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BraunkohleabbauHeiße Tagebaue beschleunigen das Waldsterben

Förderbänder im Hambacher Tagebau in der Sonne. Im Hintergrund Wald.
Unter sengender Sonne heizen sich die offenen Flächen eines Braunkohletagebaus massiv auf und gefährden die angrenzenden Wälder, wie hier im Tagebau Hambach. (Foto: RWE Generation / flickr.com, CC BY-ND 2.0)

Ein Jahr nach der Räumung ist der Hambacher Wald noch immer bedroht. Denn der angrenzende Tagebau heizt sich massiv auf und trocknet das Biotop aus. Umweltschützer fordern deswegen, die RWE-Bagger zu stoppen – und das nicht nur im Hambacher Tagebau.

13.09.2019 – Daten einer satellitenbasierten Studie zeigten bereits im August große Temperaturunterschiede zwischen dem Hambacher Tagebau und angrenzenden Wäldern – vor allem dem Hambacher Wald. Bodenmessungen im Auftrag von Greenpeace bestätigen nun diese Ergebnisse und zeigen, wie groß die Temperaturunterschiede zwischen Kohlengrube und Zentrum des Hambacher Waldes sind.

Obwohl noch nicht einmal an den heißesten Tagen dieses Sommers gemessen wurde, betrugen die Temperaturen an Messstationen im entwaldeten Bereich zwischen Tagebau und Wald bis zu 36,4 Grad. Der kühlste Messpunkt im Hambacher Forst zu diesem Zeitraum lag dagegen bei 18 Grad. Die Satellitendaten zeigen indes, dass im Hitzesommer 2018 im inneren des Tagebaus Temperaturen von bis zu 45 Grad herrschten.

„Der Hambacher Wald ist akut bedroht“

Bastian Neuwirth, Klimaexperte von Greenpeace, warnt vor den Folgen der Hitze: „Der Hambacher Wald ist akut bedroht, weil der immer näher heranrückende Tagebau ihn aufheizt und ihn wie ein Riesenfön austrocknet.“ Und während das Zentrum des Hambacher Waldes durch sein dichtes Kronendach noch relativ gut geschützt ist, sind die Waldränder bereits akut von Trockenheit bedroht. Und nicht nur dort, auch die Zerschneidung des Waldes durch Wege, Straßen und die ehemalige Autobahn A4 sorgt in diesen Bereichen für eine Temperaturerhöhung, die auch tiefere Bereiche des Waldes bereits jetzt gefährden.

Dabei steht eine weitere Zerstörung des Hambacher Waldes durch Rodungsmaßnahmen nicht mehr zur Debatte. Zumindest wenn man den Ausführungen von Ministerpräsident Armin Laschet folgt, der auf einer Zukunftskonferenz der CDU-Bezirke in NRW verkündete, dass die von der Kohlekommission erarbeiteten Empfehlungen eins zu eins umgesetzt würden, wie die Aachener Nachrichten schreiben. Einer der Punkte sei der Fortbestand des Hambacher Waldes.

Doch die Messungen im Auftrag von Greenpeace zeigen: Selbst ohne weitere Rodungen, könnte der Hambacher Tagebau den angrenzenden Wald so unter Hitzestress setzen, dass dieser abstirbt. „Um den Wald zu retten, muss Ministerpräsident Laschet umgehend einschreiten und die RWE-Bagger stoppen – jeder Meter zählt“, so Neuwirth.

Auch ein Wald am Tagebau Garzweiler leidet bereits massiv unter Hitzestress

Und nicht nur der Hambacher Wald ist durch Braunkohleabbau des Energiekonzerns RWE bedroht, auch in unmittelbarer Nähe des Tagebaus Garzweiler leidet ein Wald Nahe dem Ort Keyenberg bereits massiv unter Hitzestress, den die Kohlegrube verursacht. Deutlich macht das David Dresen vom Bündnis Alle Dörfer Bleiben auf einer Pressekonferenz, ein Jahr nach den Räumungen im Hambacher Wald. Auch er appelliert an Armin Laschet, indem er den Ministerpräsidenten zitiert: „Jeder Hektar Wald, der verschwindet, verschärft das Problem“, sagte Laschet in einem Interview und meinte damit die Klimakrise.

Doch im gleichen Zuge, wie Laschet den Fortbestand des Hambacher Waldes predigt, macht er den Menschen im Umfeld des Tagebaus Garzweiler wenig Hoffnung. „Wenn man auf der einen Seite den Tagebau Hambach verkleinert, muss jedem klar sein, dass man die Dörfer, die im Zuge des Tagebaus Garzweiler wegfallen, nicht alle wird retten können“, so Laschet. Die Aussage zeigt: Mensch und Natur in Keyenberg und den umliegenden Orten sind akut gefährdet. Für Dresen ist indes klar, dass die Menschen ihr Zuhause nicht freiwillig verlassen werden. „Sollte die Landesregierung uns aus unseren Häusern räumen wollen, dann wird diese Räumung genauso scheitern, wie sie bereits im Hambacher Wald gescheitert ist“, sagt Dresen. mf