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Polarschmelze könnte den Golfstrom gefährden

Der Salzgehalt des Meerwassers droht durch die Eisschmelze in Grönland zu kippen, was im schlimmsten Fall zum Aussetzen des Golfstroms führen könnte. Wissenschaftler untersuchen jetzt die Verteilung des Süßwassers. (Foto: © fgeoffroy, flickr.com/pho
Der Salzgehalt des Meerwassers droht durch die Eisschmelze in Grönland zu kippen, was im schlimmsten Fall zum Aussetzen des Golfstroms führen könnte. Wissenschaftler untersuchen jetzt die Verteilung des Süßwassers. (Foto: © fgeoffroy / CC BY 2.0)

Der Golfstrom gilt als essentiell für unser Weltklima und wird unter anderem vom Salzgehalt des Meerwassers angetrieben, welcher durch die Eisschmelze in Grönland nun zu kippen droht. Wissenschaftler untersuchen jetzt die Verteilung des Süßwassers.

21.07.2016 – Der Golfstrom wird auch als die „Klimapumpe“ der Welt oder „Zentralheizung“ Europas bezeichnet. Die weit verzweigten Strömungen transportieren kaltes Wasser zum Äquator und warmes Wasser in Richtung der Pole. Für den gesamten Kreislauf sind jedoch das Absinken von kaltem sowie das Aufsteigen von warmem Wasser unerlässlich. Eine erhöhte Süßwasserzufuhr im Nordatlantik kann die Dichte des Oberflächenwassers verringern, wodurch der Golfstrom dauerhaft an Kraft verlieren könnte. Dies hätte gravierende Folgen für das gesamte Weltklima, da einige Regionen der Wasserströmung ihr mildes Klima verdanken.

Die letzte Kaltzeit hatte ihren Höhepunkt vor rund 13.000 Jahren. Aufgrund wärmerer Temperaturen in den vorangegangenen 2.000 Jahren brach damals vermutlich ein größerer Teil des Kontinentaleises in Nordamerika ab und brachte den Golfstrom aufgrund der großen Süßwassermengen zum Erliegen. Die globale Durchschnittstemperatur sank daraufhin um fünf bis sechs Grad Celsius und 32 Prozent der gesamten Erdoberfläche war von Eis bedeckt – heutzutage sind es noch etwa 10 Prozent. Seit nunmehr 10.000 Jahren lebt die Menschheit in einer Zeit mit relativ warmem und stabilem Klima.

Kippelement Golfstrom

Während das Klima der Erde bereits seit Milliarden von Jahren immer wieder schwankt, sind sich die Wissenschaftler inzwischen mehr oder weniger einig, dass der jüngste Klimawandel und Anstieg der Temperaturen auf den Menschen zurückzuführen sind. Die Klimageschichte hat uns geleert, welche Veränderungen ein Anstieg des Meeresspiegels durch erhöhte Süßwassermengen mit sich bringen kann. Das Weltklima reagiert dann aufgrund von Kippelementen sehr empfindlich. Sollte die Eisschmelze in Grönland die Dichte des Oberflächenwassers zu stark verringern, könnte das ähnliche Auswirkungen wie bei der letzten Kaltzeit haben.

So gibt es bereits Studien darüber, dass der Golfstrom in den letzten 100 Jahren an Kraft eingebüßt hat. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung veröffentlichte beispielsweise im letzten Jahr eine sehr umstrittene Studie im Fachmagazin „Nature Climate Change“, die zeigen sollte, dass das Schmelzwasser aus dem grönländischen Eisschild bereits zu einer Abschwächung der Meeresströmungen geführt hat. Unterschiedliche Aspekte der Arbeit wurden jedoch in der Fachwelt angezweifelt, sodass es nun umso wichtiger ist, wissenschaftlich belastbare Untersuchungen durchzuführen.

Grönland-Expedition soll Klarheit schaffen

Wissenschaftliche Mitarbeiter des Bremer Instituts für Umweltphysik sind deswegen nach Grönland aufgebrochen, um mithilfe der Edelgasmethode neue Erkenntnisse über das Verhältnis zwischen Süß- und Salzwasser im Nordatlantik zu erarbeiten, berichtet der SWR2. Etwa 700 Wasserproben sollen bis zu einer Tiefe von 400 Metern entnommen werden und Aufschluss darüber geben, wieviel Süßwasser im Nordosten Grönlands in den Ozean fließt.

Die Proben werden dabei auf die beiden Edelgase Helium und Neon untersucht, die in Luftblasen über Jahrtausende in den Gletschern eingeschlossen gewesen sind. Durch das Abschmelzen der Eisschicht gelangen die Gase nun wieder zurück in das Meer und geben bei einer erhöhten Konzentration darüber Aufschluss, wie groß die Anteile von Schmelzwasser im Ozean sind. Ebenfalls soll bei der Expedition erforscht werden, wohin die um Grönland verlaufenden Strömungen das Süßwasser transportieren. jk

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