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Klimaschutz und LandwirtschaftFördermittel für Agroforst drastisch reduziert

Feld mit Gehölzstreifen
Obwohl Agroforst von Politik und Wissenschaft als wirksame Methode für natürlichen Klimaschutz und Biodiversität anerkannt ist, kommt eine adäquate Förderung einfach nicht in die Gänge. (Foto: Agroscope/Gabriela Brändle auf Flickr / CC BY-ND 2.0 DEED)

Das Landwirtschaftsministerium weist in seinem überarbeiteten GAP-Strategieplan sehr viel weniger Fördermittel für Agroforst-Systeme aus als in der Version vom Vorjahr. Die Begründungen zur Mittelkürzung sind lückenhaft und wenig überzeugend.

17.04.2024 – Bittere Enttäuschung herrscht beim Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF). Obwohl der Verband mit den Fachabteilungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums im Austausch steht, entdeckte der zuständige Fachbereich erst bei der Durchsicht des überarbeiteten GAP-Strategieplans 4.0 die sehr umfangreichen Kürzungen für Agroforstsysteme. Von 36 auf 8 Millionen Euro schrumpften die bereitstehenden Fördermittel für die Jahre 2024 bis 2027 seit der Veröffentlichung im Vorjahr.

Eine so drastische Reduzierung des im Vergleich zu anderen Maßnahmen ohnehin schon äußerst gering ausgestatteten Fördervolumens stehe eindeutig im Widerspruch zu den Klimaschutzzielen der Bundesrepublik Deutschland, kritisiert der Verband. Die wirksamste Öko-Regelung der Landwirtschaft bekomme die wenigsten Mittel. Die Antworten des Ministeriums auf Nachfragen überzeugten die Agroforst-Experten nicht.

Es geht um Mittel aus der Öko-Regelung 3, die um mehr als zwei Drittel gekürzt wurden. Sie stehen für die Beibehaltung bereits bestehender Agroforstsysteme bereit. Bestehende Agroforstsysteme gibt es bisher nur wenige, auch weil der Aufbau bzw. die Umwandlung von Flächen Investitionen erfordert, die wiederum über die Länder gefördert werden sollten. So wurde es zwischen Bund und Ländern vereinbart.

Verzahnung von Bund- und Länderförderungen funktioniert nicht

Dass die Länder hierbei sehr unterschiedlich und in der Mehrheit gar nicht agieren, darauf verweist DeFAF-Vorstand Christian Böhm. Nur in vier Bundesländern ist aktuell eine Investitionsförderung für Agroforstsysteme implementiert. In Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, die immerhin solch eine Regel haben, sind die Hürden so hoch, dass bisher kaum eine Fläche über diesen Weg gefördert wurde. In Niedersachsen war die Förderung nur für einen bestimmten Zeitraum möglich. In Sachsen gibt es weitere Restriktionen, beispielsweise dürfen Agroforstflächen nicht auf Grünland etabliert werden. Die restlichen Bundesländer haben bisher keine Unterstützung für Agroforstsysteme auf den Weg gebracht.

„Die Verzahnung der Förderung zwischen Land und Bund wurde nie wirklich umgesetzt“, so der Befund des Agroforst-Experten. Die bestehenden Agroforstsysteme seien in der Regel allein mit privaten Investitionen aufgebaut worden. Gerade in den Anfangsjahren, wenn die Erträge der vorher landwirtschaftlich genutzten Flächen fehlen und die Gehölze noch nicht erntereif sind, sondern viel Pflege brauchen, ist finanzieller Spielraum gefragt.

Ministerium argumentiert mit fehlender Nachfrage

Das Ministerium argumentiert, dass die Förderung gekürzt wurde, weil so wenig Nachfrage bestünde. Das kritisiert Böhm. Dass die ursprünglich im GAP-Strategieplan angesetzten Flächen zu hoch waren, hat der Verband selbst anerkannt. Allerdings sei die jetzige Kürzung überproportional und unangemessen.

Böhms Kritik richtet sich aber auch auf Details der Bedingungen: Viele der etablierten Flächen seien über die Öko-Regel 3 gar nicht förderfähig, weil sie die formalen Anforderungen nicht erfüllen. Böhm nennt ein konkretes Beispiel: „Es werden nur Agroforstflächen gefördert, die einen Mindestabstand von 20 Metern zum Flächenrand haben. Doch viele Systeme haben ihren ersten Gehölzstreifen eben genau am Flächenrand, und das ist auch sinnvoll. Die Restriktion ist paradox.“ Einleuchtende Begründungen dazu gibt es nicht. Ein weiterer Grund, die Förderung nicht zu bekommen, sei gegeben, wenn der Agroforst-Landwirt mehr als eine Ackerkultur auf der landwirtschaftlichen Fläche anbaut.

Für den Agroforst-Experten Böhm ist die Kürzung und ihre Begründung ein fatales Signal. Geld werde jetzt in andere Maßnahmen gegeben, wo die Nachfrage größer ist, aber die Klimawirksamkeit geringer. Aus seiner Sicht müssten stattdessen sämtliche bürokratische Hürden für Agroforstsysteme beseitigt werden und damit ein Anreiz gesetzt werden, damit die in punkto Klimaanpassung und Klimaschutz besonders prädestinierten Agroforstsysteme auch von den Landwirten als wirtschaftliche Chance gesehen werden. Böhms einzige Hoffnung: Die Strategiepläne unterliegen einer jährlichen Evaluation und können auch jährlich angepasst werden. „Doch diese Prozesse verlaufen schleppend und definitiv verlieren wir ein weiteres Jahr, in dem wir die Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen könnten.“ pf

Lesen Sie hier einen Artikel über einen Landwirt, der ein Agroforstsystem angelegt hat.

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