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AtomlobbyDeutschlands nukleare Verflechtung mit Russland

Atomkraft, nein danke!
Die deutsch Atomlobby ist dicht verzahnt mit der russischen Atomgesellschaft Rosatom – und damit mit Putin. Atomkraft, nein danke! (Bild: Julia Broich)

Die deutsche Atomlobby nutzt die Gaskrise, um für längere AKW-Laufzeiten zu werben. Dabei verdient Russland an Geschäften im europäischen Atomsektor stets mit. Green Planet Energy fordert eine Offenlegung der Abhängigkeiten – und deren Entflechtung.

28.09.2022 – Der größte deutsche Atomlobbyverein Kerntechnik Deutschland (KernD) fordert längere AKW-Laufzeiten und mehr Atomstrom für Europa. Das ist im Grunde nicht neu. Doch in der Gaskrise nutzte der Lobbyverband zunehmend das Argument, Atomstrom schaffe Energieunabhängigkeit für Deutschland und befreie Europa aus den Fängen Putins. Dies ist schon faktisch falsch, da die staatliche russische Energiegesellschaft Rosatom stark mit dem Atomkraftsektor in Europa verflochten ist.

Ganz spezifisch trifft dies aber eben auch auf die deutsche Atomlobby zu: KernDs Vorstandsvorsitzender ist Thomas Seipolt, Geschäftsführer der Nukem Technologies Engineering Services GmbH. Das Unternehmen ist unter anderem am Rückbau der deutschen Atomkraftwerke beteiligt – und eine Tochterfirma von Rosatom. Green Planet Energy hat die Verflechtungen analysiert und fordert, eine Debatte über das Ausmaß der Abhängigkeit der Atomwirtschaft und ihrer deutschen Lobby von Russland.

Russlandfreundliche Atomlobby

Nukem hat eine lange – und nicht skandalfreie Geschichte in der Atomwirtschaft. Die heutige Firma bündelt die Geschäftsbereiche Rückbau, Management von radioaktiven Abfällen und nukleare Ingenieurtechnik. Im Jahr 2009 übernahm der russische Kraftwerksbauer Atomstroyexport das deutsche Unternehmen. Russland hatte erst zwei Jahre zuvor alle nuklearen Aktivitäten in der Staatsgesellschaft Rosatom gebündelt und so unter direkte staatliche Kontrolle gebracht.

„Hier gibt es glasklare Interessen Russlands in der deutschen Atomdebatte, nämlich unsere Abhängigkeit fortzusetzen“, kritisiert Stefan Wenzel von Bündnis 90/Die Grünen, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klima. „Weil die EU in diesem Bereich auf absehbarer Zeit besonders verwundbar bleibt, hat sie die russische Nuklearindustrie bislang nicht mit EU-Sanktionen belegt.“

Green Planet Energy zeigt auf, wie Nukem Technologies Russland Zugang zum europäischen Atommarkt eröffnete. Russland sicherte sich so die technische Expertise für den Rückbau von Atomkraftwerken – und verdient selbst am deutschen Atomausstieg mit.

Verstrahlte Geschäfte

Nach eigenen Angaben hat Rosatom einen Anteil von rund 35 Prozent am Weltmarkt im Bereich der Urananreicherung, gehört zu den führenden Förderern von Uran und hält erhebliche Uranvorräte. Etwa ein Viertel des von der EU importierten angereicherten Urans stammt aus Russland – ebenso ein großer Anteil der Brennstäbe für Atomkraftwerke. Viele AKW in Europa sind zudem russischer Bauart und haben langfristige Verträge mit zu Rosatom gehörenden Konzernen. Auch westeuropäische AKW setzten in der Vergangenheit bereits immer häufiger auf russische Atomtechnik – und sind heute auf sie angewiesen.

Die europäische Nuklearindustrie ist hochgradig abhängig von Russland. Diese Abhängigkeit muss – ebenso wie die Verflechtungen der deutschen Atomlobby mit Russland – endlich öffentlich diskutiert werden, fordert auch Claudia Kemfert, Energieökonomin und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gemeinsam mit Green Planet Energy-Vorstand Sönke Tangermann. jb


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Kommentare

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phoenix1 29.09.2022, 14:17:58

Der Autor des Artikels hat scheinbar nicht verstanden, dass ein Land mit Bedarf an bestimmten Energieträgern oder an bestimmten anderen Rohstoffen immer abhängig von demjenigen ist, der in der Lage ist, diese Sachen bedarfsgerecht zu liefern. Oder dieses Land verzichtet auf jeglichen Wohlstand, in dem es keine Energie und keine Rohstoffe mehr verbraucht. Der Autor des Artikels könnte ja stattdessen mal die theoretischen und technischen Grundlagen dafür schaffen, jegliche Abhängigkeiten in der Rohstoffbasis zu beenden - da kommen vielleicht Erinnerungen an die Bemühungen der 1930er Jahre hoch.

Übrigens: nach Presseberichten kommt eine echte Abhängigkeit von Russland in dieser Frage, wie gelegentlich behauptet wird, für deutsche Kernkraftwerksbetreiber schon derzeit nicht in Frage. Vielmehr beziehen diese ihre Brennelemente wohl hauptsächlich von der französischen Framatome und der amerikanisch-schwedischen Westinghouse-Gruppe.

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/atomkraftwerke-weiterbetrieb-laufzeiten-brennstaebe-brennelemente-100.html#:~:text=Eine%20echte%20Abh%C3%A4ngigkeit%20von%20Russland,amerikanisch-schwedischen%20Westinghouse-Gruppe.

Jochen 02.10.2022, 15:39:12

+4 Gut

Der Kommentator hat wohl noch nicht mitbekommen, dass - auch wir in Deutschland - unsere Energie selbst erstellen könnten. Wind und Sonne ist genug da. Wir müssten sie nur nutzen. Es würden Arbeitsplätze entstehen und der Strom wäre so günstig wie noch nie, da Wind und Sonne kostenfrei zur Verfügung stehen. Alles hier in diesem Vortrag wissenschaftlich bewiesen. https://youtu.be/JUaAgFJgNgg

Juri Hertel 29.09.2022, 18:34:28

Der Filz ist hier noch deutlicher dargestellt:

 

https://www.energie-chronik.de/220402d1.htm


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