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Weltweiter AKW-Zubau ist rückläufig

Das amerikanische Atomkraftwerk Watts Bar wurde erst nach über 44 Jahren Bauzeit abgeschlossen. Weltweit scheint der AKW-Zubau leicht rückläufig zu sein. (Foto: © Tennessee Valley Authority, flickr.com/photos/tennesseevalleyauthority/4477657728, CC BY
Das amerikanische Atomkraftwerk Watts Bar wurde erst nach über 44 Jahren Bauzeit abgeschlossen. Weltweit scheint der AKW-Zubau leicht rückläufig zu sein. (Foto: © Tennessee Valley Authority, flickr.com/photos/tennesseevalleyauthority/4477657728, CC BY 2.0)

Obwohl im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits fünf Atomkraftwerke weltweit ihren Betrieb aufgenommen haben, wurde immerhin noch nicht mit dem Bau neuer Kraftwerke begonnen. Verglichen mit den letzten Jahren ist das schon ein kleiner Fortschritt.

11.07.2016 – Angesichts der weltweiten Entwicklung der Kernenergie in den letzten Jahren sind es schon kleine Fortschritte, die einen vorsichtig optimistisch stimmen. Seit der Jahrtausendwende hat nicht nur die Zahl der insgesamt betriebenen AKWs zugenommen, jährlich wurde zudem mit dem Bau neuer Kraftwerke gestartet. Doch in der ersten Jahreshälfte von 2016 sieht es erstaunlicherweise anders aus. Die International Atomic Energy Agency (IAEA) hat weltweit noch keinen einzigen Baubeginn verzeichnen können. Damit scheint der AKW-Zubau leicht rückläufig zu sein.

Trotzdem nahmen in diesem Jahr bereits fünf AKWs ihren Betrieb auf. Drei davon in China und jeweils eins in den USA und Südkorea. Bei dem Kernkraftwerk Watts Bar-2 in Tennessee (USA) herrschte für viele Jahre aus unterschiedlichen Gründen Baustopp. Bereits Ende 1972 wurde das Projekt gestartet, dann zwischenzeitlich gestoppt und stillgelegt und schließlich im Jahr 2007 wieder aufgenommen. Nachdem der Reaktor 2 im Juni 2016 für zwei Tage hochgefahren wurde, gab es technische Probleme und es kam zu einer automatischen Abschaltung. Seitdem hat Watts Bar-2 keinen Strom mehr produziert. Der französische Atomkonzern Areva wurde jüngst zerschlagen und laufende AKW-Bauprojekte stehen nun auf der Kippe.

Fraglich bleibt, wieso heutzutage überhaupt noch derartig viele Kernkraftwerke an das Stromnetz angeschlossen werden. Spätestens mit der Reaktorkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 wurde das Restrisiko von Kernkraftwerken erneut weltweit thematisiert. Trotzdem begannen viele Länder in den Jahren danach mit dem Bau weiterer AKWs. Wie aufwendig die Suche nach einem geeigneten Endlager für den hochgiftigen Atommüll ist, zeigte zuletzt der Abschlussbericht der Endlagerkommission in Deutschland. Ob die radioaktiven Abfallstoffe überhaupt jemals adäquat gelagert werden können, bleibt fragwürdig.

Seit der Jahrtausendwende schreitet die Entwicklung der Erneuerbaren Energien nicht nur in Deutschland viel schneller voran als vermutet. Neue PV- und Windkraftanlagen können Strom inzwischen sogar günstiger als neue Atomkraftwerke produzieren. Dabei werden externe Kosten, wie etwa die Folgekosten der Atomenergie, noch nicht einmal mit berücksichtigt.

In Deutschland sollen Ende 2022 die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet werden. Bis dahin fällt weiter in großen Mengen Atommüll an, der unsere Gesellschaft noch über einen extrem langen Zeitraum beschäftigen wird. Dennoch bauen Länder wie China die Atomenergie ungeachtet der Folgen sogar noch weiter aus. Ausreichende Mengen an Strom lassen sich durch die Erneuerbaren nicht nur günstiger und sauberer erzeugen, sondern auch deutlich risikoloser. Es bleibt nur zu hoffen, dass die IAEA in diesem Jahr auch weiterhin keinen einzigen AKW-Baubeginn verzeichnen wird. jk

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