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KlimawandelRekordwärme in Europa

Warming Stripes für Deutschland 2020
Für Deutschland hat das Fraunhofer ISE nach dem Vorbild der Warming Stripes von Ed Hawkins und auf Grundlage der Daten des DWD diese Grafik erstellt. Je röter, desto stärker die Anomalien hin zu warmen Temperaturen. (Grafik: © Fraunhofer ISE; Daten: © DWD; Design: Ed Hawkins)

In Deutschland ist es das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, in ganz Europa sogar das wärmste. Dazu kommt eine anhaltende Trockenheit. Die Klimakrise ist in vollem Gange.

09.01.2021 – Mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,4 Grad Celsius war das Jahr 2020 das zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Das meldet der Deutsche Wetterdienst nach Auswertung seiner rund 2.000 Messstationen in Deutschland. Mit 10,5 Grad im Jahresmittel war nur 2018 noch geringfügig wärmer. Tobias Fuchs, Klima-Vorstand des DWD sagt: „Das sehr warme Jahr 2020 darf uns nicht kalt lassen. Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend. Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln."

In ganz Europa war es sogar das wärmste Jahr. Das zeigen vorläufige Daten des Copernicus Climate Change Service. Gegenüber dem Vorjahr war es nochmal 0,4 Grad wärmer. Gegenüber einer Referenzperiode zwischen 1981 und 2010 war es sogar 1,6 Grad wärmer. In Deutschland betrug die Temperaturabweichung gegenüber dieser Vergleichsperiode 1,5 Grad. Das letzte Jahr ist Teil eines alarmierenden Trends zu warmer Jahre. Die zurückliegende Dekade seit 2010 war insgesamt die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland und Europa.

Bis auf den Mai war es in Deutschland in jedem Monat 2020 zu warm und oft auch zu trocken. Das letzte Jahr erreichte nur gut 90 Prozent seines Solls an Niederschlägen. Es regnete im Durchschnitt nur 710 Liter pro Quadratmeter (l/m2). Das langjährige bundesweite Soll liegt bei 789 l/m2. Das wäre nicht weiter dramatisch, wenn es in den letzten zehn Jahren nicht insgesamt neun Jahre zu trocken gewesen wäre. So konnten sich auch 2020 die tieferliegenden Bodenschichten nicht mit dringend benötigtem Wasser auffüllen.

2017 war es zwar noch leicht zu feucht gewesen. Doch 2018 richtete eine Dürreperiode unter anderem verheerende Schäden in der Landwirtschaft an. Es war das niederschlagärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bis heute konnten sich tieferliegende Bodenschichten nicht davon erholen. Vor allem der Nordosten Deutschlands leidet. Während im Schwarzwald und in den Alpen 2020 etwa 2.000 Liter pro Quadratmeter (l/m2) niedergingen, waren es in vielen Teilen Nordostdeutschlands unter 500 l/m2.

Bundesweit am wärmsten war es 2020 derweil in Nordrhein-Westfalen, mit einer Jahresmitteltemperatur von 11,1 Grad. Es folgen das Gebiet Rheinland-Pfalz/Saarland sowie Sachsen-Anhalt mit jeweils 11 Grad. Diese Bundesländer verzeichneten 2020 auch die wärmsten Jahresmitteltemperaturen seit Aufzeichnungsbeginn. In Europa vermeldeten Finnland, Schweden, Estland, Luxemburg, Frankreich, Belgien, die Niederlande und die Schweiz im letzten Jahr ebenfalls neue Temperaturrekorde.

Weltweit war es im vergangenen Jahr indes genauso warm, wie im bisherigen Rekordjahr 2016. Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, sagt: "Es geht nicht darum, dass ein Jahr rekordwarm war - es geht um den Trend der Erwärmung, angetrieben durch Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen.“ Während jährliche Temperaturen schwanken können, werde der Erwärmungstrend weitergehen, wenn wir unseren Ausstoß von CO2 nicht rasch reduzieren, so Rockström weiter. mf


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Kommentare

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Frank Kaspar 11.01.2021, 20:45:27

Hallo,

im Text "https://www.energiezukunft.eu/klimawandel/rekordwaerme-in-europa/" findet sich eine Abbildung mit der Beschriftung "Die Temperaturanomalien in den letzten Jahren im Vergleich zur internationalen Referenzperiode sind deutlich." Die dort verwendet Grafik zeigt allerdings nur die Januar-Temperaturen - sinnvoll und passend zur Beschriftung wären aber die Jahrestemperaturen. Die Darstellung der Jahreswerte gibt es beispielsweise hier: https://twitter.com/DWD_klima/status/1346142243464351744?s=20 . Viele Grüße, Frank Kaspar

energiezukunft 12.01.2021, 13:11:22

+32 Gut

Lieber Herr Kaspar,

 

vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die entsprechende Grafik ausgetauscht.

 

Mit besten Grüßen

die Redaktion


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