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Braunkohlereviere

Solar-Windstrom-Großkraftwerke statt Kohle

Blick auf einen Braunkohletagebau auf mehreren Ebenen. Im Hintergrund ein Kohlekraftwerk und ein Windrad.
Wo bislang nur ein einziges Windrad zu sehen ist (links oben), könnten, wie hier im und am Tagebau Jänschwalde, in Zukunft Solar-Windstrom-Großkraftwerke entstehen. (Foto: Hanno Böck / Wikimedia Commons, CC0 1.0)

Der Strukturwandel in den Braunkohlerevieren könnte vor allem durch den Ausbau von Solar- und Windkraft gelingen, die im Verbund die Kohleverstromung in den Regionen schrittweise ersetzen. Dies würde sich auch positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken.

24.11.2018 – Ob in der Lausitz, im Rheinland, im Helmstedter oder im mitteldeutschen Revier, Braunkohletagebaue und Kohlekraftwerke verschandeln die Landschaft und verpesten die Luft. Dabei könnten in den Regionen sukzessive Solarpanels und Windkrafträder gemeinsam im Verbund mit Energiespeichersystemen, die fossile Energie ohne Probleme ersetzen und dabei sogar positive Beschäftigungseffekte erzielen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Potenzialanalyse mehrerer Beratungs- und Forschungsinstitute im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums.

Sogenannte Solar-Windstrom-Großkraftwerke könnten dort entstehen, wo durch den Ausstieg aus der Kohleverstromung Kapazitäten wegfallen und Flächen frei werden. In einem System aus Solar- und Windkraft mit der Energiespeicherung durch die Power-to-X-Technologie, würde dann überschüssige Energie durch Umwandlung von Strom etwa in Gas und Wärme gespeichert und für mögliche Dunkelflauten wieder nutzbar gemacht werden. Die Angst vor Stromausfällen, durch den Wegfall der Kohlekraft in den Regionen, wäre mit diesem System unbegründet.

Lausitz: Mehr Arbeitsplätze durch Ausbau Erneuerbarer Energien

Und auch die Angst vor einem Strukturwandel, der mit dem Verlust tausender Arbeitsplätze in der Kohlebranche einhergehe, entkräften Macher der Studie, wie Bernd Hirschl vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Für ihn werden in der Debatte über den Strukturwandel die Potenziale der Energiewende bisher nur zu wenig gesehen.

"Die vorhandenen Infrastrukturen und Kompetenzen bieten sich an, die Reviere zu Energiewende-Modellregionen zu entwickeln - entsprechend ihrer jeweiligen Voraussetzungen. Wenn die Akteure vor Ort dafür zusammen mit den betroffenen Bundesländern und dem Bund an einem Strang ziehen, können nennenswerte Wertschöpfung und Beschäftigung entstehen." Bernd Hirschl, IÖW

Im Rahmen einer Fallstudie für die Lausitzer Braunkohleregion wurden die möglichen regionalökonomischen Effekte durch den Ausbau Erneuerbarer Energien und Speichertechnologien untersucht. Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass allein durch Planung, Installation und Betrieb, der im Zeitraum 2018 bis 2030 zugebauten Anlagen in der Tagebauregion, eine regionale Wertschöpfung von über 120 Millionen Euro und mehr als 1.000 vollwertige Arbeitsstellen generiert werden können.

Dabei sind noch nicht einmal mögliche Beschäftigungseffekte durch die Produktion Erneuerbarer Energien-Anlagen einberechnet. Aktuell beschäftigen in der Lausitz ansässige Hersteller 1.250 Mitarbeiter. Ausgehend von den aktuellen Produktionsbedingungen könnten 2030 mehr als 2.000 Beschäftigte in den Betrieben arbeiten. Und durch den sukzessiven Ausbau Erneuerbarer Energien in der Lausitz könnten indes noch viele weitere Arbeitsplätze bei den Herstellern von Solar- und Windenergieanlagen entstehen. Auch für weitere Erneuerbare Energien, Speichertechnologien und E-Mobilität seien große Beschäftigungspotenziale in der Region vorhanden.       

Hybride Systeme mit einem Potenzial von 14 Gigawatt Leistung

Neben den regionalökonomischen Effekten für die Lausitz analysierten die Macher der Studie die Flächenpotenziale drei deutscher Braunkohleregionen. Dabei untersuchten sie in der Lausitz, im Rheinland und im mitteldeutschen Revier inwieweit besonders Tagebauflächen aber auch andere umliegende Gebiete zukünftig für Solar- und Windkraft sowie als Standorte für Speichertechnologien nutzbar gemacht werden können. Mit dem Ergebnis, dass für hybride Solar-Windstrom-Großkraftwerke insgesamt Potenziale von bis zu 14 Gigawatt an Leistung bestehen.

Martina Richwien vom Beratungsinstitut IFOK verweist dabei darauf, dass die Erschließung der Potenziale nur in den Regionen und gemeinsam mit den regionalen Akteuren erfolgen kann, die mit den Veränderungen vor Ort leben und arbeiten.

"So muss beispielsweise die Frage nach der Verfügbarkeit geeigneter Flächen im Dialog vor Ort beantwortet werden. Hier wird es wichtig sein, weitere Vorstellungen der Flächennutzung einzubeziehen und mögliche Unterstützer zu finden, um die insbesondere in der Lausitz erheblichen Beschäftigungspotenziale auch nutzen zu können", Martina Richwien, IFOK

Ausgenommen von den errechneten Flächenpotenzialen in der Studie sind jedoch bereits schützenswerte Gebiete, die aufgrund ihrer Besonderheit für Flora und Fauna sowie seltener Tierarten für eine Bebauung ungeeignet sind. Denn der Ausbau Erneuerbarer Energien darf nicht wie die Braunkohle, Natur- und Umweltschutz in Mitleidenschaft ziehen.

Und dass die Potenzialanalyse Einfluss haben könnte, zeigt ihre Nennung im Zwischenbericht der Kohlekommission vom 25. Oktober. Zwar war das Gutachten von IFOK, IÖW und Co. zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich, jedoch bereits Teil des Zwischenberichts. Nun könnte die Analyse der deutschen Braunkohlereviere, hinsichtlich Erneuerbarer Energien, auch die endgültigen Beschlüsse der Kohlekommission entscheidend beeinflussen. mf     


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