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UN-Nachhaltigkeitsziele: Deutschland auf Platz 6

17 Nachhaltigkeitsziele bis 2030 wollen die Vereinten Nationen Ende des Monats verabschieden, sie sollen die Millennium-Entwicklungsziele ablösen. Eine neue Studie hat schon einmal nachgerechnet: Auch Deutschland hat noch viel Arbeit vor sich.

14.09.2015 – Insgesamt landete die Bundesrepublik bei der Studie der Bertelsmann-Stiftung auf Platz sechs. Für die Auswertung wurden alle 34 OECD-Staaten im Hinblick auf die 17 Nachhaltigkeitsziele bewertet und dafür insgesamt 34 Indikatoren gebildet. Platz sechs von 34 klingt erst einmal nicht schlecht, zumal mal wieder die skandinavischen Länder Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und auch die Schweiz vor Deutschland liegen. Doch wichtige Ziele, insbesondere der Verbrauch von Ressourcen, nachhaltiger Konsum und Produktion, erreichte kein einziges Industrieland.

Deutschland schneidet besonders bei der wirtschaftlichen Entwicklung, der Arbeitslosigkeit, Forschung und Entwicklung, bei der inneren Sicherheit und erstaunlicher Weise bei der Zahl der Armen gut ab. Gerade die wachsende Anzahl der armen Menschen oder derjenigen, die von Armut bedroht sind, nimmt nach OECD-Statistiken hierzulande stärker als im Durchschnitt zu. Die Schere zwischen arm und reich wächst, was die Bertelsmann-Studie offenbar nicht berücksichtigt.

Beim Umweltschutz liegt Deutschland nur in der Kategorie der ausgewiesenen Naturschutzgebiete im vorderen Drittel. Ansonsten weist die Bundesrepublik starke Defizite auf, z.B. bei der Müllentstehung. So produziert jeder Deutsche im Durchschnitt 614 Kilogramm Müll pro Jahr, der Durchschnitt aller Industrieländer liegt dagegen bei nur 483 Kilogramm. Gleichzeitig ist das Artensterben in Deutschland deutlich drastischer auszumachen als in den meisten anderen OECD-Staaten, weshalb Deutschland auf Rang 29 von 34 liegt.

Deutschland hat massive Umweltprobleme in der Landwirtschaft

Das größte Problem im Umweltbereich, das womöglich mit dem großen Artensterben in Zusammenhang steht, stellt der Studie zufolge die deutsche Landwirtschaft dar. Böden, Luft und Gewässer sind stark belastet und durch Stickstoff und Phosphor gefährdet, die Experten haben einen Überschuss von 94 Kilogramm pro Hektar Agrarfläche errechnet. Auch die hohe Ausbeutung der heimischen Wasserressourcen und die starke Feinstaubbelastung sind große Probleme. Beim Thema Feinstaub liegt Deutschland nur auf Platz 27.

„Wenn man die neuen Nachhaltigkeitsziele der UN als Maßstab nimmt, sind alle Länder jetzt Entwicklungsländer“, kommentierte Christian Kroll, Studienleiter der Bertelsmann Stiftung die ernüchternden Ergebnisse. Im Vergleich zu den Millennium-Entwicklungszielen, die die Lebenssituation in Schwellen- und Entwicklungsländern verbessern sollten, sind die UN-Nachhaltigkeitsziele auch und gerade für Industriestaaten gedacht. Ende des Monats werden die Staats- und Regierungschefs auf dem UN-Sondergipfel in New York die Ziele bis 2030 beschließen. cw

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