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Eine vom Autoskandal gezeichnete Tabelle

Jedes Jahr veröffentlicht der VCD eine Liste von Autos, die er zum Kauf empfehlen kann. (Foto: <a href="https://pixabay.com/de/autos-technik-vw-parkhaus-214033/" target="_blank">Bilderandi / pixabay.com</a>, CC0 Creative Commons)
Jedes Jahr veröffentlicht der VCD eine Liste von Autos, die er zum Kauf empfehlen kann. (Foto: Bilderandi / pixabay.com, CC0 Creative Commons)

Der Verkehrsclub Deutschland hat wieder seine Empfehlungen für den Autokauf veröffentlicht. Die ökologischen Kriterien des Verbands und eine Blockadehaltung bei fast allen Autofirmen haben dazu geführt, dass die Liste nur 34 Modelle umfasst. Keines davon fährt mit Diesel.

20.10.2017 – Intensiv Probe fahren, mit dem Kauf möglichst noch warten, den Alltag als Entscheidungsgrundlage nehmen, kein totes Pferd besteigen – und sich die Frage nach der Notwendigkeit eines eigenen Autos gewissenhaft stellen. Das sind einige der aktuellen Empfehlungen des Verkehrsclub Deutschland (VCD) für Menschen, die sich ein Auto kaufen wollen.

Der VCD setzt sich generell für ökologische Mobilität ein und hat dabei alle Verkehrsmittel im Blick. Mitglieder, die ein Auto haben, sind im Pannenfall genauso versichert wie beim ADAC, haben aber, je nach Wunsch, dieselbe Absicherung auch fürs Fahrrad. Genauso wichtig: Jedes Jahr veröffentlicht der VCD eine Liste von Autos, die er zum Kauf empfehlen kann. Seit letztem Jahr gibt es da allerdings eine Änderung: Während vorher immer eine Bestenliste veröffentlicht wurde (siehe 2015), wollte der Verband das 2016 aufgrund der bekannt gewordenen Manipulationen in der Autobranche nicht mehr machen. Für eine Rangfolge der besten Modelle fehlte eine „seriöse Datengrundlage“, schrieb der VCD damals schon.

Dieses Jahr ist es wieder so gekommen. Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, schreibt in seinem Text zur diesjährigen Autoliste: „Bei der Transparenz haben uns die Hersteller enttäuscht. Sie mauern mehr als je zuvor.“ Wie hoch der wirkliche Verbrauch und der wirkliche Ausstoß an Stickoxiden ist, kann nur für relativ wenige Modelle gesagt werden, denn unabhängige Messungen sind immer noch die Ausnahme. So ist es dieses Jahr eine Positivliste von 34 Modellen geworden, die ökologisch akzeptabel sind. Die grundlegenden Kriterien sind dabei: Diese Autos müssen auch in Jahren noch in städtische sogenannte Umweltzonen dürfen, sie müssen effizient sein und sie müssen vergleichsweise wenig Kohlendioxid ausstoßen oder (bei Elektroautos) verursachen. Die Tabelle listet nun je ein Dutzend kleine, sparsame Benziner und Elektroautos, sowie je ein halbes Dutzend Benzin-Hybride und Erdgasfahrzeuge. Genannt werden dazu neben Verbrauch und Kohlendioxidausstoß auch Informationen zu Karosserie und Fahrlärm.

Diesel als Auslaufmodell

Das eingangs erwähnte tote Pferd, das erst mal niemand besteigen sollte, ist laut VCD der Diesel. Zum einen sind dessen frühere Vorteile am Verschwinden: Verbrauch und Kohlendioxidausstoß sind (wegen der größeren Modelle) heute im Durchschnitt so hoch wie bei Benzinern. Zum anderen liegen laut VCD eben immer noch zu fast keinem Modell verlässliche Daten zum realen Verbrauch und zum Stickstoffausstoß vor. Der PSA-Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën teste zwar mittlerweile seine Autos gemeinsam mit dem europäischen Dachverband des VCD, doch da stünden die Stickstoffwerte noch nicht zur Verfügung. Andere Diesel, „insbesondere aus dem VW-Konzern“, schnitten laut VCD in unabhängigen Tests beim Stickstoff gut ab, doch VW sei „zu verunsichert, um noch Daten zu liefern“, weswegen diese Modelle nicht in die Liste aufgenommen wurden.

Der Rat, mit dem Kauf möglichst zu warten, bezieht sich neben den Dieseln auf Benziner mit Direkteinspritzung. Erst am 1. September 2018 wird für sie der Partikelfilter Pflicht. Ohne Filter belasten diese etwas sparsameren und somit weniger Kohlendioxid ausstoßenden Autos den Menschen durch „ultrafeine Partikel“, die „besonders tief in die Lunge“ gelangen, hält der Öko-Verband fest.

Deutsche Hersteller nur bei alternativen Technologien relevant

Die Benziner, die der VCD akzeptabel findet, sind überwiegend klein – und sie kommen fast nur von japanischen und französischen Herstellern. Unter den 13 gelisteten Modellen sind je drei Citroëns, Peugeots und Toyotas. Einzige Ausnahme ist der VW up! 1.0 BMT. Die Preise liegen überwiegend zwischen 10000 und 15000 Euro. Die Benzin-Hybride sind fünf Toyotas (ab 18000 Euro) und ein Lexus.

Deutsche Marken finden sich erst bei den alternativen Technologien verstärkt. Die fünf in der Liste enthaltenen Erdgasautos kommen von Audi (ab 29000 Euro) und VW (ab 13000 Euro). Bei den Elektroautos sind auch BMW und Daimler vertreten. Am billigsten sind in dieser Kategorie ein Citroën, ein Peugeot, ein Renault und die beiden Smarts, die alle bei um die 22000 Euro liegen. Bei den Elektroautos fällt auf, dass die für ihre Vorreiter-Rolle bekannte US-amerikanische Marke Tesla nicht vorkommt. Deren beiden aktuellen Modelle haben laut VCD „überdimensionierte Akkus“. Der Nissan Leaf, laut VCD „in den letzten Jahren das weltweit meistverkaufte E-Auto“, ist ebenfalls nicht mehr erwähnt, weil die Firma dafür keine Daten geliefert habe. Flüssiggas- und Wasserstoffautos hält der VCD übrigens für irrelevant.

Da der heutige Straßenverkehr den Klimawandel vorantreibt, gerade auch der deutsche, ist diese Positivliste ein wichtiges Hilfsmittel für Menschen, die nicht ohne Auto auskommen. Sie kann einschließlich erläuternder Texte beim VCD heruntergeladen (pdf) werden. In Papierform liegt sie dem aktuellen Mitgliedermagazin Fairkehr bei. Ralf Hutter

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