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AKW Isar 2: Ein Milliarden-Risiko für München

Block 1 des Atomkraftwerks Isar wurde wenige Tage nach der Atomkatastrophe von Fukushima abgeschaltet, 2016 soll der jahrzehntelange Rückbau beginnen. Isar 2 soll voraussichtlich erst 2022 vom Netz gehen. (Foto: Bjoern Schwarz, flickr.com, CC BY 2.0)
Block 1 des Atomkraftwerks Isar wurde wenige Tage nach der Atomkatastrophe von Fukushima abgeschaltet, 2016 soll der jahrzehntelange Rückbau beginnen. Isar 2 soll voraussichtlich erst 2022 vom Netz gehen. (Foto: Bjoern Schwarz, flickr.com, CC BY 2.0)

Auf die Stadtwerke München könnten im Zuge der Abwicklung des AKW Isar 2 milliardenschwere Risiken zukommen. Denn das kommunale Unternehmen ist an dem E.ON-Atomkraftwerk mit 25 Prozent beteiligt. Im Falle einer Konzernpleite muss die Stadt zahlen.

09.11.2015 – Bis 2022 soll Isar 2 noch laufen, es wäre eines der letzten Atomkraftwerke in Deutschland, das vom Netz geht. Die Stadtwerke München, die ein Viertel an dem AKW halten, haben gerade beschlossen, ihre Rückstellungen für den Rückbau auf 700 Millionen Euro aufzustocken. Doch was ist, wenn der große Atomkonzern E.ON finanziell ins Straucheln gerät? Kann der Konzern seinen Beitrag für den Abbau nicht stemmen, sind die Stadtwerke aufgrund der „gesamtschuldnerischen Haftung“ in der Verantwortung. Da die Stadtwerke ein kommunales Unternehmen sind, wäre auch München betroffen.

„Die Auswirkungen wären gigantisch, für uns wie für die Stadt München“, erklärte Stadtwerke-Chef Florian Bieberbach gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Zwar ist eine Pleite E.ONs nicht absehbar, aber der Rückbau eines Atomkraftwerks dauert viele Jahrzehnte. Wie in 20 oder 30 Jahren die Lage ist, kann niemand vorhersagen. Die Stadtwerke könnten allerdings den Rückbau sowohl finanziell als auch technisch nicht alleine bewältigen.

München hofft auf neue Expertenkommission

Deshalb hofft man in München nun auf die neu eingesetzte „Kommission zur Überprüfung der Finanzierung des Kernenergieausstiegs“ (KFK). Die Kommission soll unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin, des ehemalige Ministerpräsidenten von Brandenburg Matthias Platzeck und des ehemaligen Hamburger Oberbürgermeisters Ole von Beust Empfehlungen für die Politik erarbeiten. Dabei ist auch die Frage zu klären, ob die Atomkonzerne ihre Rückstellungen für den Rückbau der deutschen Atomkraftwerke von 38 Milliarden Euro in einen öffentlichen Fonds einzahlen sollen, damit diese Gelder gesichert sind und nicht durch Pleiten verloren gehen.

In diesem Fall würden auch die Stadtwerke München ihre 700 Millionen Euro einzahlen und das Risiko, im Zweifelsfall für E.ONs Anteil geradezustehen wäre gelöst. Am liebsten wäre es den Stadtwerken ohnehin, den 25-prozentigen Anteil an Isar 2 loszuwerden. Doch zwei Verkaufsversuche scheiterten 1999 und zuletzt 2009. Mittlerweile gilt der Meiler laut Süddeutscher Zeitung als unverkäuflich. cw

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