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Dänemark: Ölpest nach Jahrzehnten erkannt

1985 entdeckte Shell in seiner Ölraffinerie am dänischen Kleinen Belt mehrere jahrelang leckende Tanks. Doch das konstruierte Auffangbecken war undicht – bis heute. Strand und Grundwasser sind massiv verseucht, Shell zieht sich aus der Affäre.

13.12.2014 – Jahrzehntelang verpestete Erdöl die dänische Küste, doch erst jetzt wurde die massive Umweltverschmutzung öffentlich. Im Mittelpunkt stehen dabei alte Tanks der Shell-Ölraffinerie in Fredericia, einer Stadt mit 40.000 Einwohnern am Kleinen Belt. In den 1970er und 1980er Jahren begannen die Tanks zu lecken, es traten unbemerkt vor allem große Mengen Diesel und Kerosin aus und vergifteten Böden und Grundwasser.

1985 wurden die korrodierten und undichten Stellen bemerkt, der Betreiber Shell konstruierte ein Auffangbecken. Man ging damals von 560.000 Litern ausgelaufenem Öl aus. 2011 wurde festgestellt, dass auch die Auffangbecken nicht funktionierten und weiterhin Öl auslief –  offenbar bis heute. Jüngste Untersuchungen liefern nun erschreckende Werte: Der Ölgehalt im Grundwasser unter dem Strand ist 9.000 Mal höher als der zulässige Grenzwert. Die Behörden sperrten den Strand Østerstrand in Fredericia auf Jütland.

Shell will und muss nicht zahlen

Im dänischen Fernsehen DR zeigte sich der Bodenexperte und Ingenieur Thomas Stehen Petersen erschüttert. Unter dem Strand habe sich eine sehr starke Ölpest ausgebreitet, auch in den Kleinen Belt sei Öl gesickert. „Wir müssen annehmen, dass das seit zwei oder drei Jahrzehnten so ging. Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen.“

Offenbar hat die dänische Regierung aber keine Handhabe, den Ölkonzern Shell für die Ölpest zur Verantwortung zu ziehen. Zwar will Shell nun noch einen Versuch unternehmen, das Leck zu schließen, aber mehr wohl nicht. Shell-Sprecherin Regitze Reeh betonte gegenüber DR, dass der Konzern seinen rechtlichen Verpflichtungen nachkommen werde. „Einige der Tanks sind fast einhundert Jahre alt“, sagte sie. „Die Umweltvorschriften waren in den 70ern und 80ern anders.“ Nach den damaligen Umweltgesetzen kann Shell nun nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Wenn Shell nicht für die Ölpest zahlt, bleiben wohl die dänischen Steuerzahler auf dem finanziellen Schaden sitzen. Und der könnte laut Schätzungen zwischen 50 und 100 Millionen dänischen Kronen betragen, umgerechnet 6,7 bis 13,4 Millionen Euro. cw

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