jahren sinken die deutschen Emissionen nicht mehr. Im Verkehrsbereich sind sie sogar gestiegen. Trotz vieler Bekenntnisse der Regierung ist nichts geschehen. Kanzlerin Angela Merkel betont seit 14 Jahren wie wichtig ihr Klimaschutz ist und international spielt Deutschland auf Klimakonferenzen tatsächlich eine wichtige, eine antreibende Rolle. Zu Hause schrecken Union und SPD aber vor Veränderungen zurück, obwohl eine große Mehrheit der Bevölkerung sich mehr Klimaschutz wünscht.

Deutschland steckt in einem Klima-Reformstau. Das lässt sich dadurch erkennen, dass mittlerweile alle Regierungsberater, ob Wirtschaftsweise, Rechnungshof, Kommissionen oder wissenschaftliche Beiräte sich einig sind. Es muss etwas geschehen und ziemlich viele haben dieselbe Idee: Klimaschädliche Produkte und treibhausgasintensive Verhaltensweisen müssen teurer werden, eine CO2-Steuer soll her. Wie in der Schweiz, Großbritannien oder Schweden. Das würde insbesondere Benzin, Diesel, Kerosin im Verkehrsbereich treffen und Kohle, Öl und Gas im Energiesektor. Doch die Bundesregierung mauert und lässt seit Amtsantritt wissen: Wir werden in dieser Legislaturperiode nichts dergleichen angehen, wir wollen darüber noch nicht einmal diskutieren. Das frustriert nicht nur die Jugend.

Ein Arzt für den kranken Planeten

Und so steht Volker Quaschning einige Tage später im Innenhof der Bundespressekonferenz. In zehn Minuten beginnt die offizielle Vorstellung von Scientists for Future, der Saal die Treppen hoch ist noch leer. Neben Quaschning tummeln sich einige Wissenschaftler und zwei Sprecher von Fridays for Future vor den Kameras und Mikrophonen. Eckart von Hirschhausen gibt vor der Tür noch ein Interview für den Deutschlandfunk, während die S-Bahn vorbei rauscht. Der populäre Moderator und Wissenschaftsjournalist, eigentlich Arzt, ist das Gesicht des Tages und bekanntester Unterstützer von Scientists for Future. Ein in allen Bevölkerungsschichten bekannter Kopf, der auch mit dem Herzen die Sache unterstützt, sei enorm wertvoll für die mediale Aufmerksamkeit, sagt Quaschning.

Die Pressekonferenz startet pünktlich, der Saal ist zu einem Viertel gefüllt. Bereits seit einer Woche läuft die Berichterstattung über Scientists for Future. Die Informationen wurden von Quaschning und seinen Kollegen gut gestreut, die großen Medien haben längst Interviews erhalten. Heute ist nur der offizielle Startschuss, viel Neues ist nicht zu erwarten. Ein junger Klimaaktivist überträgt mit seinem Smartphone alles live in die Social-Media-Kanäle, ein Dutzend Journalisten tippen in ihre Laptops oder schreiben in ihre Notizbücher.

Mehr Profis als Lungenärzte

Oben auf dem Podium sitzen ganz links die beiden prominentesten Vertreter von Fridays for Future, die Studentin Luisa Neubauer und der Schüler Jakob Blasel. Volker Quaschning nimmt direkt neben ihnen Platz, er ist das Bindeglied zu den jungen Menschen. Auf der anderen Seite sitzen zwei Wissenschaftlerinnen und von Hirschhausen.

Das betrifft nicht nur Eisbären, es geht nicht nur um Bangladesch, es geht genauso um uns hier.Gleich mehrfach setzt es Seitenhiebe in die Richtung Christian Lindner. Der FDP-Chef hatte den streikenden Schülern in einem Interview die Kompetenz abgesprochen. Man solle doch das Thema lieber den Profis überlassen. Eine Steilvorlage so kurz vor der Pressekonferenz. Die Antwort der Forscher ist eindeutig: Seht her, hier sitzen die Profis und wir sagen dir und der Welt: Die streikenden Schüler und Studenten haben recht. Aus 700 Erstunterzeichnern sind mittlerweile 12.155 Wissenschaftler geworden, darunter tausende Professoren und zwei Nobelpreisträger. „Eine fantastische Zahl, mehr als Lungenärzte“, sagt Eckart von Hirschhausen trocken und kann sich eine weitere Spitze nicht verkneifen. Er spielt auf den umstrittenen Brief von 100 Lungenärzten an, die Anfang des Jahres mit vielen Behauptungen und Rechenfehlern aber ohne Fakten zur Gefahr von Dieselabgasen große Aufmerksamkeit erlangten.

Die Klimakrise ist die größte Gesundheitsgefahr, warnt der Arzt. „Das betrifft nicht nur Eisbären, es geht nicht nur um Bangladesch, es geht genauso um uns hier.“ Zwei Plätze weiter sieht Volker Quaschning aufmerksam und angespannt aus. Kurz zählt er die Köpfe im Saal, immer wieder mustert er das Publikum, während seine Kollegen sprechen. Er trägt kein Sakko mit kariertem Hemd wie in seinem Büro einige Tage zuvor, sondern einen schwarzen Anzug, rote Krawatte, schwarze Schuhe. Von Hirschhausen sieht ohne Krawatte deutlich lockerer aus und so spricht er auch, für ihn ist das Rampenlicht nichts Ungewohntes.

Die Zeit zum Reden ist vorbei

Dann ist der Professor von der HTW Berlin an der Reihe. Er redet souverän und erklärt, dass Deutschland spätestens 2040 keine Emissionen mehr in die Atmosphäre pusten darf. Die Klimaziele der Bundesregierung, 80 bis 95 Prozent weniger Treibhausgase bis 2050, sind nicht ausreichend, stellt er nüchtern fest. Und nicht mal das ist mit der heutigen Politik annähernd erreichbar. „Deshalb freuen wir uns über die enorme Mobilisierung durch die junge Generation von Fridays for Future und dass ihr hier auf dem Podium sitzt“, sagt Quaschning und schaut nach rechts, er lächelt.

Gegen Ende ergreift Maja Göpel das Wort. Sie sitzt neben von Hirschhausen und redet sich in Rage. Die Professorin ist Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU). Seit 1992 warnt das unabhängige Gremium Regierungen und Öffentlichkeit vor den Veränderungen durch den Klimawandel, fast immer erfolglos und so platzt es aus Göpel heraus. Die Digitalisierung sei eine deutlich größere Veränderung als etwa die Energiewende. „Warum nehmen wir das als gegeben hin, feiern die Digitalisierung als Fortschrittsagenda und bekämpfen Anpassungen an die globale Erwärmung bis zum letzten Moment?“ Es gehe um wirtschaftliche Interessen und Macht, antwortet Göpel selbst. Und schiebt hinterher: „Wenn selbst die wirtschaftlichen Entscheider der Republik und der Welt inzwischen sagen, dass von den sechs größten globalen Risiken fünf ökologisch sind und das sechste Massenvernichtungswaffen, dann ist einfach die Zeit vorbei darüber zu reden, ob Ökologie was kosten darf.“

Der Frust wächst

Die letzten Sätze gehören wieder von Hirschhausen. Er erzählt von seinem Bruder Christian, der als Wirtschafts-Professor an der TU Berlin seit Jahren Gutachten darüber schreibt, warum Deutschland keine Braunkohle und keinen Atomstrom mehr benötigt. Aber nur Gutachten schreiben reicht ihm nicht mehr. Er gehört zu den Erstunterzeichnern von Scientists for Future und trägt heute sein Unverständnis über die deutsche Energie- und Klimapolitik auf die Straße. „Der Frust der Menschen, die sich in der Tiefe mit dem Thema beschäftigen, wächst. Und das ist gut so“, sagt sein Bruder.

Der Frust der Menschen, die sich in der Tiefe mit dem Thema beschäftigen, wächst. Und das ist gut so.Nach 46 Minuten sind alle Fragen gestellt. Wissenschaftler und Aktivisten stehen auf, es gibt noch Fotos, tuscheln in kleiner Runde. Quaschning lacht, er wirkt gelöst. Er drängt sich nicht ins Rampenlicht, von Hirschhausen gibt als Medienprofi den Ton an. Es geht wieder nach draußen, dort stehen alle erneut vor den Kameras und Mikrophonen, es gibt Einzelinterviews. Jeder, der ein Statement will, bekommt es auch. Ist die Anspannung abgefallen? Quaschning sagt, die sei gar nicht so groß gewesen. Er ist froh, das Thema in die Öffentlichkeit und die Medien zu tragen.

Am nächsten Freitag hat er erneut die Gelegenheit dazu. Volker Quaschning spricht auf der Fridays for Future-Veranstaltung zu Zehntausenden Demonstranten. Die meisten können ihn nur hören und nicht sehen, dafür ist das kleine Podest am Rande des Platzes zu niedrig. Es ist nicht irgendein Freitag, sondern globaler Klimastreik. In über 100 Ländern strömen junge Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straßen, in Deutschland in über 200 Städten. Am Ende kommen in der gesamten Republik bis zu 300.000 Demonstranten zusammen. Deutschland erlebt eine der größten Protestaktionen seiner Geschichte.

Eine Warnung an die Bundesregierung

In Berlin sind es bis zu 25.000 Menschen, nicht nur junge, aber überwiegend. Angemeldet waren 5.000 erzählt einer der gehetzten Organisatoren und versucht kurz vor Beginn um 10 Uhr die Massen von der Straße zu bewegen. Vergeblich, erst sperrt die Polizei die Straße, dann muss auch der Straßenbahnverkehr eingestellt werden. Die Sendemasten sind überfordert, für die nächsten Stunden lässt das Handynetz keine mobilen Daten durch. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich.

Der Ort ist nicht zufällig gewählt, der Invalidenplatz nahe dem Hauptbahnhof liegt zwischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Die beiden Behörden sind maßgeblich verantwortlich für den Stillstand der deutschen Klimapolitik. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lässt auch nach einem Jahr im Amt beim Thema Energiewende keinen klaren Kurs erkennen, selbst die Kanzlerin beschwerte sich über seine chaotische Führung. Ein Dreivierteljahr blieb die wichtige Stelle des Staatssekretärs für Energie unbesetzt. Eine CO2-Steuer lehnt der oft gut gelaunte Saarländer rundweg ab. Sein Kabinettskollege ist in den Augen der Demonstranten keinen Deut besser. Ob Abgasaffäre oder marode Bahn, Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) schiebt die Schuld gerne anderen zu und zeigt ganz Deutschland: Eine Verkehrswende ist mit ihm nicht zu machen.

23.000 Wissenschaftler für die Zukunft

Die Kohle hat Deutschland im 19. Jahrhundert reich gemacht, heute tötet sie.Als Quaschning fertig ist, wandert das Mikrophon weiter zu von Hirschhausen. Heute hat er seinen Bruder Christian mitgebracht und fragt ihn: „Ist Klimaschutz technisch möglich?“ Der Wirtschafts-Professor ruft auf den Invalidenplatz: „Die Kohle hat Deutschland im 19. Jahrhundert reich gemacht, heute tötet sie. 100 Prozent Erneuerbare Energien sind machbar!“ Als Gregor Hagedorn ans Mikrophon tritt, jubelt die Masse. Der akademische Direktor des Berliner Naturkundemuseums, nur wenige hundert Meter entfernt, ist der Initiator von Scientists for Future. Mit einer E-Mail brachte er die Wissenschaftler ins Rollen. Offenbar wissen das viele der jungen Leute. Wie Quaschning ist Hagedorn keine Person, die sich in den Vordergrund drängt, auf der Pressekonferenz saß er nur im Publikum. Nun steht er auf der kleinen Bühne, hält die Stellungnahme in die Höhe und mit der anderen Hand reckt er ein kleines Pappschild hoch. Darauf steht eine Zahl: 23.000. „So viele Wissenschaftler haben unterschrieben, so viele unterstützen euch“, ruft er den Klimastreikenden zu. Großer Jubel und Geklatsche.

Mit solch einer hohen Zahl hat niemand gerechnet, die Stimmung unter Wissenschaftlern, Schülern und Studenten ist euphorisch. Dann übernehmen wieder die Friday for Future-Aktivisten das Mikrophon. Eine Jugendband will ihr Klimalied spielen, aber es fehlt noch ein Kabel. Kurzerhand wird improvisiert. „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle, hey hey“ ruft der Sänger und Tausende hüpfen. Die anwesenden Erwachsenen beobachten beeindruckt und mit einem Lächeln die springende Jugend. Dann ist das Kabel gefunden. „Das ist der Aufstand der Jugend“ schallt es über den Platz. Es klingt wie eine Warnung. In ihren Reden gehen die jungen Menschen hart mit der Bundesregierung ins Gericht.

„Manchmal braucht es eben ein unerwartetes Ereignis wie diese Greta aus Schweden, um etwas Großes anzustoßen.“

Eine halbe Stunde später setzt sich der Demozug in Bewegung, zum Bundestag am Kanzleramt vorbei und wieder zurück vors Wirtschaftsministerium. Angeführt von Luisa Neubauer, das prominenteste Gesicht von Fridays for Future, mittlerweile Medienprofi. Sie hält ein Megafon in der Hand. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ schallt es die engen Straßen entlang. Kurz hinter der Charité reiht sich Hans Joachim Schellnhuber in die ersten Reihen ein. Auch der wohl renommierteste deutsche Klimaforscher gehört zu den 700 Erstunterzeichnern der Wissenschaftler.

Und noch ein weiteres bekanntes Gesicht ist zum Klimaprotest angereist. Dirk Steffens, Naturfilmer und Wissenschaftsjournalist, schlendert weiter hinten mit seiner Frau die Straße entlang. Er ist privat hier und nicht Teil von Scientists for Future, schließlich ist er Reporter und nicht Wissenschaftler. Vom Engagement der Jugend und der Forscher ist er überwältigt. „Manchmal braucht es eben ein unerwartetes Ereignis wie diese Greta aus Schweden, um etwas Großes anzustoßen“, sagt er. Er meint die 16-jährige Greta Thunberg, die mit ihrem Klimastreik die weltweite Bewegung ins Rollen gebracht hat. Steffens und seine Frau wohnen an der Nordsee hinterm Deich, sie sind von der globalen Erwärmung persönlich betroffen. „Ich hätte vermutlich wieder keine Zeit gehabt, aber meine Frau hat gesagt: Das ist zu wichtig, wir müssen zum Klimastreik.“ Er erwartet nicht, dass die Politik das Thema aussitzen kann. Es wird das nächste Extremwetterereignis kommen und spätestens dann werde die Diskussion um mehr Klimaschutz Fahrt aufnehmen. Davon ist er überzeugt.

Muss die Wissenschaft ihre Rolle neu definieren?

Möglicherweise ist die Wissenschaft angesichts der immensen Bedrohung durch den Klimawandel gerade dabei, ihre Rolle neu zu definieren.Als die Demonstration vorbei ist, zieht Volker Quaschning Bilanz. „Wir hatten auf gut 10.000 Unterschriften gehofft, aber 23.000 ist überwältigend.“ Noch immer fragen unzählige Kollegen, wo man unterschreiben kann. „Unsere Botschaft ist eindeutig: Die Wissenschaft fordert mit nahezu einer Stimme, endlich wirksame Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen.“ Scientists for Future hat eine Diskussion zur Rolle von Forschern angestoßen. Sollen sie weiterhin nur analysieren und Empfehlungen aussprechen oder aktiv werden? Die Organisatoren um Hagedorn und Quaschning erleben derzeit, wie viele Forscher sich mehr wünschen. „Möglicherweise ist die Wissenschaft angesichts der immensen Bedrohung durch den Klimawandel und der gewaltigen Aufgabe des Klimaschutzes gerade dabei, ihre Rolle neu zu definieren“, sagt Quaschning. Also sich einmischen und Forderungen auf Grundlage von Fakten aufstellen.

Am Ende, wohl beflügelt von den kraftvollen Aktivisten von Fridays for Future, sagt er es dann doch, er ist wütend. „Wütend, dass unsere Politik und meine Generation es bislang nicht geschafft haben, die nötigen Weichen zu stellen.“ Die letzten Tage haben an seinen Kräften gezehrt, alle müssen erst einmal kurz durchatmen. „Aber so lange das Klimaproblem nicht gelöst ist, werde ich mich weiter und mit voller Kraft für den Erhalt der Lebensgrundlagen unserer Kinder einsetzen.“ Clemens Weiß

Diese Reportage ist zeitgleich bei Perspective Daily erschienen.