TOP-THEMA
Europawahl




CO2-freie TreibstoffeSchifffahrtsbranche will sich grünen Anstrich geben

Frachtschiff an einem Hafen. Im Hintergrund sind zwei Windräder zu sehen.
Riesige Frachtschiffe angetrieben von einem Motor, dessen Strom aus Windkraft stammt? Dafür ist noch viel Forschung nötig. (Foto: Alf van Beem / WikiCommons, CCO Public Domain)

Fünf Milliarden Dollar in zehn Jahren plant die globale Schifffahrtsbranche in alternative Treibstoffe zu investieren. Das Ziel: die CO2-Emissionen der Branche bis 2050 zu halbieren. Ab 2030 sollen riesige Lastschiffe ohne Emissionen unterwegs sein.

02.01.2020 – Ohne die Schifffahrt geht es im bestehenden globalen Handelssystem nicht. Etwa 90 Prozent aller Waren werden per Schiff transportiert, wie der Verband deutscher Reeder (VDR) im Rahmen einer Ankündigung deutlich macht. Darin kündigt der VDR an, dass die globale Schifffahrtsindustrie einen weltweiten Forschungs- und Entwicklungsfonds aufbauen will, der die Mittel von fünf Milliarden Dollar in den kommenden 10 Jahren bereitstellt. Die Initiative setzt sich laut Spiegel aus dem internationalen Schifffahrtsverband ICS, dessen Mitglied der VDR ist, sowie den größten internationalen Reedern zusammen, die mehr als 90 Prozent der kommerziellen Schifffahrt vertreten.

Das Geld soll in Forschung und Entwicklung alternativer Treibstoffe fließen. Denn die Schifffahrtsindustrie zeichnet sich für etwa zwei Prozent aller globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Mit dem Geld will die Schifffahrtbranche bis 2050 ihre CO2-Emissionen um die Hälfte, im Vergleich zu 2008 reduzieren. Bereits 2030 soll die Entwicklung soweit sein, kommerziell nutzbare Schiffe ohne Treibhausgas-Emissionen anzutreiben.

Dabei liegt es in der Verantwortung der International Maritime Organization (IMO) der Vereinten Nationen die Reduzierung der Emissionen zu regulieren, da diese nicht einzelnen Staaten zugerechnet werden können. Alfred Hartmann, Präsident des VDR, sieht den Fonds als Angebot an die Vereinten Nationen. „Wir wollen als Industrie die Klimaziele der IMO erreichen oder wo möglich sogar übertreffen. Dafür brauchen wir jedoch eine technologische Revolution. Diese wollen wir mit unserem Beitrag beschleunigen“, so Hartmann.

Die Entwicklung alternativer Antriebe steht noch an ihrem Anfang

Und die Investitionen scheinen dringend nötig. Denn noch steckt die Entwicklung emissionsfreier Antriebe für die riesigen Frachtschiffe in ihren Kinderschuhen. Aktuelle Elektromotoren vermögen es zwar Pkws und kleinere Schiffe anzutreiben, für die tonnenschweren Lastschiffe reicht die Kraft noch nicht. Bislang werden für große Schiffe daher vorrangig hybride Lösungen erprobt. So entwickelte die Firma Siemens bereits eine Antriebstechnik mit einem Abwärmesystem, dass die heißen Abgase des Motors recycelt und daraus neue Energie gewinnt, die wieder in den Motor eingespeist wird. Immerhin zehn Prozent Treibstoff wird dadurch eingespart.

Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld für die Schifffahrtsbranche ist grüner Wasserstoff. Die am meisten verbreitete Herstellung von Wasserstoff ist die Elektrolyse, bei der Wasser (H2O) unter Einsatz von Strom in die Bestandteile Sauerstoff (O2) und Wasserstoff (H2) zerlegt wird. Wichtig für „grünen“ Wasserstoff ist, dass der Strom ausschließlich aus regenerativen Energieträgern stammt. Namhafte deutsche Schiffsbauer und Forschungseinrichtungen experimentieren bereits mit diesem System. Die Energie reicht bislang aber nicht für den Antrieb, sondern nur für die alternative Stromgewinnung an Bord und ist im Vergleich zum herkömmlichen Schweröl etwa 100 Mal teurer.

Auch Bio-Treibstoff aus Algen könnte eine Lösung sein. Im Gegensatz zu herkömmlichen Bio-Treibstoff entsteht bei Algen keine Nutzungskonkurrenz zu Nahrungsmitteln. Forscher stellten bereits einen 70 Prozent höheren Ertrag pro Anbaufläche fest. Die optimale Algenart zur Serienproduktion von entsprechendem Bio-Treibstoff wurde jedoch noch nicht entdeckt. Die Milliardeninvestitionen müssen also gut angelegt werden, um die Vision kommerziell nutzbarer Schiffe ohne Treibhausgas-Emissionen ab 2030 zu ermöglichen. mf