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LuftfahrtFliegen die Niederländer bald mit altem Frittierfett?

Ein startendes Flugzeug von einem Flughafen.
Die Flotte der KLM besteht aktuell aus 120 Flugzeugen. Seit einer Fusion mit der französischen Air France ist die niederländische Fluggesellschaft Teil eines der größten Luftfahrtunternehmen der Welt. (Foto: Masakatsu Ukon / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)  

Eine niederländische Fluggesellschaft und der Amsterdamer Flughafen investieren verstärkt in nachhaltigen Biotreibstoff. So wird in Holland die erste europäische Anlage errichtet, die Sprit aus regionalen Abfällen wie altem Speiseöl produziert.

31.05.2019 – Innerhalb von 10 Jahren wollen die niederländische Fluggesellschaft KLM Dutch Airlines und der Amsterdamer Flughafen Schiphol ihre CO2-Emissionen um 85 Prozent reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, investieren sie in eine Anlage im holländischen Delfzijl, in der ab 2022 nachhaltiger Flugzeugtreibstoff von 75.000 Tonnen pro Jahr gewonnen werden soll – nachhaltig mittels regionaler Abfall- und Restströme. So könnte unter anderem altes Speiseöl aus Fritteusen neue Verwendung für eine nachhaltigere Luftfahrt finden.

Gebaut wird die Anlage von der Firma SkyNRG, dem nach eigenen Angaben führenden Unternehmen für nachhaltige Flugzeugtreibstoffe weltweit. Mitglied eines unabhängigen Nachhaltigkeitsrats von SkyNRG ist auch Jenny Walther-Thoß Referentin für "Nachhaltige Biomasse" beim WWF. Sie hat sich mit den anderen Mitgliedern des Nachhaltigkeitsrats die Pläne genau angeschaut und gibt zu Protokoll: „Wir haben ein gutes Gefühl bei den Maßnahmen, die bislang ergriffen wurden, um eine nachhaltige Performance sicherzustellen – vor allem in Bezug auf die Strategien zur Ressourcenverwendung.“

Biotreibstoff kann auch schlecht für Mensch und Klima sein

Denn Pläne für sogenannten Biosprit in der Luftfahrt existieren schon länger, doch bislang ging es dabei vor allem um Treibstoff, der aus Palmöl, Rapsöl, Getreide und Zuckerrüben gewonnen wird. Produkte, die einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung bedürfen. Millionen Quadratkilometer kostbarer Regenwald werden dafür gerodet und der Nahrungsmittelanbau für eine wachsende Weltbevölkerung zurückgedrängt.

Für die Anlage im holländischen Delfzijl hingegen sollen keine zusätzlichen Flächen bewirtschaftet werden. Darüber hinaus wird die Anlage künftig mit nachhaltigem Wasserstoff aus regenerativen Energien, wie Wind- und Wasserkraft betrieben. Laut Pieter Elbers, CEO von KLM, werden so ab 2022 CO2-Emissionen von 200.000 Tonnen pro Jahr eingespart. „Dies ist gleichbedeutend mit dem CO2-Ausstoß von 1.000 KLM-Flügen zwischen Amsterdam und Rio de Janeiro“, so Elbers weiter.

In den Niederlanden steigt der politische Druck auf die Flugindustrie

Für Kurzstreckenflüge indes bietet die KLM als Alternative bereits selbst Zugtickets an, wie zum Beispiel von Amsterdam nach Brüssel und Paris. Damit reagiert die Fluggesellschaft wohl auch auf politischen Druck. Denn auch in den Niederlanden werden ökologisch orientierte Stimmen immer stärker. Schon bei den Parlamentswahlen 2017 war die Partei „GroenLinks“ (zu deutsch GrünLinks) der große Gewinner, mit einem Plus von 6,8 Prozent der Stimmen.

Und der niederländische Energieminister Eric Wiebes von der bürgerlich-liberalen VVD, konkretisierte kürzlich in einem Interview Bestrebungen nach einer dortigen CO2-Bepreisung. „Momentan sind wir dabei, ein Konzept zu entwickeln“, so Wiebes. Dieses müsse dann zwei Ziele erreichen: Erstens die gesetzten Klimaziele kosteneffizient zu erreichen und zweitens die gleichen Spielregeln für alle zu gestalten. „Wenn nämlich CO2-Emissionen über die Grenze wandern, haben wir für den Klimaschutz gar nichts erreicht. Da müssen natürlich mehrere Länder mitmachen. Sinnvoll wäre ein CO2-Preis im Verbund der G-20-Staaten“, erklärte Wiebes. mf