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E-MobilitätOhne Elektroautos kein ausreichender Klimaschutz

Erneuerbare Energien und Elektromobilität müssen parallel ausgebaut werden.
Für wirksamen Klimaschutz müssen Erneuerbare Energien und Elektromobilität parallel ausgebaut werden. (Foto: Pxhere / CCO 1.0)

Für wirksamen Klimaschutz brauchen wir Elektrofahrzeuge. Eine Forschergruppe erklärt, warum daran kein Weg vorbeiführt. Zudem ist der Klimavorsprung von E-Autos vor Verbrennern deutlich gewachsen. Denn der Anteil Erneuerbarer am Strommix nimmt zu.

20.08.2020 – Wissenschaftler aus drei Forschungseinrichtungen haben gemeinsam untersucht, wie der Verkehrssektor dekarbonisiert werden kann. Das Resultat fällt eindeutig aus: An der Elektromobilität für den Privatverkehr führt kein Weg vorbei.

Das Forschungsprojekt wurde vom Nachhaltigkeitsbeirat von Volkswagen unterstützt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt – die Wolfsburger verfolgen laut eigener Aussage eine konsequente E-Auto-Strategie. Doch die Forscher seien „vollkommen unabhängig“ gewesen, betont Christian Bauer vom Schweizer Paul Scherrer Institut (PSI), einer der beteiligten Wissenschaftler. Vielmehr sei es darum gegangen, nicht im Elfenbeinturm zu forschen und Entscheidungsprobleme von Politik und Unternehmen besser zu verstehen.

Neben dem PSI waren das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) an der Untersuchung beteiligt. Zwei der Wissenschaftler stellten die Studienergebnisse in einem Interview auf dem Webportal der Volkswagen AG vor.

2050 darf kein Verbrennungsmotor mehr auf der Straße sein

Christian Bauer vom PSI bringt es auf den Punkt: „Für wirksamen Klimaschutz brauchen wir E-Autos. In der Wissenschaft ist diese Antwort schon länger klar. Es ist aber nicht gelungen, die Erkenntnis auch in der Öffentlichkeit ausreichend zu kommunizieren. Dadurch gibt es immer wieder Diskussionsbeiträge, die weitgehend frei sind von Sachkenntnis. Um es klar zu sagen: Wenn Europa 2050 klimaneutral sein will, dann darf zu diesem Zeitpunkt kein Verbrennungsmotor mehr auf der Straße sein – zumindest bei Personenwagen. Gleichzeitig müssen wir den Stromsektor von fossilen Energieträgern befreien.“

Dass mit Benzinern und Dieselfahrzeugen CO2-Emissionen nie ganz vermieden werden können, kann wohl jeder verstehen. E-Autos haben das Potenzial, klimaschädliche Emissionen drastisch zu senken. Bereits heute haben sie in fast allen europäischen Ländern einen klaren Klimavorteil gegenüber Verbrennern. Das liegt am zunehmenden Anteil Erneuerbarer Energien am Strommix, mit denen die Autos geladen werden.

Batterieantrieb nicht gegen Wasserstoff ausspielen

Batterie- und Wasserstoffautos sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Je nach Nutzungszweck sei das eine oder andere sinnvoller, erklärt Bauer und fügt hinzu: „Ein großer Vorteil der Batterieautos besteht darin, dass sie den Strom im Betrieb effizienter nutzen – etwa um den Faktor 2,5.“ Das sei wichtig, denn erneuerbarer Strom ist knapp. Auch über den Lebenszyklus, einschließlich Herstellung, brauchten Batteriefahrzeuge weniger Energie als Wasserstoffautos. Wo es die Nutzung zulässt, sollten Autos deshalb batterieelektrisch fahren. Die Vorteile des Wasserstoffs, schnelles Tanken und hohe Reichweite, kämen besonders im Lkw-Verkehr zum Tragen, wo lange Distanzen mit hoher Beladung zurückgelegt werden.

Die Politik sei vor allem in zwei Handlungsfeldern gefragt: dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Bepreisung von CO2-Emissionen. Schädlich sei die große Unsicherheit, wie sich die Preise mittelfristig entwickeln werden. Dadurch würden Investitionen verzögert. An dieser Stelle sollte dringend nachgebessert werden, am besten mit einer sektorübergreifenden europäischen Lösung.

Die Erkenntnisse zu ausgewählten Handlungsfeldern wurden in Kurzdossiers veröffentlicht. pf


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Rainer Edler 20.08.2020, 15:27:05

Wenn wir nichts gegen das Abholzen von Regenwald machen, hilft die E Mobilität auch nicht.

Gregor Gast 10.11.2020, 22:17:02

Aus meiner Sicht hat die Bewertung einen grundsätzlichen Fehler. Es wird davon ausgegangen, dass der Strommix unabhängig ist vom Strombedarf ist. Dem ist aber nicht so. Wenn der Strombedarf durch die E-Autos steigt, müssen die Kraftwerke prozentual mehr fossile Energieträger für die Stromerzeugung einsetzen.

Anders ausgedrückt, wenn der Stromverbrauch sinkt, steigt der Anteil der regenerativen Energiequellen. Der zusätzliche Strom, der für die E-Autos gebraucht wird, muss also mit Kohle oder Erdgas erzeugt werden. Was wirklich eingesetzt wird, wissen die Kraftwerksbetreiber. Die Rechnung bzgl. der CO2-Reduktion sieht dann ganz anders aus.

Was bleibt ist die bessere Luft in unseren Städten.

Mike M 08.02.2021, 22:53:40

In einigen Dingen mag Herr Bauer ja recht haben. Aber wie alle elektrifizierten Experten, Politiker und die unter Druck gesetzten Hersteller verschweigt er gekonnt die zahlreichen Nachteile der Elektromobilität. Und die überwiegen, teilweise sogar schwer.

 

So ist es ein Fakt, dass bei der Produktion der Batterien ein Vielfaches der Energie benötigt wird, die für die Produktion eines herkömmlichen Verbrenners aufgewendet wird. Entsprechend wird wesentlich mehr CO2 freigesetzt. Die Klimabilanz eines mit CO2 neutralen Treibstoffen betriebenen Verbrenners ist daher der eines Elektroauto weit überlegen. Aber der o.g. Personenkreis beruft sich, wenn überhaupt darüber geredet wird, stets darauf, dass synthetische Treibstoffe zu teuer wären. Nachvollziehbar, bei der aktuell geringen Nachfrage. Doch das ist auch bei der Elektromobilität der Fall. Und bis 2050 100 Mrd in Deutschland allein in die Ladeinfrastruktur zu investieren ist ja ach so günstig im Vergleich. Die Subventionen nicht eingerechnet. Für Syn Fuels hingegen müssten weder gut erhaltene Autos verschrottet und noch eine neue Infrastruktur aufgebaut werden. Und im Gegensatz zu Batterien sind sie für alle Fortbewegungsmittel geeignet, von LKWs über Flugzeuge bis hin zu Schiffen.

 

Was der o.g. Personenkreis ebenfalls nur zu gerne verschweigt sind die katastrophalen Bedingungen, unter welchen Lithium, Kobalt, Platin & Co gefördert werden. Und welche gravierenden, irreperablen Schäden Mensch, Natur und Umwelt zugefügt werden. Damit ist Elektromobilität alles andere als nachhaltig. Dasselbe gilt zwar auch für Öl. Aber das ist kein Argument Batterien vorzuziehen. Auch hier, klarer Vorteil Syn Fuels. Dass diese nicht gefördert werden zeigt, dass es kein bisschen um "echten" Umweltschutz geht.

 

Ausserdem, wer will ein Auto, mit permanentem Kapazitätsverlust? Bis zu 30% im Winter. 0.5% pro Tag bei Nichtbenutzung. Dazu 6% Netzverlust in Europa. Und laut ADAC müssen bis zu 110% geladen werden um 90% abrufen zu können. Super!


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