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AgrarwendeLandwirtschaft im Klimawandel: Böden müssen CO2-Speicher werden

Brauner Acker mit Traktor und daneben grüne Wiese, aus der Luft fotografiert
Konventionell bewirtschaftete Ackerflächen können  ihren Wasserhaushalt schlechter regulieren als natürliche Ökosysteme, in Folge ist es in Landwirtschaftsgebieten wiederum meist heißer und Wetterextreme wie Dürren nehmen zu. (Foto: Martina Nolte, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de, 2013-05-03 Fotoflug Leer Papenburg DSCF7260, CC BY-SA 3.0 DE)

Der Dürre-Sommer macht den Landwirten zu schaffen – und zugleich deutlich, dass sich etwas ändern muss. Durch eine alternative Bewirtschaftung und Landnutzung könnten Böden Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen und so zu einer CO2-Senke werden.

11.08.2018 – Der Dürre-Sommer hat die Landwirtschaft nun auch in Deutschland schwer getroffen, Ackerböden trocknen aus – lediglich die Winzer freuen sich auf einen Spitzenjahrgang, denn die Weintrauben mögen es sonnig und trocken und sind bereits reif. Eigentlich haben Böden ein immenses Potenzial im Kampf gegen die Klimakrise. Wie das genau aussieht, haben Experten untersucht und im Boden-Bulletin des WWF Deutschland dargestellt.

Landwirtschaft und Landnutzung müssten laut Studie so verändert werden, dass Böden Kohlenstoff aus der Atmosphäre wieder besser aufnehmen und so zu einer CO2-Senke werden können, also CO2 besser speichern. Organische Substanz im Boden besteht etwa zur Hälfte aus Kohlenstoff – Böden mit einem hohen Gehalt an organischer Substanz können mehr Nährstoffe und Wasser speichern und an Pflanzen abgeben als Böden mit weniger organischer Substanz, berichten auch Marion Schrumpf und Susan Trumbore vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie.

Aktuell werde dieses Potenzial nicht genutzt, mahnen die Autoren des WWF-Boden-Bulletins – ganz im Gegenteil sei in Deutschland die Landwirtschaft im engeren Sinne für mehr als sieben Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Der große Anteil sind dabei Emissionen aus der Massentierhaltung und auch aus der Bodenbewirtschaftung mit massiver Düngung.

Wandel in der Agrarpolitik dringend notwendig

Leider befeuere gerade auch die von der Dürre nun stark betroffene Landwirtschaft die Klimakrise, die solche Wetterextreme häufiger werden lässt, so Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. „Wir brauchen dringend einen umfassenden Wandel in der Agrarpolitik hin zu einer wirklich nachhaltigen Nutzung unserer CO2 künftig in den Böden zu halten statt es auszustoßenBöden, damit sie vom Heizkörper zum Schattenspender für unser Klima werden.“ Für die natürliche Bodenfruchtbarkeit sei insbesondere der Humusanteil entscheidend, der müsste deutlich erhöht werden – auch weil im Humus am meisten Kohlenstoff gebunden wird. Voraussetzung dafür wäre eine vielfältige Fruchtfolge, in der bspw. auch Hülsenfrüchte viel stärker als bisher Verwendung finden, da sie künstliche Stickstoffdünger ersetzen können, sowie eine reduzierte Bodenbearbeitung, um Humusverlust zu vermeiden, so die Studie.

Wasserhaushalt besser regulieren

Ein Problem der Zukunft ist die natürliche Bewässerung – wenn der Regen über Monate ausbleibt bei anhaltender Hitze. Ein Teufelskreislauf beginnt. Denn derzeit können Ackerflächen ihren Wasserhaushalt schlechter regulieren als natürliche Ökosysteme die sich selbst organisieren – in Folge ist es in Landwirtschaftsgebieten wiederum meist heißer und Wetterextreme wie Dürren nehmen zu. Eine möglichst naturnahe Landwirtschaft  mit strukturreichen Landschaftselementen und Wasserrückhaltestrukturen hätte daher einen zweifach positiven Effekt für den Klimaschutz: einmal direkt über die Aufnahme von CO2 und weiterer Treibhausgase, einmal indirekt über einen besseren Wasserhaushalt gegen extreme Trockenheit und Dürre, erläutern die Autoren des WWF-Boden-Bulletins.

Stickstoffdünger sind extrem klimaschädlich

In Deutschland verlieren wir pro Jahr aktuell zehn Tonnen an fruchtbarem Boden pro Hektar Ackerland„In Deutschland verlieren wir pro Jahr aktuell zehn Tonnen an fruchtbarem Boden pro Hektar Ackerland“, sagt Christoph Heinrich und mahnt dass es so nicht weitergehen könne, wenn wir das Klima schützen und das Überleben unserer Landwirtschaft sichern wollen. „Neben dem Humusanteil müssen wir den Düngereintrag in den Blick rücken“, so der WWF-Experte. „Es sollten weniger oder bestenfalls keine  synthetischen Stickstoffdünger mehr in die Böden gelangen.“ Denn Stickstoffdünger sind die mit Abstand wichtigste Ursache für über den Boden übertragbare und extrem klimaschädliche Distickstoffmonoxid-Emissionen. Einige Politiker und Umweltverbände fordern seit langem eine Änderung der Düngeverordnung. Erst vor kurzem hatte ein EU-Bericht zum wiederholten Male gewarnt, dass Deutschlands Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet sei – wegen übermäßiger Düngung in der konventionellen Landwirtschaft. Grenzüberschreitungen der Nitratwerte sind in Deutschland besonders in Gegenden zu beobachten, in denen intensive Landwirtschaft mit Massentierhaltung betrieben wird.

Ökologischen Landbau etablieren

Auch die Öko-Landwirtschaft ist von der Dürre betroffen, doch ihre Bewirtschaftung ist vielfältig und kann auf natürliche Strategien zurückgreifen. Die Ausweitung ökologischen Landbaus, die Rückgewinnung von Grünland und die Renaturierung nasser Böden wie Moore spielen eine essentielle Rolle um CO2 künftig in den Böden zu halten statt es auszustoßen  – und damit auch die Landwirtschaft selbst besser vor den Folgen der Klimakrise zu schützen, so ein Fazit des Boden-Bulletins. na


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Kommentare

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Ing.Friedel Hans 12.08.2018, 04:20:11

+181 Gut Antworten

Biodynamic agriculture and climate change , Introduction 2 with Vincent Masson

Exakte Messungen nach dem Einsatz der biologischdynamischen Spritzpräparate 500 und 501 in Feldversuchen beweisen die positiven Wirkungen:

Mehr Kohlenstoffeinlagerung im Boden ( aus dem CO2 der Luft ), mehr Wassergehalt im zunehmenden Humusanteil ( Humus im Boden hält Wasser nach Sturzregen zurück und steht den Pflanzen für Trockenperioden zur Verfügung ) , bessere Nahrungsqualität,besserer Geschmack, bessere Lagerfähigkeit der Produkte. Und Heileffekte an Pflanzen nach Hagelschlag, bessere Nachbauqualität, und vieles mehr...ein Erfolgsbericht von Vincent Masson!

https://www.youtube.com/watch?v=NBAU6e2yj6s


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