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Früher Frühling

Pflanzen nehmen durch den Klimawandel weniger CO2 auf

Sattelitendaten zeigen: Warme Frühjahre führen zu mehr Pflanzenwachstum im Frühling, aber geringerem Wachstum im Sommer und Herbst
Satellitendaten zeigen, dass warme Frühjahre zu mehr Produktivität der Vegetation im Frühling, aber in vielen Regionen zu geringerer Produktivität im Sommer und Herbst führen. (Grafik: © TU Wien)

Schlechte Nachrichten im Kampf gegen den Klimawandel: Pflanzen wachsen durch den warmen Frühling immer früher, doch anders als gedacht wird dadurch deutlich weniger CO2 aufgenommen. Das zeigt eine neue Studie basierend auf Satellitendaten.

09.10.2018 – Wissenschaftler sind bislang davon ausgegangen, dass der Klimawandel das Pflanzenwachstum positiv beeinflusst. Die Pflanzen würden früher und schneller wachsen, im Zuge der Photosynthese mehr CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, dieses binden und deshalb mehr Biomasse aufbauen. So die gängige These. Doch das war offenbar ein Trugschluss, wie Wissenschaftler der Forschungsgruppe „Climate and Environmental Remote Sensing“ nun herausgefunden haben.

Die Lage des Weltklimas ist also noch angespannter als bisher gedacht.Das Gegenteil sei der Fall, berichten die Forscher des Projekts unter Federführung der TU Wien und der Universität Leeds. Gemeinsam mit Forschungsgruppen aus den USA und mehreren anderen Ländern werteten sie Satellitenbilder der Nordhalbkugel aus den letzten 30 Jahren aus. Veröffentlicht wurde die groß angelegte Studie im Fachmagazin Nature. Das Fazit: „Die bisher verwendeten Klimamodelle müssen angepasst werden, die Lage des Weltklimas ist also noch angespannter als bisher gedacht.“

Über die Gründe wird noch spekuliert

„Dass sich der zeitliche Verlauf des Pflanzenwachstums durch den Klimawandel deutlich verschoben hat, wussten wir bereits“, erklärt Matthias Forkel vom Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien. Allerdings war den Wissenschaftlern nicht klar, was das für das Pflanzenwachstum im Sommer und Herbst und für die CO2-Aufnahme bedeutet – dazu gab es nur Thesen, aber keine datenbasierten Studien.

Die Satellitendaten zeigen zwar, dass die Nordhalbkugel bei warmem Frühling grüner wird. Doch dieser Effekt kann sich im Sommer und im Herbst umkehren, so dass insgesamt durch die Erwärmung sogar weniger Kohlenstoff aus der Atmosphäre entzogen wird. Über die Gründe können die Forscher nur spekulieren, zwei Aspekte scheinen wahrscheinlich. Das starke Wachstum im Frühling kann dafür sorgen, dass später im Jahr nicht mehr genügend Wasser vorhanden ist. Zudem haben bestimmte Pflanzen möglicherweise eine natürlich vorgegebene Wachstumsdauer. Wachsen die Pflanzen früher im Jahr, hören sie auch früher wieder auf.

„Unerfreuliche Richtung“

„Diese Mechanismen sind kompliziert und regional unterschiedlich“, erklärt Matthias Forkel. Dennoch zeigten die Daten eindeutig, dass es viel größere Regionen gebe wo die Produktivität der Pflanzen in Jahren mit warmem Frühling abnimmt. „Leider verändern sich dadurch die Klimaprognosen in eine eher unerfreuliche Richtung.“ cw


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