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Kohlekraftwerke lohnen sich nicht mehr

Der Betrieb vieler Kohlekraftwerke in Deutschland ist nicht nur aus Klimaschutzgründen sondern auch ökonomisch sinnlos. Viele Betreiber wollen sie deswegen abschalten, die Bundesnetzagentur verzeichnet einen Rekord von Stilllegungsanträgen.

09.09.2015 – Allein im Juni gingen laut Bundesnetzagentur 16 neue Stilllegungsanzeigen von Stromkonzernen bei der Behörde ein und lassen die Liste mit geplanten Stilllegungen weiter anwachsen. Nicht nur die großen Konzerne sondern auch regionale Versorger und Stadtwerke wollen zumeist alte Kohlekraftwerke abschalten. Sie argumentieren, dass die Anlagen nicht mehr rentabel betrieben werden könnten. Sie stehen immer öfter still, die Auflagen werden größer, die Brennkosten teurer und die Strompreise an der Strombörse sinken weiter.

Insgesamt 70 Stilllegungsanträge liegen bei der Bundesnetzagentur, die Kraftwerke haben eine Gesamtleistung von gut 14.400 Megawatt (MW). Doch ein Antrag heißt noch keine Abschaltung, viele Versorger melden ihre Kraftwerke vorzeitig an. Zwei Drittel der Anzeigen betreffen eine dauerhafte Stilllegung, der Rest von etwa 5.000 MW soll nur vorübergehend stillgelegt werden. Die großen Kohlekonzerne RWE und E.ON wollen gleich mehrere Kohleblöcke vom Netz nehmen, dauerhaft unwirtschaftliche Kraftwerke wolle man nicht betreiben, heißt es aus den Unternehmen.

Genügend Versorgungskapazitäten vorhanden

RWE hat insgesamt sechs Kraftwerksblöcke angemeldet, bei E.ON sind es sogar neun. Zu Versorgungsengpässen wird es allerdings nicht kommen, solche Befürchtungen sind unbegründet, heißt es sowohl bei der Bundesnetzagentur als auch beim zuständigen Bundeswirtschaftsministerium. In Deutschland sind genügend Versorgungskapazitäten vorhanden zumal die Stromexporte in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind und regelmäßig neue Rekordzahlen bekannt werden. Außerdem werde kein Kraftwerk von heute auf morgen vom Netz genommen, versichert die Bundesnetzagentur. Falls ein Kraftwerk für die Versorgungssicherheit systemrelevant ist, kann die Behörde die Abschaltung verweigern. So geschehen mit dem E.ON-Gaskraftwerk Irsching bei Ingolstadt. Dort vereinbarten der Netzbetreiber TenneT, die Bundesnetzagentur und der Betreiber, die beiden Blöcke zur Sicherung der Netzstabilität am Netz zu behalten – bezahlt durch die Verbraucher.

Dass eine Abschaltung von Kohlekraftwerken auch bei gleichzeitig wegfallender Strommengen durch den Atomausstieg möglich ist, zeigte jüngst eine neue Studie im Auftrag der Landesregierung von Rheinland-Pfalz. Darin kamen die Autoren Prof. Uwe Leprich vom Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) in Saarbrücken und von Prof. Stefan Klinski von der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin zum Ergebnis, dass die Stromversorgung nicht gefährdet sei. „Der deutsche Kraftwerkspark wird deutlich flexibler und das Zusammenspiel mit der fluktuierenden Stromerzeugung aus Wind und Sonne wird deutlich einfacher“, erklärte Prof. Leprich bei der Vorstellung der Studie. cw

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