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Alarmierende WerteKreuzfahrtschiffe verpesten europäische Häfen

Riesiges Kreuzfahrtschiff legt an Hafen an. Im Vordergrund Menschen an einem Steg in Venedig.
Wie hier in Venedig legen bislang riesige Kreuzfahrtschiffe direkt in der Stadt an und verpesten mit ihren Abgasen die Luft. (Foto: pixabay, CC0 Public Domain)

47 Luxusschiffe stoßen zehn Mal mehr Schwefeldioxid aus, als 260 Millionen Autos auf europäischen Straßen. Das Gas macht Menschen krank, schädigt die Ökosysteme und trägt zur Feinstaubbelastung bei. Vor allem die Häfen beliebter Urlaubsziele leiden.

08.06.2019 – Die Carnival Corporation ist das größte Kreuzfahrtunternehmen der Welt. Berühmte Marken wie AIDA und Costa Cruises fahren unter dem Dach des Unternehmens. 2017 waren 47 Luxusschiffe der Carnival Corporation in europäischen Gewässern unterwegs und verursachten dabei mehr als 30 Millionen kg Schwefeldioxid. Das ist zehn Mal mehr Schwefeldioxid, als alle 260 Millionen Pkws in Europa ausstoßen. Insgesamt waren in dem Jahr 203 Kreuzfahrtschiffe in europäischen Gewässern unterwegs, die 62 Millionen kg Schwefeldioxid ausstießen. Dies geht aus Untersuchungen der Umweltschutzorganisation Transport & Environment hervor.

Laut Warnungen des Umweltbundesamtes reizt das farblose, aber stechend riechende Schwefeldioxid die Schleimhäute von Menschen und kann zu Augenreizungen und Atemwegsproblemen führen. Und auch auf die Natur hat das Gas Auswirkungen. Es schädigt Pflanzen und kann nach Ablagerung in Ökosysteme Versauerung von Böden und Gewässern bewirken. Zudem trägt Schwefeldioxid in der Atmosphäre, durch entstehende Sulfatpartikel, zur Feinstaubbelastung bei. Seit 2005 gelten europaweit Grenzwerte für Schwefeldioxid, die im Jahresmittel in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr überschritten werden.

Auch deutsche Häfen sind betroffen


Doch auch in Deutschland haben Städte immer wieder mit erhöhter Schwefeldioxid-Belastung zu kämpfen - vor allem in Hamburg. 2017 legten dort insgesamt 42 Luxusliner an, die insgesamt 3.539 Stunden ankerten und dabei 14.079 kg Schwefeldioxid ausstießen. Zum Vergleich: Alle 767.202 registrierten Pkws stießen im selben Zeitraum 9.351 kg des Gases aus. Weitere besonders betroffene Orte in Deutschland sind Warnemünde, Kiel und Bremerhaven.   

Im europäischen Vergleich jedoch kommt Deutschland noch relativ gut weg. Besonders schlimm trifft es hingegen den Mittelmeerraum, mit den bei Kreuzfahrtschiffen beliebten Zielen, wie Barcelona, Palma de Mallorca und Venedig. So wurde die gesamte spanische Küste mit 15 Millionen kg Schwefeldioxid von Luxusschiffen verpestet. Ein Ausstoß, 50 Mal höher als alle 23 Millionen spanischen Pkws zusammen.

Nicht nur das Schwefeldioxid ist ein Problem

Und dabei verpesten die Kreuzfahrtschiffe die Häfen Europas nicht nur mit Schwefeldioxid, auch Stickoxide, Feinstaub und Kohlendioxid werden ausgestoßen. So kommt die europäische Luxusschifffahrt 2017 auf 155 Millionen kg Stickoxide, 10 Millionen kg Feinstaub und über 10 Milliarden kg CO2. Das sind 10 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Zum Vergleich: der Durchschnittsdeutsche verbraucht ca. 9 Tonnen CO2 pro Jahr.

Und dies alles für das Urlaubsvergnügen von ein paar wenigen. Dabei leiden viele Häfen nicht nur unter der schlechten Luft durch die Luxusschiffe, auch das Leben in den Städten wird für die Bewohner immer unerträglicher. Beispiele aus beliebten Destinationen wie Venedig zeigen, dass über 100.000 einfallender Touristen aus Kreuzfahrtschiffen jeden Tag nicht der Stadt zugutekommen. Diese bleiben oft nur für wenige Stunden in der Stadt und essen meist an Bord.

Deswegen gelten sie als wenig rentable Gäste, die jedoch gleichzeitig Strukturen der Stadt in Mitleidenschaft ziehen und die Einwohner stören. Mehrere Bürgerinitiativen stellen sich bereits gegen diese Form des Massentourismus. Zumindest sollen künftig größere Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 55.000 Tonnen nicht mehr in das historische Zentrum Venedigs einfahren dürfen. Dafür wird aktuell ein Terminal am Festland gebaut. Doch auch dafür müssen sie weiterhin in die Lagune Venedigs einfahren. Umweltschützer fordern daher ein komplettes Einfahrverbot in die Umgebung Venedigs. mf