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Abgas-Affäre: Doppelt Messen hält besser

Nun schaltet sich auch das Umweltbundesamt in den Diesel-Skandal ein. Mit eigenen Messungen unter realen Fahrbedingungen will es damit schmutzige Fahrzeuge aus deutschen Innenstädten fernhalten. (Foto: © Rderijcke, https://commons.wikimedia.org/wiki/Fil
Nun schaltet sich auch das Umweltbundesamt in den Diesel-Skandal ein. Mit eigenen Messungen unter realen Fahrbedingungen will es damit schmutzige Fahrzeuge aus deutschen Innenstädten fernhalten. (Foto: © Rderijcke, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Automobile_exhaust_gas.jpg, CC-BY-SA-3.0)

Nun schaltet sich auch das Umweltbundesamt in den Diesel-Skandal ein. Mit eigenen Messungen unter realen Fahrbedingungen will es schmutzige Fahrzeuge aus deutschen Innenstädten fernhalten und übt damit unter anderem auf die Autoindustrie Druck aus.

29.06.2016 – Die Abgas-Affäre ist nicht nur für die Autoindustrie ein leidiges Thema. Auch das Verkehrsministerium möchte so schnell wie möglich reinen Tisch machen und versuchte daher bereits vor einigen Wochen auf EU-Ebene einen Straferlass für die Automobilhersteller durchzusetzen. Das Vorhaben wurde allerdings abgeschmettert – die Manipulation von Abgaswerten lässt sich nicht so leicht unter den Teppich kehren. Daher will das Umweltbundesamt (UBA) nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung nun selbst aktiv werden und die Diesel-Fahrzeuge auf eigene Faust überprüfen. Neben dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) würde es damit noch eine zweite Kontrollstelle geben. Dies könnte nicht nur den Druck auf die Hersteller erhöhen, sondern ebenfalls auf das zuständige Bundesverkehrsministerium sowie das KBA.

Das UBA setzt sich damit für einen Technologiewechsel weg vom Dieselkraftstoff ein – entgegen den Vorstellungen des Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU). Die unter Realbedingungen durchgeführten Messungen sollen dabei von privaten Firmen durchgeführt werden, die neue Fahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 6 überprüfen. Damit soll die klaffende Lücke zwischen den im Labor und auf der Straße gemessenen Ergebnissen geschlossen werden. Bisher ist allerdings noch nicht bekannt, wann die Behörde tatsächlich mit der Ausschreibung des neuen Messprogramms beginnt.

Jedes zweite Diesel-Fahrzeug fällt durch

Die Zahl der vom Abgasskandal betroffenen Pkw ist deutlich höher, als zunächst vermutet wurde. Längst sind es nicht mehr nur VW-Modelle, sondern insgesamt schon mindestens 4,5 Millionen vermeintlich umweltschonende Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller. Das entspricht ungefähr jedem zweiten in Deutschland zugelassenen Diesel-Pkw mit einer grünen Umweltplakette. Teilweise stoßen diese doppelt so viele Stickoxide aus, wie vom Hersteller angegeben. Untersuchungen des KBA ergaben sogar, dass einige das Fünf- bis Zehnfache an Schadstoffen ausstoßen.

Das Verkehrsministerium sieht in den Grenzüberschreitungen jedoch keinen Verstoß gegen geltendes deutsches Recht, da die Straßentests den Zulassungen schließlich nicht zugrunde liegen. Dass die Labortests nicht den realen Bedingungen entsprechen, unter denen die Fahrzeuge genutzt werden, scheint dabei nicht zu stören. Zumindest das Umweltministerium fordert nun eine sektorübergreifende nationale Stickstoffstrategie. Diese könnte nicht nur an die Landwirtschaft gerichtet werden, sondern auch an den Verkehrs- sowie Energieerzeugungssektor. Die Stickstoffemissionen sollen dadurch mittel- bis langfristig auf ein umweltverträgliches Maß reduziert werden.

Niedrige Mineralölsteuer auf Diesel forciert Problematik

Die Dieselfahrzeuge verursachen in Deutschland laut dem Umweltbundesamt jährlich Schäden an Umwelt und Gesundheit in Höhe von 33 Milliarden Euro. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger fordert daher, dass die Besteuerung an den Zapfsäulen von derzeit 18,4 Cent pro Liter erhöht werden müsse. „Die niedrigere Mineralölsteuer auf Diesel führt dazu, dass die Menschen in vielen Städten unter den Dieselabgasen der Autos leiden“, kommentiert Krautzberger ihren Vorstoß gegenüber dem NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. jk

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