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Windenergie an LandFünf Maßnahmen für mehr Repowering

Bau einer Windkraftanlage
Auf bereits etablierten Standorten lassen sich modernere, effizientere und leistungsstärkere Windkraftanlagen errichten (Foto: HansLinde / PixabayCC0 1.0)

Auf bereits etablierten Standorten könnten zukünftig modernere, effizientere und leistungsstärkere Windkraftanlagen errichtet werden. Das Repowering-Potenzial ist enorm, ab 2021 fallen zahlreiche Altanlagen aus der EEG-Förderung.

06.11.2020 – Wie hoch das Potenzial von Repowering ist, verdeutlicht ein einfacher Vergleich: Zurzeit verfügt ein deutscher Anlagenpark im Durchschnitt über eine Leistung von 1,8 Megawatt. Die im ersten Halbjahr 2020 genehmigten Anlagen kommen bereits auf eine durchschnittliche Leistung von 4,2 Megawatt. Genau deshalb sieht der Bundesverband Windenergie (BWE) im Repowering eine große Chance für die Energiewende – und fordert eine nationale Strategie mit entsprechenden gesetzlichen Regelungen.

Auf den bereits heute durch Windkraftanlagen genutzten Flächen, den sogenannten Bestandsflächen, könnten zukünftig hochmoderne Anlagen errichtet werden. Dadurch ließen sich die ab 2021 sukzessive aus der EEG-Förderung ausscheidenden Windkapazitäten zügig ersetzen. Bis zum Jahr 2025 fallen auf diesem Weg knapp 16.000 Megawatt Leistung weg.

Zentraler Markt für Repowering in Europa

„Deutschland kann der zentrale Markt für Repowering in Europa werden. Dieses industrie- und energiepolitische Potenzial gilt es jetzt zu erschließen“, fordert Hermann Albers, Präsident des BWE. Man hätte schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass der Schlüssel im Repowering liege – und auch konkrete Vorschläge zur Einbettung in die Regionalplanung vorgelegt.

Vor ein paar Wochen hatte der Bundeswirtschaftsminister zu diesem Thema dann einen Runden Tisch veranstaltet. „Dort haben wir unterstrichen, dass der Weiterbetrieb für uns die Brücke zum Repowering darstellt. Um diese Brücke zu sichern, braucht es einen wirtschaftlichen Rahmen, der die Verwerfungen am Strommarkt für die kommenden zwei bis drei Jahre glättet“, fordert Albers. „Gleichzeitig ist eine nationale Repoweringstrategie erforderlich. Wir erwarten hier einen Vorschlag des Bundeswirtschaftsministers.“

Fünf zentrale Punkte einer nationalen Repoweringstrategie

1. Bestandsflächen anerkennen

Der BWE fordert Klarheit über die Flächenkulisse von den Bundesländern. Besonderes Augenmerk muss auf den infrastrukturell erschlossenen und gut akzeptierten Bestandsflächen liegen. Hier lässt sich die bestehende Infrastruktur nutzen und ein Repowering durchführen, wodurch auch neue Eingriffe in die Natur minimiert werden. Dafür ist jedoch das Einvernehmen der Standortkommune erforderlich.

2. Repowering in der Regionalplanung stärken

Im Rahmen der Planaufstellung müssen Repowering-Vorhaben von Bund, Ländern und Kommunen auf Bestandsflächen leichter zu realisieren sein. Dafür müssen Ausnahmegenehmigungen auch im Fall von Moratorien ermöglicht werden. Dafür braucht es:

  • Die Wahl und Ausgestaltung von sogenannten weichen Tabukriterien (im Gegensatz zu harten Tabuzonen spricht bei weichen Tabuzonen „nur“ der Planungswille der Gemeinde gegen Windkraftanlagen) sowie die Rolle für das standorterhaltende Repowering
  • Regionalplanerische Ausnahmen
  • Die Ausweisung von Vorbehaltgebieten, in denen grundsätzliche harte oder weiche Tabukriterien gegen Anlagen sprechen

3. Repowering in vereinfachten Verfahren besonders berücksichtigen

Genehmigungsverfahren dauern zurzeit deutlich zu lange – hier braucht es dringend Veränderungen. Die gesetzlich vorgesehenen Projektmanager müssen tatsächlich eingesetzt werden und können die Verfahren beschleunigen, indem sie die Genehmigungsbehörden inhaltlich, technisch und organisatorisch unterstützen. Die Behörden müssen mit ausreichend Personal und Equipment ausgestattet werden.

4. Ausgleichsmaßnahmen werden angerechnet

Bei der Festsetzung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sollten Maßnahmen, die für Bestandsanlagen bereits veranlasst wurden, berücksichtigt werden.

5. Weiterbetrieb als Brücke nutzen

Für ein erfolgreiches Repowering braucht es zunächst einen Weiterbetrieb – ohne diesen geht nach der Stilllegung die Bestandsfläche verloren, da ein schneller Rückbau erforderlich ist. Der Weiterbetrieb gilt also als ein Instrument zur Flächensicherung und muss über zwei bis drei Jahre überbrückend wirtschaftlich ausgestaltet werden. Dafür soll der Jahresmarktwert über drei Jahre garantiert werden, wie es auch im EEG 2021 angedacht ist.

„Es braucht jetzt entschlossenes Handeln des Gesetzgebers. Die Windenergie ist der starke Leistungsträger der modernen Energiewirtschaft. Es braucht ein Anwachsen der installierten Leistung mit effizienten Anlagen. Dafür reicht der gegenwärtige Rechtsrahmen nicht aus. Der Gesetzentwurf für das EEG 2021 gibt allerdings die notwendigen Anknüpfungspunkte. Diese gilt es nun zu nutzen“, appelliert Albers.

Repowering in der Praxis

Wie gut Repowering in der Praxis funktioniert, hat der Öko-Energieversorger NATURSTROM zum Beispiel im thüringischen Frauenprießnitz gezeigt. Hier ersetzt eine einzelne neue Windkraftanlage gleich zwei ältere Windräder. Sie hat mit 2.350 Kilowatt eine deutlich größere Leistung als die beiden ehemaligen Anlagen, die zusammen auf 1.700 Kilowatt kamen. Demontiert wurden die zwei alten Anlagen aus dem Jahr 2001 Anfang Juni dieses Jahres.

Insgesamt bleibt der Windenergieausbau in Deutschland weiterhin schwach. Auch wenn in den ersten neun Monaten deutlich mehr Anlagen in Betrieb genommen wurden als im Vorjahreszeitraum, zählt der Herbst 2020 zu den schwächsten der letzten 20 Jahre. Das berichtet die Fachagentur Windenergie an Land.

Bis Ende September wurden immerhin 269 Neuanlagen mit einer Leistung von insgesamt 878 Megawatt ans Netz angeschlossen. Das sind zwar 70 Prozent mehr als im Vorjahr, jedoch fast 70 Prozent weniger als im Durchschnitt von 2014 bis 2018. Bis Jahresende wird ein Gesamtzubau von rund 1.500 Megawatt prognostiziert. jk


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