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EnergiewendeDeutschland kann sich unabhängig von Russland mit Strom versorgen

Strommasten
Deutschland kann sich auch ohne Russland mit Strom versorgen. (Bild: analogicus / pixabay)

Die Stromversorgung in Deutschland ist auch ohne russische Importe von Kohle und Gas gesichert. Als Ersatz müssen kurzfristig Kohlekraftwerke stärker genutzt – und mittel- und langfristig Erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden.

22.04.2022 – Deutschland kann sich auch ohne russische Exporte mit Strom versorgen. Das bestätigt eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dafür müssen vor allem Erneuerbare Energien ausgebaut und Kohle flexibel genutzt werden.

Russische Importe ersetzen

Derzeit stammen rund 60 Prozent der von Deutschland importierten Kohle aus Russland. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs sollen diese Kohleimporte bis August 2022 vollständig beendet werden. Auch ein Stopp russischer Gaslieferungen bleibt möglich. Die Publikation untersucht, was der Stopp russischer Energielieferungen für die Sicherheit der deutschen Stromversorgung bedeutet.

Dem DIW zufolge ist auf dem Weltmarkt trotz gestiegener Preise ausreichend Kohle erhältlich, um den Importstopp von russischer Kohle vollständig zu ersetzen. Russische Kohle sei damit wie geplant ab August 2022 ersetzbar. Das gilt sowohl für Deutschland als auch für andere europäische Länder, die in Folge des Embargos gegen Russland auf Kohleexporte aus anderen Ländern angewiesen sind. Das zur Stromerzeugung genutzte Gas könne mittel- bis langfristig ebenfalls kompensiert werden. Voraussetzung ist, dass die Energiewende wie im Osterpaket angekündigt schnell und großflächig umgesetzt werde.

Kohle flexibel nutzen

„Auch ohne die ungekoppelten Erdgaskraftwerke und nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke liegen zu jeder Zeit ausreichende Kapazitäten vor, um die Nachfrage zu decken“, schreibt das DIW. Kohlekraftwerke können hier Kapazitätsengpässe überbrücken sowie die Netzreserve bilden. Kurzfristig können Kohlekraftwerke so auch mögliche Ausfälle von russischem Gas im Stromsektor kompensieren.

Eine verstärkte Kohleverstromung wird 2022 und 2023 allerdings auch notwendig, um den geplanten Atomausstieg Ende des Jahres nicht zu gefährden. Im Jahr 2023 wird der größte Bedarf an zusätzlicher Kohleverstromung erwartet, da durch die Abschaltung der Kernkraftwerke 64 Terawattstunden an Kapazitäten wegfallen. Der deutliche Zubau an Erneuerbaren Energien soll die Kohleverstromung jedoch bereits ab 2024 wieder sinken lassen.

Am Ausstieg festhalten

In den errechneten Szenarien kann sowohl am Kohleausstieg bis 2030 als auch am Atomausstieg Ende 2022 wie geplant festgehalten werden. Im Jahr 2030 würden in diesem Fall bereits 95 Prozent des Stroms in Deutschland aus Erneuerbaren Quellen stammen. Das DIW rechnet dabei mit Ausbaukapazitäten für Erneuerbare Energien, die im Rahmen dessen liegen, was die Bundesregierung im Osterpaket als Ziel angekündigt hat.

Das DIW zeigt, dass eine von Russland unabhängige Stromversorgung in Deutschland möglich ist. Zu bedenken bleibt, dass sich die Analyse ausschließlich auf die Stromversorgung bezieht. Dies ist nicht mit der gesamten Energiesicherheit gleichzusetzen. Besonders ein langfristiger Ausgleich russischer Gaslieferungen, die nicht für die Stromerzeugung, sondern zum Beispiel für die Wärmeversorgung genutzt werden, stellen weiterhin eine große Herausforderung dar. jb


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