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Los Angeles

Wie der Hoover-Damm ein riesiger Stromspeicher werden könnte

Pro Jahr fließen etwa 4,2 Terawattstunden (TWh) Strom durch die Turbinen des Hoover Damm in Nevada, nahe Las Vegas
Die Turbinen des Hoover Damm haben eine Gesamtkapazität von 2.000 Megawatt und produzieren etwa 4,2 Terawattstunden (TWh) Strom pro Jahr. (Foto: pixabay, CC0 1.0)

Für den Umbau der Stromversorgung geht Los Angeles ungewöhnliche Wege: Die Umrüstung des weltbekannten Hoover Damms und des dazugehörigen Stausees Lake Mead in einen gewaltigen Stromspeicher. Das riesige Pumpspeicherkraftwerk könnte 2028 fertiggestellt werden. Clemens Weiß

02.08.2018 – Um Megaprojekte waren die Amerikaner noch nie verlegen und verglichen mit anderen Ideen sind die veranschlagten drei Milliarden US-Dollar fast ein Schnäppchen. Auch verglichen mit dem Bau des Hoover Damms und dem dazugehörigen, 180 Kilometer langen Stausee Lake Mead sind die Stromspeicher-Pläne der Millionenmetropole Los Angeles eine eher kleine Angelegenheit. Der 1936 eröffnete Hoover Damm legte einen Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg des Westens der USA, jetzt soll er erneut Wege in die Zukunft weisen. In eine Zukunft mit sauberem Strom.

Es fehlen Stromspeicher

Denn eines steht der US-Westküste ausreichend zur Verfügung: Sonne und ein gewaltige Potenzial für Solarenergie. Was fehlt sind Speichermöglichkeiten. Wenn die Sonne scheint, kommt es schon einmal vor, dass 50 Prozent des kalifornischen Stroms aus Solaranlagen stammt. Nur wohin damit, wenn nicht alles verbraucht wird? Da sich der Bundesstaat ehrgeizige Ökostrom-Ziele gesetzt hat – etwa einen Anteil von 50 Prozent bis 2030 – und die Stromversorger in die Pflicht nimmt, experimentieren diese mit unterschiedlichen Wegen, Ökostrom zu speichern.

Einige große Batteriespeicher auf Basis von Lithium-Ionen-Akkus gibt es bereits, der Versorger PG&E testet Druckluftspeicher in Kavernen. Viele dieser Lösungen sind allerdings noch teuer und (noch) nicht im großen Maßstab umzusetzen. Bewährt ist dagegen das Prinzip von Pumpspeicherkraftwerken auch wie in Deutschland einige stehen: Überschüssiger Strom wird genutzt, um mittels großer Pumpen Wasser von einem tiefer gelegenen See in einen höher gelegenes Reservoir zu transportieren. Wird die Energie gebraucht, rauscht das Wasser durch Turbinen in den tieferen See und erzeugt Strom. Der Wirkungsgrad ist verglichen mit anderen Technologien groß, der Verlust liegt bei nur 20 bis 25 Prozent.

„Es sieht tatsächlich machbar aus“

Diese Eigenschaften will die Stadtverwaltung von Los Angeles nun nutzen, berichtet die New York Times in einem aufwändigen und sehenswerten Multimedia-Bericht. Dort kommt auch Bürgermeister Eric M. Garcetti zu Wort, der von einer einmaligen Gelegenheit spricht. „Bisher sieht es tatsächlich machbar aus“, sagte er. Es sehe nach einer sauberen, nachhaltigen Lösung aus.

Konkret sehen die Pläne des städtischen Departments für Wasser und Energie eine Pumpstation gut 30 Kilometer flussabwärts vor. Von dort aus soll Wasser bei viel Solar- und Windstrom zurück in den Lake Mead gepumpt und als Energiereserve gelagert werde. Bei Strombedarf fließt Wasser durch die vorhandenen Rohre und Turbinen zurück in den Colorado River und erzeugt sauberen Strom, der u.a. nach Los Angeles fließen würde.

Die größten Probleme liegen nicht bei den Ingenieuren

Das Projekt könnte zusätzliche Milliarden-Investitionen in Solar- und Windparks anregen, hoffen Befürworter. Andere Staudämme könnten zudem einem erfolgreichen Vorbild folgen. Die größten Herausforderungen liegen indes nicht bei den Ingenieuren. „Das Projekt muss unter Umwelt-, politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten untersucht werden. Da werden voraussichtlich die größeren Probleme auftauchen“, sagte Peter Gleick, Klimawissenschaftler vom kalifornischen Thinktank Pacific Institute, der New York Times.

Tatsächlich sind noch viele Fragen zu klären:

 

  • Wie wird sich das Projekt auf die Menge des Wassers im Stausee auswirken, einem beliebten Freizeit- und Ausflugsziel?
  • Wird mehr Wasser flussabwärts die Städte und Lebensräume von Tieren und Pflanzen signifikant verändern?
  • Auch die Trinkwasserqualität steht auf der langen Liste der noch zu klärenden Fragen, denn der Lake Mead versorgt unter anderem Teile Süd-Kaliforniens.


Washington muss grünes Licht geben

Zudem ist für den Betrieb des Hoover Damms das Bureau of Reclamation zuständig, eine Behörde unter der Zuständigkeit des Innenministeriums. Ob Washington den Plänen zustimmen wird, ist noch offen. Und dann wäre da noch das brüchige Nachbarschaftsverhältnis, dass Los Angeles und Kalifornien in Sachen Energie und Wasser mit ihren Nachbarn, insbesondere den Gemeinden in Nevada und Arizona pflegen. Die Wasser- und Energiebehörde der Stadt habe oft die eigenen Interessen zum Nachteil kleiner Gemeinden durchgedrückt, kritisieren diese.

Keine größere Batterie im System

Ungeachtet der vielen möglichen Hindernisse sind viele, insbesondere in Kalifornien und Los Angeles, begeistert aufgrund der schieren Möglichkeiten. „Der Hoover Damm wäre ideal“, sagte etwa Kelly Sanders von der University of Southern California den NYT-Reportern. „Wir haben nichts Vergleichbares in Sicht.“ Auch Bürgermeister Garcetti sieht vor allem die Möglichkeiten: „Unsere Herausforderung ist: Wie werden wir 100 Prozent grün?“ sagte er der Zeitung. „Speicher helfen und wir haben keine größere Batterie in unserem System als den Hoover Damm.“ cw


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