TOP-THEMA
Europawahl




Gemessen am EinkommenDer Energiekonsum offenbart extreme Ungleichheiten

Am Strand von Rio mit Blick auf die Stadt. Direkt am Strand befinden sich hohe feine Häuser. Im Hintergrund ist die Favela mit kleinen Häusern zu sehen.
Während an der Strandpromenade von Rio de Janeiro die Reichen in großzügigen Appartments wohnen, befinden sich an den Berghängen dahinter die Favelas, in denen die Menschen auf engstem Raum zusammen wohnen. (Bild: joana coccarelli / flickr.com, CC BY-SA 2.0)   

Die Schere verläuft zwischen und innerhalb von Staaten. Eine neue Studie zeigt extreme Ungleichheiten armer und reicher Menschen beim Energiekonsum. Vor allem der Transportsektor offenbart den Energiehunger der Reichen und deren Zerstörungspotenzial.

23.03.2020 – Menschen mit hohem Einkommen verbrauchen sehr viel mehr Energie als Menschen mit niedrigem Gehalt. Das ist die zentrale Erkenntnis einer Analyse der University of Leeds in 86 Staaten weltweit, von Industriestaaten bis Entwicklungsländer. Die Kluft verläuft dabei nicht nur zwischen den Staaten, sondern auch innerhalb. Über alle Ländergrenzen hinweg verbrauchen die zehn Prozent der Menschen mit dem höchsten Einkommen 20 Mal mehr Energie als die unteren zehn Prozent auf der Einkommensskala.

Wie zu erwarten, sind es vor allem Menschen aus den reichen Industriestaaten, die den Energiehunger befeuern. 40 Prozent der Deutschen gehören zu den Top fünf Prozent der weltweiten Energiekonsumenten. Bei den Luxemburgern zählt sogar die gesamte Bevölkerung zu dieser Gruppe. In Großbritannien ist 20 Prozent der Bevölkerung Teil dieser fünf Prozent. Doch selbst die Ärmsten 20 Prozent der Briten konsumieren noch immer fünf Mal mehr Energie als die Ärmsten 84 Prozent der indischen Bevölkerung – einer Gruppe von einer Milliarde Menschen. Nur 0,02 Prozent der indischen Bevölkerung ist Teil der Top Energiekonsumenten weltweit.

Und ein hoher Energiekonsum bedingt aktuell einen hohen Ausstoß von Treibhausgasemissionen. Anne Owen von der University of Leeds und Co-Autorin der Studie macht deutlich: „Die Transformation zu einer CO2-neutralen Energieversorgung gelingt umso einfacher mit einer Reduzierung des Verbrauchs. Dies bedeutet, dass die Top Konsumenten eine sehr wichtige Rolle spielen und ihren exzessiven Energiekonsum verringern müssen.“

Die Mobilität der Reichen befeuert die Klimakrise

Vor allem im Transportsektor spiegelt sich der exzessive Energiekonsum der Reichen wider, der besonders klimaschädlich ist, da er zu einem großen Teil auf fossilen Brennstoffen beruht. Die oberen zehn Prozent der Konsumenten nutzen mehr als die Hälfte der Energie, die weltweit für Mobilität verbraucht wird. Zum Vergleich: Fossile Brennstoffe, die im häuslichen Umfeld etwa fürs Kochen und Heizen verbraucht werden, sind gleichmäßiger über alle Einkommensschichten verteilt. Die oberen 10 Prozent der Konsumenten nutzen für den Hausgebrauch ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs.

Yannick Oswald von der University of Leeds und Hauptautor der Studie mahnt ein radikales Umsteuern im Mobilitätssektor an. „Ohne eine Reduzierung des Energieverbrauchs, etwa durch weniger Flüge, die Ausweitung des öffentlichen Personenverkehrs, weniger private Autos oder Alternativen wie Elektro-Autos, macht unsere Studie deutlich, dass mit steigendem Wohlstand, der Konsum fossiler Brennstoffe im Transportsektor sprunghaft ansteigen wird.“ mf