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KlimakriseKlimaschutz soll zielgerichtet subventioniert werden

Mehr Kohle für grüne Investitionen, fordern Wirtschaftswissenschaftler und arbeiten an einem Modell, um nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. Sie schlagen eine staatliche Unterstützung für Unternehmen vor, die zur Klimaneutralität beitragen.

25.08.2020 –Nachhaltiges Wirtschaften wird immer noch wenig belohnt, während die klimaschädliche Industrie teilweise weiter subventioniert wird. Wenn Unternehmen ihren Betrieb ökologisch nachrüsten und auf Klimaneutralität ausrichten wollen, stoßen sie oft an finanzielle Grenzen oder erhalten keine Kredite. Das muss sich ändern, sagt der  Wirtschaftswissenschaftler Prof. Christian Klein, der an der Universität Kassel das Fachgebiet „Sustainable Finance" leitet. Mit weiteren Wissenschaftlern wie Ottmar Edenhofer und Kai Lessmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sowie Marco Wilkens von der Universität Augsburg fordert er staatliche Unterstützung für Unternehmen, die zur Klimaneutralität beitragen wollen.

Investitionen in nachhaltige Projekte seien für Unternehmen unter den aktuellen Rahmenbedingungen riskant und teuer, so Klein. „Unternehmen können sich momentan einfach nicht sicher sein, dass sich ihre Investitionen auch auszahlen.“

Das Wissenschaftsteam hat daher gemeinsam einen Vorschlag erarbeitet, um Unternehmen mehr Planungssicherheit zu geben. „Im Kern zielt unser Vorschlag darauf, staatliche Unterstützung für Unternehmen an deren Nachhaltigkeitsleistung zu koppeln“, erläutert Klein. Dazu schlagen die Autoren einen EU-weiten Investitionsfond vor, der sich durch langfristige, staatlich gesicherte Anleihen finanzieren soll. „Unternehmen, die in nachhaltige Projekte mit dem primären Ziel der Treibhausgasneutralität investieren, sollten aus diesem Fond langfristig zinsverbilligte Kredite erhalten“.

Der Kniff bei der Sache: ein hypothetischer CO2-Preis als Grundlage

Der Zinssatz sollte, so die Idee der Wissenschaftler, an einen hypothetischen CO2-Preis gekoppelt werden, „der in einer Welt auf dem Weg zur Klimaneutralität gelten sollte.“ Liegt der geltende CO2-Preis deutlich unter dem hypothetischen, verbilligen sich die Kredite für Unternehmen also stärker, als wenn der angenommener und der tatsächliche CO2-Preise nah beieinanderliegen.

„Wir machen also den Zins davon abhängig, wie gut der Staat seine Hausaufgaben macht: Je schlechter er hier ist, desto günstiger sind die Zinsbedingungen“, erläutert Klein die Idee und sieht darin einen klaren Vorteil: „Dies nimmt den Unternehmen das Risiko und übergibt es dem Staat. So schaffen wir auch einen Anreiz für den Staat, zeitnah seine Hausaufgaben zu machen.“ Das finale Papier ist aktuell noch nicht veröffentlicht. na