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VerkehrswendeStraßenverkehr braucht strengere Vorschriften

Blick auf den Straßenverkehr aus einem Auto bei Regen.
Bisher ist es nicht gelungen, die Treibhausgase aus dem Verkehr einzudämmen. (Foto: Holger Schué / Pixabay)

Die Vorgaben für weniger Emissionen im Verkehr sind nicht streng genug. Doch nicht nur das. Weltweit hat die Politik wenig wirksame Instrumente zur Reduzierung der Treibhausgase. Ein CO2-Preis kann helfen, die Verkehrswende aber nicht in Gang setzen.

31.08.2020 – Weltweit nehmen die Emissionen im Verkehr zu, obwohl viele Länder bereits Maßnahmen zur Minderung beschlossen haben. Die Vorgaben sind nicht streng genug, folgert ein Forscherteam aus Kanada und Deutschland. Tatsächliche Emissionsminderung braucht schärfere Vorschriften und einen vielschichtigen Instrumentenmix. Dazu gehören Standards für kohlenstoffarme Treibstoffe, Förderung von Null-Emissions-Fahrzeugen, und verschärfte Emissionsstandards für konventionelle Fahrzeuge. 

Die Forscher um Jonn Axsen haben für ihren im Fachmagazin Nature veröffentlichten Diskussionsbeitrag andere Studien analysiert, bereits beschlossene Maßnahmen in Kalifornien, Kanada und Europa untersucht und zukünftige Effekte berechnet.

Um wirksame Emissionsminderungen zu erreichen, reicht nach Meinung der Forscher ein politischer Hebel allein nicht aus. Vielmehr sei eine Kombination aus Preisbildungsmechanismen, Subventionen, Vorschriften und Infrastrukturmaßnahmen notwendig. Das ist die Kernaussage des Artikels. Die Analyse zeige, dass einem CO2-Preis für die Verkehrswende durchaus eine unterstützende Rolle zukomme, der Preis allein könne jedoch eine Verkehrswende nicht in Gang setzen.

Grenzwerte verschärfen, Subventionen abschaffen, Klima-Maut einführen

Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin für Energie, Verkehr und Umwelt am DIW, sagt: „Die solide Studie fasst den Forschungsstand sehr gut zusammen. Dabei nutzt sie unterschiedliche Kriterien zur Bewertung, die neben der Effektivität und der Kosteneffizienz ebenso die politische Durchsetzbarkeit zur Transformation berücksichtigt. Gerade letztere sind in der Vergangenheit die wesentlichen Gründe für die unzureichende Zielerfüllung im Verkehrssektor.“ Kemfert fordert die Verschärfung der Emissionsgrenzwerte auf EU-Ebene, die Abschaffung umweltschädlicher Subventionen und eine CO2-Steuer und Klima-Maut sowie eine Elektroautoquote für neu zugelassene Fahrzeuge.

Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) kommentiert: „Es gibt für die überfällige Verkehrswende nicht einen einzigen Hebel, da ist den Autoren des vorliegenden Beitrags zuzustimmen. Es muss immer einen Mix an regulatorischen und preislichen Instrumenten geben, ambitionierte Standards und Grenzwerte sowie ein steigender CO2-Preis sind dabei unverzichtbar. Dabei kann und muss die Europäische Union Vorreiter sein.“

Weert findet den Vorschlag die Bepreisung für das Benutzen und Abstellen von Autos in den Städten besonders charmant. So könnten nicht nur die volkswirtschaftlichen Kosten der Autonutzung verursachergerecht zugeordnet werden. Eine City-Maut ließe sich zudem belastungsabhängig differenzieren. Allerdings müsste an ihrer Ausgestaltung die Bürgerschaft umfänglich und von Anfang an beteiligt sein.

Die Aufgabe ist groß: Klimaneutraler Verkehr

Der Transportsektor verursacht fast ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen. 72 Prozent davon stammen aus dem Straßenverkehr. Der Trend zeigt seit Jahren nach oben, obwohl es bereits vielfache Anstrengungen und alternative Antriebe gibt. In den meisten Industrieländern dominieren private, mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeuge die Straße. Die Szenarien der IEA gehen davon aus, dass die Verkehrsemissionen weiter steigen werden, selbst wenn die derzeit angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden.

Dem Transportsektor steht ein tiefgreifender Wandel bevor. Bis 2030 sollen 30 bis 40 Prozent weniger Emissionen erreicht werden, 60 bis 80 Prozent bis 2050. Und ja, das Ziel der Nettonullemission gilt auch für den Verkehr. pf


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Kommentare

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Uwe Bosse 01.09.2020, 08:10:16

Regionaler Handel, um die Transporte zu reduzieren, wird sich bei Großgeraeten wie Autos, Maschinen und Kühlschraenken nicht durchsetzen lassen. Im Lebensmittel-Sektor müssten die Hersteller ihre Preisgestaltung der jeweiligen Region anpassen. Man kann die Menschen nicht dazu zwingen, den teuren Kaese zu kaufen, wenn der Kaese aus 200 km Entfernung preisgünstiger ist. Aber die Lkw mit Biogas zu fahren statt mit Diesel, bringt schon einen ökologischen Fortschritt. Elektrisch lohnt sich noch nicht, weil dann die Zapfsaeulen-Suche hinzukaeme.


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